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2 (1900) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
Entstehung
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Erstes Buch. Historien.

Der weiße MelancholikusSteht traurig mitten im Überfluß.

Man will ihn ermuntern, man will ihn erheitern,Jedoch die klügsten Versuche scheitern.

Vergebens kommen mit Springen und SingenDie Bajaderen; vergebens erklingenDie Zinken und Pauken der Musikanten,

Doch nichts erlustigt den Elefanten.

Da täglich sich der Zustand verschlimmert;

Wird Mahawasantes Herz bekümmert;

Er läßt vor seines Thrones StufenDen klügsten Astrologen rufen.

Sterngucker, ich lass' dir das Haupt abschlagen,"Herrscht er ihn an,kannst du mir nicht sagen,Was meinem Elefanten fehle,

Warum so verdüstert seine Seele?"

Doch jener wirft sich dreimal zur Erde,lind endlich spricht er mit ernster Gebärde:O König, ich will dir die Wahrheit verkünden,Du kannst dann handeln nach Gutbefiudeu.

Es lebt im Norden ein schönes WeibVon hohem Wuchs und weißem Leib,

Dein Elefant ist herrlich, unleugbar,

Doch ist er nicht mit ihr vergleichbar.

Mit ihr verglichen, erscheint er nurEin weißeS Mäuschen. ES mahnt die StaturAn Bimha, die Riesin, im Ramajana,

Und an der Epheser große Diana.

Wie sich die Gliedermassen wölbenZum schönsten Bau! Es tragen dieselbenAnmutig und stolz zwei hohe PilasterVon blendend weißem Alabaster.

Das ist Gott Amors kolossaleDomkirche, der Liebe Kathedrale;

Als Lampe brennt im TabernakelEin Herz, das ohne Falsch und Makel.

Die Dichter jagen vergebens nach Bildern,lim ihre weiße Haut zu schildern;

Selbst Gantier ist dessen nicht kapabel,

O, diese Weiße ist implakabel!

Heine's Werte. III. Bd. 2

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