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2 (1900) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
Entstehung
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Nachwort zum Romancero. 11

auch von dir, teurer Leser, Abschied nehmen soll. Eine gewisse Rührungbeschlcicht mich bei diesem Gedanken; denn ungern trenne ich mich vondir. Der Autor gewohnt sich am Ende au sein Publikum, als wärees ein vernünftiges Wesen. Auch dich scheint es zu betrüben, daßich dir Valet sagen muß; du bist gerührt, mein teurer Leser, undkostbare Perlen fallen aus deinen Thräncnsäckchen. Doch beruhigedich, wir werden uns wiedersehen in einer besseren Welt, wo ich dirauch bessere Bücher zu schreiben gedenke. Ich sehe voraus, daß sichdort auch meine Gesundheit bessert, und daß mich Swedenborg nichtbelogen hat. Dieser erzählt nämlich mit großer Zuversicht, daß wirin der andern Welt das alte Treiben, ganz wie wir es in dieser Weltgetrieben, ruhig fortsetzen, daß »vir dort unsere Individualität un-verändert bewahren, und daß der Tod in unserer organischen Ent-wickelung gar keine sonderliche Störung hervorbringe. Swedenborgist eine grundehrliche Haut, und glaubwürdig sind seine Berichte überdie andere Welt, wo er mit eigenen Augen die Personen sah, dieauf unserer Erde eine Rolle gespielt. Die meisten, sagt er, bliebenunverändert und beschäftigen sich mit denselben Dingen, mit denensie sich auch vormals beschäftigt: sie blieben stationär, waren veraltet,rokoko, was sich mitunter sehr lächerlich auSnahm. So z. B. unserteurer Doktor Martinus Luther war stehen geblieben bei seiner Lehrevon der Gnade, über die er während dreihundert Jahren tagtäglichdieselben verschimmelten Argumente niederschrieb ganz in derselbenH Weise wie der verstorbene Baron Eckstein, der während zwanzig Jahrenin derAllgemeinen Zeitung" einen und denselben Artikel druckenließ, den alten jesuitischen Sauerteig beständig wiederkäuend. Aber,wie gesagt, nicht alle Personen, die hienieden eine Rolle gespielt, fandSwedenborg in solcher fossilen Erstarrung! sie hatten im Guten, wieim Bösen ihren Charakter weidlich ausgebildet in der andern Welt,und da gab es sehr wunderliche Erscheinungen. Helden und Heiligewaren dort zu Lumpen und Taugenichtsen herabgesunken, währendauch das Gegenteil stattfand. Sv z. B. stieg dein heiligen Antoniusder Hochmut in den Kopf, als er erfuhr, welche ungeheure Verehrungund Anbetung ihm die ganze Christenheit zollt, und er, der hieniedenden furchtbarsten Versuchungen widerstanden, ward jetzt ein ganz im-pertinenter Schlingel und liederlicher Galgenstrick, der sich mit seinemSchweine um die Wette in den Kot wälzt. Die keusche Susannebrachte der Dünkel ihrer Sittlichkeit, die sie unbesiegbar glaubte, garschmählich zu Falle, und sie, die einst den Greisen sv glorreich wider-standen, erlag der Verlockung des jungen Absalom, Sohn Davids.Die Töchter Lots hingegen hatten sich im Verlauf der Zeit sehrvertugendhaftet und gelten in der andern Welt für Muster der An-ständigkeit; der Alte verharrte leider bei der Weinflasche.

So närrisch sie auch klingen, so sind doch diese Nachrichten ebenso