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2 (1900) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
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12 Nomancero Letzte Gedichte,

bedeutsam wie scharfsinnig. Der große skandinavische Scher begriffdie Einheit und Unteilbarkeit unserer Existenz, sowie er auch dieunveräusserlichen Jndividnalitätsrcchle des Menschen ganz richtig er-kannte und anerkannte. Die Fortdauer nach dein Tode ist bei ihmkein idealer Mummenschanz, wo wir neue Jacken und einen neuenMenschen anziehen; Mensch und Kostüm bleiben bei ihm unverändert.In der andern Welt des Swedenborg werden sich auch die armenGrönländer behaglich fühlen, die einst, als die dänischen Missionäresie bekehren wollten, an diese die Frage richteten: ob es im christlichenHimmel auch Seehunde gäbe? Auf die verneinende Antwort erwidertensie betrübt: der christliche Himmel passe alsdann nicht für Grönländer,die nicht ohne Seehunde existieren konnten.

Wie sträubt sich unsere Seele gegen den Gedanken des Anfhvrcnsunserer Persönlichkeit, der ewigen Vernichtung! Der krorror vnoni,den mau der Natur zuschreibt, ist vielmehr dem menschlichen Gemüteaugeboren. Sei getrost, teurer Leser, es gicbt eine Fortdauer nachdem Tode, und in der andern Welt werden wir auch unsere See-hunde wiederfinden,

lind nun, lebe wohl, und wenn ich dir etwas schuldig bin, soschicke mir deine Rechnung.

Geschrieben zu Paris, den 30. September 1351.

Heinrich Heine.