Buch der Lieder.
Lebewohl.
Befreundet waren weiland ihre Herzen.
Doch Lästerzungen können Wahrheit schwärzen,'Und die Beständigkeit wohnt nur dort oben;Und dornig ist das Leben, und die JugendIst eitel; und entzweit sein mit Geliebten.Das kann wie Wahnsinnschmcrz im Hirne toben.
Doch nie fand sich ein Mittler dieser beiden.Der heilen wollte ihrer Herzen Leiden.
Geunber standen sich die Schmerzgcstaltcn.Wie Klippen, die des Blitzes Strahl gespalten.Ein wilder, wüster Strom stiebt seht dazwischen;Doch aller Elemente zorn'ge ScharVermag wohl nimmer gänzlich zn verwischenDie holde Spur von dem, was einstens war.
(Aus ColeridgeS „Christabel".)
Lebe wohl, und sei's auf immer!
Sei's auf immer, lebe wohl!
Doch, Versöhnnngslose, uimmerDir mein Herze zürnen soll.
Könnt' ich öffnen dir dies Herze,
Wo dein Haupt oft angeschmiegtJene süße Ruh' gefunden,
Die dich nie in Schlaf mehr wiegt!
Könntest du dnrchschaun dies HerzeUnd sein innerstes Gefühl!
Dann erst sahst du: es so gransamFortzustoßen, war zn viel.
Mag sein, daß die Welt dich preise,
Und die That mit Freuden seh', —
Muß nicht selbst ein Lob dich kranken,
Das erkauft mit fremdem Weh?
Mag sein, daß viel Schuld ich trage;
War kein andrer Arm im Land,
Mir die Todeswund' zu schlagen,
Als der einst mich lieb umwand?
Dennoch täusche dich nicht selber,
Langsam welkt die Liebe bloß,
Und man reißt so raschen BruchesNicht ein Herz vom Herzen loS.