Buch der Lieder.
Süßer Mond, mit deinen SirahlenScheuchest du das nttchi'ge Grauen;Es zerrinnen meine Qualen,
Und die Augen übertauen.
89.
Der Tod, das ist die kühle Nacht,Das Leben ist der schwüle Tag.Es dunkelt schon, mich schläfert,
Der Tag hat mich müd gemacht.
Wer mein Bett erhebt sich ein Baum,Drin singt die junge Nachtigall;Sie singt von lauter Liebe,
Ich hör' es sogar im Traum.
90.
„Sag, wo ist dein schönes Liebchen,Das du einst so schön besungen,Als die zaubermächt'gen FlammenWunderbar dein Herz durchdrungen?"
Jene Flammen sind erloschen,Und mein Herz ist kalt und trübe,Und dieS Büchlein ist die UrneMit der Asche meiner Liebe.
Götterdämmerung.
Der Mai ist da mit seinen goldnen LichternUnd seidnen Lüften und gewürzten Düften,Und freundlich lockt er mit den weißen Blüten,Und grüßt aus tausend blauen Veilchenaugcn,Und breitet aus den blumreich grünen Teppich,Durchwebt mit Sonnenschein und Morgentau,Und ruft herbei die lieben Menschenkinder.Das blöde Volk gehorcht dem ersten Ruf;Die Männer ziehn die Nankinghosen anUnd Sonntagsröck' mit goldnen Spiegelknöpfen;Die Frauen kleiden sich in Unschuldweiß;Jünglinge kräuseln sich den Frühlingsschnurrbart;Jungfrauen lassen ihre Busen wallen;Die Stadtpoeten stecken in die TaschePapier und Bleistift und Lorgnett', — und jubelnd