Druckschrift 
1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
72
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Am Kreuzweg wird begraben,Wer selber sich brachte um;

Dort wächst eine blaue Blume,Die Armesüuderblum'.

Am Kreuzweg stand ich und seufzteDie Nacht war kalt und stumm.Im Mondschein bewegte sich langsamDie Armesünderblum'.

Wo ich bin, mich rings umdunkcltFinsternis, so dumpf und dicht,

Seit mir nicht mehr leuchtend fnnkelt,Liebste, deiner Augen Licht.

Mir erloschen ist der süßenLiebesstcrne goldne Pracht,

Abgrund gähnt zu meinen FüßenNimm mich auf, uralte Nacht!

Nacht lag auf meinen Augen,

Blei lag auf meinem Mund,Mit starrem Hirn und HerzenLag ich im Grabesgrund.

Wie lang' kann ich nicht sagen,Daß ich geschlafen Hab',

Ich wachte auf und hörte,

Wie'S pochte au mein Grab.

Willst du nicht aufstehu, Heinrich?Der cw'ge Tag bricht an;

Die Toten sind erstanden,

Die cw'ge Lust begann."

Mein Lieb, ich kann nicht aufstchn,Bin ja noch immer blind;

Durch Weinen meine AugenGänzlich erloschen sind.

Ich will dir küssen, Heinrich,Vom Auge fort die Nacht;

Die Engel sollst du schauen,lind auch des Himmels Pracht."