Junge Leiden.
Der Tiber hast du manch Kleinod cntgrabeu,Die Seme mußte zollen deinem Ruhme, —Du drängest gar zu Brahmas Heiligiume,Und wvlltst auch Perlen aus dem Ganges haben.
Du geiziger Mann, ich rat' dir, sei zufriedenMit dein, was selten Menschen ward beschieden,Denk' ans Verschwenden jetzt, statt ans Erwerben.
Und mit den Schätzen, die du ohn' ErmüdenZusammen hast geschleppt auS Nord und Süden,Mach' reich den Schüler jetzt, den lust'gcn Erben.
An meine Mnttcr B. Heine,
geborene van Geldern.
1.
Ich bin's gewohnt, den Kopf recht hoch zu tragen,Mein Sinn ist auch ein bißchen starr und zähe;Wenn selbst der König mir ins Antlitz sähe,Ich würde nicht die Augen niederschlagen.
Doch, liebe Mutter, offen will ich's sagen:Wie mächtig auch mein stolzer Mut sich blähe,In deiner selig süßen, trauten NäheErgreift mich oft ein dcmutvolles Zagen.
Ist eS dein Geist, der heimlich mich bezwinget,Dein hoher Geist, der alles kühn durchdringet,Und blitzend sich zum. Himmelslichte schwinget?
QuäU mich Erinnerung, daß ich verübetSo manche That, die dir das Herz betrübet,Das schöne Herz, das mich so sehr geliebet!
2.
Im tollen Wahn hatt' ich dich einst verlassen,Ich wollte geh» die ganze Welt zu Ende,Und wollte sehn, ob ich die Liebe fände,Um liebevoll die Liebe zu umfassen.
Die Liebe suchte ich auf allen Gassen,Bor jeder Thüre streckt' ich aus die Hände,Und bettelte um g'ringe Liebesspende, —
Doch lachend gab man mir nur kaltes Hassen.
Und immer irrte ich nach Liebe, immerNach Liebe, doch die Liebe fand ich nimmer,Und kehrte um nach Hause, krank und trübe.