Junge Leiden.
Die Herzlein schwimme» im Frcndensce,
Dort oben in Gottes heil'ger Höh;
Doch auf den Häuptern, wie Grausen und Brand,Da hat die Hölle gelegt die Hand.
Das ist der finstre Sohn der Nacht,
Der hier den segnenden Priester macht;
Er murmelt die Formel ans blutigein Buch,
Sein Veten ist Lästern, sein Segen ist Fluch.
lind es krächzet und zischet und heulet toll,Wie Wogcngcbranse, wie Dvnnergeroll;
Da blitzet auf einmal ein bläuliches Licht, —„In Ewigkeit, Amen!" das Mütterchen spricht.
8.
Ich kam voil meiner Herrin Haus,
Und wandelt' in Wahnsinn und Mitternachtgrans.Und wie ich am Kirchhof vorübergehn will,Da winken die Gräber ernst und still.
Da winkt's von deS Spielmanns Leichenstein.Das war der flimmernde Mondesschein.Da lispelt's: „Lieb Bruder, ich komme gleich!"Da steigt's aus dem Grabe nebelbleich. ^
Der Spielmann war's, der entstiegen setzt,Und hoch aus den Leichenstein sich setzt.
Und die Saiten der Zither greift er schnell,Und singt dabei recht hohl und grell;
„Ei! kennt ihr noch das alte Lied,
Das einst so wild die Brust durchglüht,Ihr Saiten dumpf und trübe?
Die Engel, die nennen es Himinelsfrcnd',Die Teufel, die nennen es Höllenleid,Die Menschen, die nennen es — Liebe!"
Kaum tönte deS letzten Wortes Schall,
Da thntcn sich auf die Gräber all;
Viel Luftgestalten dringen hervor,
Umschweben den Spielmann und schrillen tm Chor:
„Liebe! Liebe! deine MachtHat uns hier zu Bett gebrachtUnd die Augen zugemacht, —
Ei, waS rnjit du in der Nacht?"
He ine's Werke. I. Vd. 2