1L6 Biographie.
nach Paris gerufen und machte mit Michael Lcvy krsrss einen neuenKontrakt. Dann legte die Witwe der Veröffentlichung des Nach-lasses manche Schwierigkeiten in den Weg; es verschob sich daher dieHerausgabe desselben bis 1863, wo er, gesichtet und geordnet vonAdolph Strodtmann, mit Ausnahme des Bruchstücks der Memoiren,durch Herrn von Embden an Hoffmann >d Campe verkauft wurde. —Diese Memoiren, deren Anfang und Schluß durch Heines BruderMax vernichtet worden, waren mit einem Teil der Hcineschen Korre-spondenz bei Frau Mathilde in Paris geblieben. Dieselbe starbjedoch, ohne ein Testament gemacht zu haben, plötzlich 1883 amHerzschlag, und ihre Rechtsnachfolgern: war eine alte Cousine im DorfeNinvt. Da Mathilde Heine die Universal-Erbin ihres Gatten gewesen,nahm Herr Henri Julia, als Bevollmächtigter der gedachten Erbin, allevorhandenen Papiere an sich und dieselben blieben, außer den Memoiren,bisher in seiner Hand, trotz des energischen Protestes der Familie Heine.
Seit dem 17. Februar 1883 ruht Mathilde neben ihrem Gattenauf dem Montmartre. Sie war keine hochbegabte, fein gebildeteFrau, die teilnehmend einwirken konnte auf daS dichterische Schaffenihres Mannes, aber sie besaß einen gesunden Mutterwitz, einebeständig frohe Laune, eine harmlose Naivetät, die Heine stets ent-zückten und bezauberten, und was über allem ist: sie war ihm einetreue, hingebende Galtin in glücklichen wie in trüben Tagen biszum Tode und über den Tod hinaus!
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Ein merkwürdiges Bild bietet uns dieses Dichterleben, das nunabgeschlossen vor uns liegt. Erst nach dem Tode beginnt die gerechteWürdigung, die frohe Anerkennung, die innige Teilnahme desdeutschen Volkes, das in Heinrich Heine den größten lyrischen Dichterder deutschen Nation nach Goethe verehrt, dessen Schriften einenungeheuren Einfluß auf die ganze Litteraturcntwicklung ausgeübthaben, dessen Prvsawcrke ein wichtiger Teil unserer Kulturgeschichtegeworden sind, und dessen poetische Schöpfungen fortleben werden, solange die Sprache lebt, in der sie gedichtet wurden.
Mit prophetischer Fernsicht hat Heine sein Leben, seine Bedeutungund sein Schicksal in jenem erhabenen Hymnus vorgezeichnet, derdiese Darstellung abschließen möge:
„Ich bin das Schwert, ich bin die Flamme.
Ich habe euch erleuchtet in der Dunkelheit, und als die Schlachtbegann, focht ich voran, in der ersten Reihe.
lind um mich her liegen die Leichen meiner Freunde, aber wirhaben gesiegt. In die jauchzenden Triumphgesänge tönen die Choräle derTotenfeier... Aufs neue erklingen die Drommeten, eS gilt neuen Kampf —Ich bin das Schwert, ich bin die Flamme."
Druck von Hesse ck Becker in Leipzig.