148 Biographie.
bis die ersten Stürme der Revolution losbrachen, die auch denLeidenden aus seiner Ruhe störte. „Welch ein Unglück," seufzte er,„solche Revolutionen in meinem Zustande zu erleben! Ich hättemüssen tot oder gesund sein." Unter diesem Eindruck stehen alleBriefe und Berichte, die Heine über jene weltgeschichtlichen Ereignisseschrieb. Was die Welt damals trieb und hoffte, war seinem Herzenvöllig fremd geworden; daß ihn die ersten Stürme furchtbar erregten,so daß es ihm „kalt über den Rücken und die Arme wie stechendeNadeln lief", das ist nicht zu verwundern. Aber diese Stimmungging bald vorüber und es blieb der pessimistische Grundzug, der injenen revolutionären Ereignissen nur noch „Universalmonarchie, Welt-kuddelmuddel, sichtbar gewordenen GotteSwahnsinn" erblickte.
Um den Stürmen der Revolution zu entgehen, hatte sich Heineans Zureden seiner Frau nach Passy transportieren lassen; manwollte es mit einer Luftveränderung versuchen; aber es zeigten sichalsbald beunruhigende Symptome, die ihn veranlaßten, wiederParis aufzusuchen.
Eine fürchterliche Angst quälte Heine damals beständig: die Angst,daß sein Gehirn gelähmt werden, daß er den Verstand verlierenwerde. Zu all diesen Leiden kam noch der Umstand, daß er infolgejener revolutionären Wirren bedeutende Geldverluste erlitt. DieAktien der Gouinschen Bank, in welchen er seine geringen Ersparnisseangelegt hatte, wurden durch die Revolution fast gänzlich entwertetund er mußte sie zu einein Spottpreise losschlagen. Und nebenKrankheit, Revolution und Geldverlusten quälte ihn noch eine maß-lose und sicher unbegründete Eifersucht. Einer seiner Ärzte erzähltedarüber folgendes: „Was vermag unsere Kunst im Kampfe gegeneine unsinnige Liebe und gegen die zügellose Eifersucht? Ich weißnicht, welcher unbegründete Verdacht sich der Einbildung unseresPatienten bemächtigt hatte, ich konstatiere nur die Thatsache. Nach-dem er sich von seiner auf den Boden gelegten Matratze hatte heruntcr-gleiten oder vielmehr herunterfallen lassen, ist er auf dem Bauche,indem er sich auf die Hände stützte, mit Anspannung aller seinerKräfte bis zur Thür des Schlafzimmers der Frau Heine gekrochen,Ivo er ohnmächtig zusammengebrochen ist und Gott weiß ivie langegelegen hat. Heine," so schloß der Arzt damäls seinen Bericht, „kenntsein Schicksal ganz genau und ich weiß, daß ihn sein Mut nicht ver-lassen wird. Es ist ein wunderbarer Mensch; er hat nur zwei Ge-danken im Kopf: seiner Mutter den Zustand seiner Gesundheit zuverheimlichen und die Zukunft seiner Frau zu sichern."
Sein erster Arzt war vr. Sichel, ein Wunderdoktor, der seineKranken heilte, ohne daß sie Medizin nahmen. Aber Heine genoßnicht dieses Vorteils und er mußte seine Zuflucht zu andern Ärztennehmen, vor allem zu einem Freunde, vr. Wertheim, der der Be-