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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
73
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Biographie. 73

Solomon Heine, der eben im Begriffe stand, eine größere Reise an-zutreten. Zu einer solchen Verständigung kam es überhaupt nie undkonnte es nie kommen, weil der Kontrast zwischen Oheim und Neffeein zu großer und die Kluft zwischen den Weltanschauungen beider einenicht zu überbrückende war, sodann aber, weil die Feinde Heines in undaußerhalb seiner Familie den Oheim beständig gegen ihn aufhetzten.

Salomon Heine war im Grunde genommen einer der edelstenund besten Menschen. Im siebzehnten Lebensjahre verließ er seineVaterstadt Hannover und wanderte auf gut Glück nach Hamburg,wo er schon in wenigen Jahren sich ein kleines Geschäft als Wechsel-makler errichten konnte. Seine eifrige Thätigkeit und seine streng-redliche Handlungsweise verschafften ihm bald viele Freunde undGönner, so daß er schon im Jahre 17S7, etwa dreizehn Jahre nachseinem eben nicht rühmlichen Einzüge in Hamburg, mit einemGeschäftsfreunde, Namens Heckscher, ein Bankgeschäft begründen konnte,daS er bis zum Jahre 1813 in Compagnie betrieb, von da an aberallein führte. Kaum ein Dceennium später hatte die Firma SalomonHeine einen europäischen Ruf erlangt.

Maximilian Heine hat die Parallele zwischen Oheim und Neffesehr richtig gezogen: Der Onkel, der durch unermüdliche Arbeit undhohe Intelligenz so große Reichtümer selbst erworben, blieb immerseinem Prinzip nach einfach, nie verschwenderisch, allzeit den Wertdes Groschens hochschätzend, was ihn jedoch nie verhindert hat,Hunderttausende für wohlthätigc Zwecke wegzuschenken — der Neffe,der den Wert des Geldes gar nicht kannte und immer bereit war, sozu leben, als ob er über Millionen zu verfügen hätte, schien in derIdee befangen zu sein, als ob der reiche Onkel nur deshalb aufErden wandelte, um seine enormen Ausgaben zu bezahlen. Beide,Onkel und Neffe, fühlten heimlich und unausgesprochen ihren gegen-seitigen Wert und ihre volle-Bedeutung, gerieten aber, so oft siezusammen kamen, jedesmal in heftigen Konflikt.

Auch die Hamburger „Tempeljnden" agitierten damals lebhaftgegen Heine, weil er ihren kleinlichen Refvrmbestrebnngen mit Spottund Hohn entgegentrat, und auch sie suchten ihn bei dem reichenOheim anzuschwärzen.

Seit dem Erscheinen des „Almansor" hatte die Stimmung gegenHeine überhaupt umgeschlagen. Schärfer als die zünftige Kritik hattedas lesende Publikum die Tendenz dieser Dichtung herausgcwittcrt,und es begann ein heimlicher und öffentlicher Kampf gegen Heine.

Man wird es nun wohl glauben, daß HeineS Aufenthalt inHamburg durchaus kein angenehmer war, wenn man sich die Situation,in der er sich befand, vergegenwärtigt: von den Christen gehaßt, vonden Juden angefeindet, von dem Onkel mit einem Geldgeschenk vonzehn LouiSdor abgefertigt, so lebte Heine in der Stadt, die zudem