Biographie. 7i
von deS Dichters eigenen Empfindungen und Erfahrungen und denjungen Leiden seines Lebens in diese Tragödie übergegangen. Freilichgipfelten diese „jungen Leiden" am Ende doch nur in einer ver-schmähten Liebe, die allein nicht ausreicht für einen tragischen Vor-wurf, und die in der That nicht wichtig genug ist, um das Schicksal vonGenerationen 'an den Trotz und die leichte Aufwallung einer Weiber-laune zu knüpfen.
Was aber die phantastischen Nebelgestalten betrifft, die in diesemDrama „über die Bühne schwanken und verschwinden", oder „sehn-süchtig die Arme gegeneinander ausstrecken, sich nahen, immer wiederauseinanderfahren und endlich verschwinden", so ist es nicht zu ver-kennen, daß sie unter dem Einflüsse eines Dichters entstanden sind,dessen Werke auf das jugendlich empfängliche Gemüt Heines un-streitig einen tiefen Eindruck hervorgebracht haben. Es waren E. T.A. Hoffmanns „Nebelbilder" und „Blendwerke", die auch hier ihrenSpuk forttrieben und die mit den „neblichten Gestalten" Heines eineverzweifelte romantische Familienähnlichkeit haben.
Es war eine arge Selbsttäuschung, wenn Heine glaubte, in diesenbeiden Tragödien, und nicht in den träumerischen Naturlauten seinerLieder, die urgeheimnisvollen sieben Siegel der Liebe gelöst zu haben.
Von dem Ehrgeiz nach den Lorbeeren des dramatischen Dichterswurde Heine durch die Aufnahme geheilt, die der „milde, helle Al-mansor" gefunden. Und doch hatte er, dem der Ruhm eines lyrischenDichters nicht geniigte, der vielmehr mit Shakespeare und mit Lessingeinen dramatischen Wettlauf wagen wollte, unleugbar viele Eigen-schaften und Anlagen, die ihn zum Bühnendichter befähigt hätten,vor allem ein tiefpoetisches Empfinden und eine glühende Phantasie,dann aber auch einen seltenen Bilderreichtum und eine nicht gewöhnlicheGestaltungskraft, sowie endlich eine scharfe Beobachtungsgabe und —was daS Wichtigste für den Dramatiker ist — einen Realismus derCharakteristik, der mit wenigen feinen Strichen ein vollständig getreuesBild einer Person oder irgend eines Gegenstandes zeichnen konnte.
War es nun Heine nicht beschieden, die dramatischen Gebildeseiner Phantasie von der Bühne herab wirken zu sehen, so ward ihmdafür das hohe Glück zu teil, daß der Zauber seiner Lieder in dasHerz des deutschen VolkeS sich senkte. Seine Lieder wurden in Musikgesetzt und überall gesungen. Sie waren in Wirklichkeit „Volksliederder neuen Gesellschaft". Deutschland war stolz auf Heine geworden,und hatte in ihm einen nenen Dichter von Gottes Gnaden erkannt,der berufen schien, das Erbe Goethes anzutreten.
VII.
Weder die rauschenden Vergnügungen der Hauptstadt, noch dasreiche geistige Leben des damaligen Berlin brachten jedoch Harry Heine