Biographie. LS
— Almansvr saß eben mit Znleima auf einem Felsen — da tratein Stallmeister H. ins Parterre, erkundigte sich ziemlich laut, werder Verfasser des Stückes sei, und machte höhnische Witze über dieSituation. „Der Jude Heine," flüsterte ihm sein Nachbar zu. ImGlauben, ein damals in Brannschwcig lebender, berüchtigter Wucherer,Namens Heine, sei der Autor, rief er entrüstet aus: „Was? DenUnsinn des albernen Juden sollen wir uns anhören? Das wollenwir nicht länger dulden! Laßt uns das Stück ausstachen!" Wirklichging er mit dem guten Beispiel voran und fing zu zischen an; baldsekundierten ihm seine Gesellen im Parterre und auf der Galeric —eS entstand ein rohes Trampeln und Pfeifen und jeder Versuch, dieRuhe wieder herzustellen, war vergeblich; der Vorhang mußte fallen.Nach diesem Auftritt verzichtete Klingemann auf die gleichfalls projek-tierte Ausführung des „Ratcliff".
Damit war in Heines Leben ein entscheidender Wendepunkt ein-getreten: Er hatte in sich den Beruf zum Dramatiker gefühlt undwollte auf diesem Felde seine höchsten dichterischen Lorbeeren ernten
— nun waren alle diese Hoffnungen mit dem „Almansvr" zu Grabegetragen. Überdies spielte ihm seine Phantasie einen argen Streich
— er lebte in dem Wahn, daß ein Jude und ein Christ in Braun-schweig seine Verfolger seien und den Fall seines Dramas angeregtsowohl wie eingeleitet hätten. Dadurch wurde er noch mehr erbittertgegen seine Feinde unter den Christen wie unter den eigenen Stammes-gcnossen, und an Äußerungen dieser Bitterkeit ließ er es weder inBriefen noch in Gedichten ans jener Periode fehlen.
Vl.
Wenn man die Bedeutung Heines und seine Stellung in derdeutschen Littcratur zu schildern unternimmt, so muß man zunächstauf die Schule zurückgehen, von der er ausgegangen, in der er seineLehrjahre verbracht und unter deren Banne er sein halbes Lebenlang und darüber gestanden: auf die Romantik.
Die romantische Schule ist erst heute voll und ganz zu verstehenund objektiv zu beurteilen, nachdem auch der letzte Schimmer ihresGlanzes verloschen und keine Spur mehr von ihrem Dasein zeugenkann. Sie war eigentlich ein Kind der Verzweiflung und des poli-tischen Jammers, der nach der großen französischen Revolution sichaller Gemüter bemächtigt hatte. Sie begann zugleich in England,in Frankreich und in Deutschland mit einer heftigen Opposition gegendie Überschätzung der Antike und gegen die nüchterne rationalistischeNufklttrungssucht.
In der klassischen Schule aufgewachsen und groß gezogen, gerietsie im Verlauf ihres Daseins in den entschiedensten Gegensatz zu