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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
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47
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Biographie. 47

den alten und düsteren Räumen, in denen einst die Romantik ihretollen Orgien gefeiert, fand sich allnächtlich ein KreiS von phan-tastischen Gesellen — Poeten und Studenten — zusammen, vorderen Anblick sich jeder redliche «Spießbürger schnell bekreuzte; dawaren Ludwig Devrieut und E, T, A, Hoffmann, die letzten derromantischen Tafelrunde, ferner Christian Dietrich Grabbe, der genialeDichter „mit dem Kainsstempel göttlichen Wahnsinns an der Stirn",Ludwig Robert, Karl Köchy, Friedrich v, Uechtritz und da saß auchHarry Heine und jubelte und schrie und trieb wohl auch alle jenegenialen Tollheiten mit, die dort ausgeheckt wurden, jene Träume,Schnurren und Zoten, um den Wurm gewaltsam zu morden, derdrinnen im Herzen festsaß und dasselbe zernagte. Sowohl die Mit-teilungen der Genossen als auch die vor einigen Jahren erschienenenBriefe von und an Grabbe geben die interessantesten Aufschlüsse überdas tolle Treiben dieses Kreises, das seinen Gipfel in jener seltsamenEpistel Grabbes an den Kronprinzen von Preußen erreicht hatte, diemit den Worten schließt: „Viele nannten mich genial, ich weiß in-des nur, daß ich wenigstens Ein Kennzeichen des Genies besitze, denHunger." Grabbe war es auch, der in diesem Kreise übermütigerZecher Heine am meisten interessierte und dessen er später noch in den„Memoiren" freundschaftlich gedenkt.

Aber aus all diesen Bacchanalien erwachte Heine doch wiederzu poetischem Schaffen. In dem kleinen Stübchen „mit rotseidencnGardinen" in der dritten Etage der Behrenstraße Nr. 71, da ent-standen damals jene wundersamen Weisen unglücklicher Liebe, jenewehmütig-ironischen Lieder, die den großen Schmerz seiner Seele be-weinten. Und hier war es auch, wo den noch immer hoffendenJüngling die Botschaft erreichte, daß die Geliebte seines Herzenseinem andern Manne ihre Hand gereicht habe. Es war am 1. Maides Jahres 1821, wie der Dichter selbst in dem bereits Merten Ge-dichte angiebt; Amalie Heine hatte, wahrscheinlich dem Drängen derVerwandten nachgebend, einem reichen Bewerber, dem Ritterguts-besitzer John Friedländer aus Königsberg, sich vermählt.

Sie haben dir viel erzähletUnd haben viel geklagt;

Doch was meine Seele gequttlct,

Das haben sie nicht gesagt.

Sie machten ein großes WesenUnd schüttelten kläglich das Haupt;

Sie nannten mich den BösenUnd du hast alles geglaubt . . .

In diesem und zahlreichen ähnlichen Liedern, die zumeist aus jenen