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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
46
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46 Biographie.

der Leichtgläubigkeit des Dichters, der vielleicht biiseu Einflüsterungengegen den Freund in schwachen Stunden Gehör gab, oder, weil diesereine Bitte, die nicht zu erfüllen, unberücksichtigt ließ, daraus anseine Fahrlässigkeit Varnhagens schloß, genug, das Verhältnis zwischendiesen beiden Männern war wohl ein schönes, aber nicht andauerndes.

Aber noch eine andere Frau muß hier billigerweisc genanntwerden, die ebenfalls einen geistreichen Zirkel um sich versammelte,und die ans Heines dichterische Entwicklung den gedeihlichsten Einflußausgeübt hat — nämlich Elise von Hohenhausen, die, selbst einebegabte Dichterin, an jedem Dienstag die besten und gelehrtestenMänner, an denen daS damalige Berlin so reich war, in ihrem Salonversammelte. Varnhagen und Rahel sowie ihr Bruder LudwigRobert und dessen wunderschöne Gattin, Friederike Robert, Chamissv,Eduard Gans, Lazarus Bcndavid, Wilhelm Hcnscl, Apvllonius vonMaltiz, Hermine von Chezy, Fanny Tarnow und andere tauschtendort in ernsten und heiteren Gesprächen ihre Ansichten über diewichtigsten Tagcsfragcn der Litteratnr und der Kunst ans. Indiesem Kreise las Heine zuerst seine Gedichte, die er unter dem Namen„lyrisches Intermezzo" gesammelt hatte, seine Tragödie „Almansor"und die Bruchstücke einer neuen Tragödie, die er inzwischen begonnenhatte, „Ratcliff" vor. Elise von Hohenhausen hat das Verdienst,zuerst fast die dichterische Größe Heines erkannt zu haben; sie wares, die ihn als Nachfolger Lord Byrons in Deutschland proklamierte.Noch nach dreißig Jahren, ans seinem Krankenbette, gedachte Heinein wehmütiger Rückerinnerung der heiteren und schönen Stunden,die er in diesem edlen Kreise verlebt.

Auch mit Heinrich Stieglitz und seiner, durch ihr tragisches Endeberühmten Gattin, Charlotte, wurde Heine während seines BerlinerAufenthaltes durch Varnhagen bekannt. Über einen Besuch, den erin Begleitung seines jüngeren Bruders Maximilian bei diesem Ehe-paare, welches damals in einem Gartenhause in Potsdam wohnte,gemacht, hat dieser einige interessante Mitteilungen veröffentlicht,denen zufolge der Eindruck, den das junge Ehepaar "auf beide erregte,schon damals ein eigentümlicher, beängstigender gewesen ist. Ansallem sprach die unsichere bürgerliche Lage, ein Überschwang dichterischerPhantasie, nirgends ein ruhiger Halt. Heine prophezeite dem selt-samen Paar schon damals ein tragisches Ende.

Neben diesen geistreichen und klugen, genialen und frivolenMännern und Frauen lebte aber noch ein anderer Kreis von nichtminder genialen und nicht minder frivolen jugendlichen Männerndamals in Berlin, in den Heine gleichfalls hineingezogen wurde, undin dem er sich bald sehr wohl und behaglich fühlte. In jenerlitterarhistorisch berühmten Weinstube von Lutter und Wegener inder Behrenstraße — unweit der damaligen Wohnung Heines — in