Biographie. c,g
Charakters auf deu Dichter wird »och später die Rede sein. AuchFriedrich Steinum»» kannte Heine schon von Düsseldorf her.
Sein ältester und trcncster Freund war auch hier ChristianSethe und als ein Denkmal dieser Freundschaft entstanden in jenenTagen die bekannten FreSko-Sonette, an diesen Freund gerichtet.
Wie auf dem Glimnasiniu, so blieb auch ans der UniversitätChristian Sethe der Beschützer Heines in mannigfachen Händeln, diedieser teils um seines Glaubens willen, teils wegen seines scharfenund oft verletzenden Witzes auszufechten hatte. Wegen seiner klarenund vorsichtigen Dcnknngsart hatte er ihm den Beinamen „Staats-rat" gegeben.
Josef Neunzig war auch in Bonn wie früher in Düsseldorf derNachbar Heines. Vis in sein spätes Lebensalter ist Neunzig vorallem jener eigentümliche satirische Zug um die Mundwinkel Heinesin Erinnerung geblieben, wenn derselbe irgend einen Scherz, einenWitz oder eine Bosheit erzählte. Eines Tages porträtierte Neunzigseinen Freund auf Elfenbein.
Obwohl er in jener Zeit der Burschenschaft angehörte und anihren Sitzungen sogar lebhaften Anteil nahm, hatte Heine sich dochwenig von den Stndentcnsitten angeeignet. Er rauchte nie — derTabaksdunst war ihm aufs tiefste verhaßt — trank fast gar keinBier und auch Wein nur sehr mäßig. In größeren Versammlungenverhielt er sich meist sehr still, gegen Fremde zurückhaltend und nurim vertrauteren Freundeskreise ließ er seinem Witz und seiner Ironie,für die Betroffenen oft in verhängnisvoller Weise, die Zügel schießen.Man hielt ihn deshalb für herzlos und kalt; aber die ihm nahe-stehenden Freunde erkannten wohl, daß hinter der abstoßendenHülle sich ein tiefes und weiches Empfindnngsleben barg und daßder Dichter bereits in jungen Jahren scheu vor der Außenwelt sichin sich selbst zurückzog.
Heine suchte schon damals in der Poesie die Trösterin fürjegli ches Leid und huldigte eifrig der Muse. Die Pandekten und diegrancn Institutionen des GajnS sagten ihm wenig zu; die „eisernenParagraphen selbstsüchtiger Rechtssystemc" stimmten ihn oft verdrießlich.Die Traumbilder, Lieder und Romanzen der „Jungen Leiden" wurdenmeist in Bonn vollendet und sämtliche Sonette hier verfaßt. DieseFreSko-Sonette sind ganz und gar verschieden von der gewöhnlichenSoncttendichtnng. Es beginnt schon mit ihnen die volle AuflehnungHeines gegen alle bestehenden Gesetze der Poetik; er gebraucht diemelodische Form deS Sonetts für Zwecke, die diesem fremd sindund statt harmonisch abzuschließen, enden diese Lieder mit einemschrillen Mißklang.
So war das Leben in Bonn sehr günstig für die poetischen An-lagen Heines. Trotzdem entschloß er sich schon im Herbst desselben