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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
37
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Biographie. 37

Aufnahmeprüfung zu bestehen; sowohl er wie sein Freund JosefNeunzig erhielten die letzte Nummer, Nr. III. Heine wurde am2. Dezember im Lateinischen, am 4. Dezember in der Geschichte ge-prüft. Für den deutschen Aufsatz hatte Professor Windischmann dasThema gegeben: „Die Gründe, worauf es für die Entscheidung füreinen bestimmten Beruf wesentlich ankommt." Leider ist der Aufsatzvon Heiue nicht mehr aufzufinden gewesen; nach einer Mitteilungdvn Josef Neunzig soll er das Thema durchaus humoristisch etwa infolgender Weise behandelt haben: „Die Wissenschaften, welche indiesen Hörsälen gelehrt werden, bedürfen vor allem der Schrcibbänke;denn diese sind die Stützen, die Träger und Grundlagen der Weisheit,welche vom Munde der Lehrer ausgeht, und von den andächtigenSchülern in die Hefte übertragen wird. Dann sind aber auch dieSchrcibbänke gleichsam Gedenktafeln für unsere Namen, wenn wirdiese mit dcm Federmcsser hincinschneiden, um künftigen Generationen dieSpur unseres Daseins zu hinterlassen." Das Zeugnis, welches Heine am39.DezcmbervonderPrüfnngskommission erhielt, lautet folgendermaßen:

„Harry Heine Nr. III.

Griechisch hat er nicht gelernt. Im Lateinischen ist er von un-sicherer Kenntnis und zu geringer libnng, weshalb er auch keinenAufsatz geliefert hat. Zu einer Prüfung in der Mathematik hater sich nicht verstanden. In der Geschichte ist er nicht ohne alleKenntnisse. Seine deutsche Arbeit, wiewohl auf wunderliche Weisegefaßt, beweist ein gutes Bestreben."

Am II. Dezember 1819 wurde Heine als stmcliosus juris indaS Uuiversitätsalbnm eingetragen. Er horte im ersten Winterhalb-jahr sechs Vorlesungen und berichtet selbst darüber: „1. Geschichteder deutschen Sprache bei Schlegel, der fast drei Monate lang diebarocksten Hypothesen über die Abstammung der Deutschen entwickelte;2. die Germania des Tacitus bei Arndt, der in den altdeutschenWäldern jene Tugenden suchte, die er in den Salons der Gegenwartvermißte; 3. germanisches Staatsrecht bei Hüllmann, dessen historischeAnsichten noch am wenigsten vag sind, und 4. deutsche Urgeschichtebei Radloff, der am Ende des Semesters noch nicht weiter gekommenwar, als bis zur Zeit der Sesvstris." Außerdem besuchte Heinefleißig die littcraturgeschichtlichen und ästhetischen Vorträge des Pro-fessors Delbrück und die sehr anregenden Vorlesungen des Privat-docenlen Hundeshagen über Kunst und Leben des Mittelalters. Imzweiten Semester hörte er bei Mackeldey Institutionen des römischenRechts, bei Schlegel die historisch-kritische Erklärung des Nibelungen-lieds fowie Metrik, Prosodie und Deklamation und bei HüllmannKulturgeschichte, germanisches Staatsrecht des Mittelalters und fran-zösische Gcfchichte.