LL Biographie.
SpionS und Vaterlandsverräters gespielt hatte, wurde das Signalzu einer großen Demagogenhetze, welche soviel edle Kraft und edlesWollen zu Tode gejagt hat. Die Mainzer Central-Untersuchnngs-kommission spann ihr Netz über alle deutsche Universitäten aus undalle, welche nur im entferntesten Verdacht bnrschenschaftlichcr Ge-sinnung standen, wurden in Untersuchung gezogen. Heine erlebtediesen Auflösungsprozeß der allgemeinen deutschen Burschenschaftwährend seiner Studienzeit mit, und man darf wohl annehmen, daßdie Eindrücke jener trostlosen, niedergedrückten Zeit, der sogenanntenRestaurationsepvchc, bestimmend und maßgebend wurden für seinepolitische Weltanschauung, die eigentlich trotz aller scheinbaren Wand-lungen doch immer dieselbe geblieben ist.
Schon in den ersten Tagen seines Bonner Aufenthalts, bevorer noch die Aufnahmeprüfung bestanden und ordentlich immatrikuliertwar, wurde Heine mit mehreren seiner Freunde in eine politischeUntersuchung verwickelt. Veranlassung dazu gab ein Fest, welchesdie Studierenden der Universität am 18. Oktober, dem Jahrestag derVölkerschlacht bei Leipzig, veranstalteten. Sie zogen abends ans dennahen Krenzberg, wo bei dem Schein der Fackeln und einem mächtigenFrendcnfcucr ein Berliner Theologe eine schwungvolle und begeisterteRede hielt, in der er „zu Tugend und Religion, zum fleißigen Diensteim Dome des deutschen Volkes und im Tempel der Wissenschaft er-mahnte, darauf hinwies, daß das Volk auf die blühende Jugendhoffe und mit der Frage schloß, ob sich einer dem Dienste des Vater-landes entziehen wolle." Natürlich wurde die Frage einstimmig ver-neint und nach einem Hoch auf den kurz vorher verstorbenen VaterBlücher ging die Versammlung auseinander.
Bald darauf erschien in einer Düsseldorfer Zeitung ein Referat,das Josef Neunzig, Heines Landsmann und damaliger Stubengcnosse,eingeschickt hatte, und in welchem dem Hauptredner folgende Wortein den Mund gelegt wurden: „Brüder! aus uns ruht eine schwereLast, auf uns hofft und wartet das Volk, um das gedrückte Vater-land vom Drucke zu befreien." Darauf sollte ein donnerndes Hochans die damals stark verpönte Burschenschaft ausgebracht worden sein.— Grund genug, um sofort eine hochnotpeinliche Untersuchung an-zustellen, in die elf Studenten und zwei Professoren, welche aus dem.Kreuzberg mit anwesend waren, hineingezogen wurden. Die Unter-suchung wurde von dem berühmten Strafrcchtslchrcr Mittermaiergeführt und das mit Heine aufgenommene Protokoll ist noch erhalten.Die Untersuchung stellte sich schließlich als resnltatlos heraus; aberder Eindruck, den dieselbe ans Heine und seine Freunde hervorbrachte,darf nicht unterschätzt werden, wenn man sein Lebensbild aus histo-rischen Bedingungen konstruieren will.
Wie bereits bemerkt, hatte Harry Heine in Bonn zunächst eine