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Das Haus Gerold in Wien 1775-1925
Entstehung
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Die Newensteinsche Buchhandlung hat eine interessante Geschichte, Sie wurde1722 von dem aus Köln stammenden, von Kaiser Karl VI.in Ansehung seines seinerzeit herbezeigenden guetten Studii Poetici, auch hierin besitzender Vernunsst und Capazität"anfangs 1716 zumkais. gecrönten Hoff-Poeten" ernannten Johann Carl Nervengegründet. Schon 172g heißt es in einem Inserat imWiener Diarium" (Nr. 20), daßin Herrn Johann Carl Newens Buchladen zum goldenen Vlüß in der St. Anna-Gasse,am Kaiserl.Prob. Hause Soc. Jesu" verschiedene lateinische Bücherum einen leidentlichenPreis zu haben ser?n". Am g. August 1726 stellte die Wiener Universität Nerven ausGrund seiner Anmeldung vom 22. Dezember 1722 ein Diplom als Universitäts-Kunst-und Buchsührer ans und am ig. April 17ZZ erhob Karl VI. ihn in den Adelstand desHeil. Rom. Reiches mit dem Prädikatvon Nelvenstein". Von da ab hieß das Geschäftvon Nervensteinsche Universitäksbuchhandlung", befand sich eine Zeitlang am Iudenplatzund dann aus der Hohen Brücke. Es scheint sehr populär gewesen zu sein und oft nenntes sich selbst nur nach seinem Schild.

Trotz aller dieser ihm gewordenen Auszeichnungen habe ich leider auch von diesem Hos-poeten keinerleiContersei" austreiben können. Er ist selbst in der Literaturgeschichte ziemlichunbekannt, obwohl er zierliche lateinische Verse in Unzahl geschmiedet hat. Ein merkwürdigerMann! Unser geistiges Auge, seine Dichtungen überfliegend, stellt sich ihn als ein puppen-haftes Figürchen ü Huutra spinales vor, mit langer Perücke, Degen und Schnallen-schuhen, ein spitzenbesetztes Taschentuch und ein kapriziöses Lorgnon in der Hand. Oft warer scheinbar in Geldverlegenheit, denn von mancher Klage und Exekution gegen ihn istuns eine Spur erhalten und meist handelte es sich um geringe Beträge. Und doch mager nicht wenige Dukaten und Zechinen eingenommen haben, denn kaum eine Gelegenheitläßt der Hospoet vorbeigehen, ohne ein gekröntes Haupt, eine hochstehende weltliche Größeoder einen geistlichen Würdenträger bei ihrem Ausenthalt in Wien, beidero hohenGeburtstag" oder bei anderer passender Veranlassung wenigstens im Diarium in prunk-vollen, lateinischen Versen zu besingen, und nie versäumte er es dann auch, sich ausdrück-lich alseuss. unl. Uost. lunr." (gekrönter kaiserlicher Hospoet) zu unterzeichnen. Dabeisagt er stolz in einem nicht allzu ciceronischen Latein:Das ist mein Gesetz: NichtsFalsches zu berichten, nichts Wahres zu verschweigen. Süß ist es, die Zeichen desGeistes und der Begebenheiten zu beleuchten, die Beispiele liebenswürdiger Tugend zubetrachten." (Im Prolog der Uanckketus Zuseularss, einer sehr hübsch ausgestattetenFestschrist zum vierhundertjährigen Jubiläum der Niederlassung der Karthänser in Nieder-österreich. Wien, Van Ghelen, 17Z2.) Vielleicht aber war auch er schon nur zeitweiligstarkimmobilisiert", denn er hat als Sortimenter und Antiquar ein geradezu impo-nierendes Lager gehalten.