Druckschrift 
Parentalia : Grundlagen zu einer Geschichte der Bangen
Entstehung
Seite
15
Einzelbild herunterladen
 

darauf eine Informationsstelle beym Regierungsrath Reich zuBüdingen an, die mir ungemein vortheilhaft gewesen ist. Dennweil ich dieses Amt bey schon erwachsenen Schülern mit allerTreue zu verwalten mich bestrebte, so wurde ich jezt erst indie humaniora und Bekanntschaft mit den alten römischen undgriechischen Schriftstellern hineingeführt. Ich gebrauchte dieErnestischen Schriften, welche ich bereits auf der Schule hattekennen lernen, ohne Aufhören ; ich lernte immer mehr undmehr erkennen, was es einem Gottesgelehrten für Vortheilbringe, ein rechter Humaniste zu seyn. Von dieser Zeit anwurde also mein Geschmack fast umgestimmt; ich wurde nunganz das für die litteras humaniores , was ich vorher für Philo-sophie und Mathematik gewesen war. Daher ich alle alteSchriftsteller las, deren ich konnte habhaft werden, diejenigendoch vorzüglich, die sich durch Beredsamkeit und Schönheitder Schreibart auszeichnen, und unter den Neueren diejenigen,welche jenen nachgeahmt haben.

Ich wendete mich hernach wieder nach Marburg, wo ich beydem neu errichteten lutherischen Waisenhause 1766 Informa-tor ‘), und 1768 * 2 ) Doktor der Philosophie wurde. Nun wollteich als Lehrer die humaniora auf dieser Universität ausbreiten 3 ),allein es waren damals die Studenten für dergleichen Lektionennicht gemacht,welches manche Einsichtsvolle Männer bedauerthaben. Dies bewog mich, 1772 die Pfarrstelle in Gossfelden

b Vergi. J. N. Seip’s Zweite Nachricht von dem neu errichteten Evang.-Luth.Waisen-Hause zu Marburg , 1767, wo Bang auf S. 4-5 erwähnt wird.

2 ) Nach Ausweis der Marburger Universitätsmatrikel wurde er am 9 März1768 dort immatrikuliert.

3 ) Siehe unten die Einladungsschrift De usu Patrum. Unterm 3 . Juli 1769wird er im Halsdorfer Tauf buche von seinem Schwager Faust als «Magisterlegens » (etwa Privatdocent) bezeichnet.