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folgen und ihnen doch das ihrige nehmen. Er ließ aber dennochwiederum 50 Mann zum Schutze der Stadt zurück. 24 )
Alles dies war indessen nur das Vorspiel zu den Schreckens-szenen gewesen, die am 15. November sich ereigneten. Einige hun-dert Reiter begehrten am Morgen dieses Tages Einlaß in die Stadt,und da der die 50 Mann befehligende Offizier dies verweigerte,kam es zwischen der Besatzung und den Einlaß fordernden Truppenzu einem blutigen Kampf, worin letztere siegten und erstere zumAbzug genötigt wurden. Die Sieger wollten nun in der Beute denPreis des Kampfes ernten, doch gab es fast nichts mehr, was inder Stadt zu rauben gewesen w'äre. Der Verdacht, die Einw'ohnerhätten ihre Kostbarkeiten versteckt, Erbitterung über den ge-fundenen Widerstand, die ungezügelte Begierde des durch den Kriegfast tierisch gewordenen Kriegsvolkes führte zu den entsetzlichstenpersönlichen Verletzungen der armen Einwohner. Die Männerwurden mit schwedischen Tränken, Daumenschrauben und anderenMartern zur Angabe ihrer verborgenen Schätze gezwungen odermutwillig getötet, den Weibern wurde Gewalt angetan, einige im
24 ) Puchheim hat, meiner Meinung nach, einen sehr verständigen Ratgegeben und durch die Zurücklassung eines Schutzes alles getan, was ertun konnte, vielleicht mehr wie er durfte. Man muß sich vergegenwärtigen,daß sich die kaiserliche Armee auf dem Rückzüge befand und selbstden bittersten Mangel litt. Erzählt doch der Magister Bernhard von derLinde in seiner 1645 gehaltenen Plünderpredigt ausdrücklich, daß die Sol-daten gekochtes Katzenfleisch und anderes, weniger appetitliches aßen ausMangel an jeglichen Nahrungsmitteln. Hunger, Elend und Krieg aber ent-fesseln im Menschen Triebe, die wir in normalen Verhältnissen weit vonder Hand weisen, in die nur hineinzudenken wir kaum imstande sind. UnsereVäter, die in den großen Kriegen des 19. Jahrhunderts mitgefochten haben,w'erden mir das bestätigen. Wir wollen als moderne Menschen bemüht sein,objektiv zu sehen. Wo Schatten fällt, muß man auch bestrebt sein, denLichtschimmer zu erblicken, und sei er noch so klein.
Ganz anderer Meinung ist allerdings der mehrfach erwähnte PfarrerCrusio, der sich ganz den poetischen Aufzeichnungen des Kantor GeorgFreyer, die er in ungebundene Rede zu übersetzen für nötig erachtet hat, an-schließt, und Hölle und Verdammnis auf die Plünderer, Räuber und Mörderherabwünscht. Mit einem gewissen Wohlbehagen erzählt er dann, wieGraf von Puchheim ein Jahr nach diesen Ereignissen seine „gerechte“Strafe bekommen. Als man nämlich ihm zu Ehren diesen Tag der Einnahmevon Perleberg mit „Sauffen, Fressen, Schießen und Pankettieren celebrieret,sei er durch seinen Pagen, dem er selbst die Pistohl gegeben, durch einBeingeschossen, daß es nicht kurieret werden möge, sondern es sei der kalteBrand dazu geschlagen, und daran sei er in wenigen Tagen elendiglich ver-storben.“' „So werden auch andere ihren gerechten Lohn bekommen haben!“ruft er dann aus.
Wir wollen uns denn doch von dieser Auffassung christlicher Nächsten-liebe des alten zelotischen Geistlichen frei zu halten suchen.