den modernen Errungenschaften das hoch halten, was ihnen dieVäter als wichtigstes und vielfach auch einziges hinterlassen haben,den alten stolzen und doch schlichten Bürgersinn.
Wir sehen, wie im Staats- und wirtschaftlichen Leben immermehr eine Association verwandter Interessen, ein Zusammenschließenzum Zwecke größerer Leistungsfähigkeit stattfindet. So wollen auchwir als Angehörige einer Sippe uns enger zu einem Ringe zusammen-tun, um das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu festigen. Viel-leicht kann so am besten der sittliche oder wirtschaftliche Rückgangeinzelner verhindert werden. Viele von Ihnen werden gewiß inder Fremde den großen, unschätzbaren Wert empfunden haben, derdarin liegt, einer achtbaren Familie zu entstammen. Von manchenTorheiten, die Jugend und Leidenschaft zu fordern schienen, hatlediglich der Gedanke an Eltern und Stammesverwandte abgehalten,wo selbst — wenn wir ganz ehrlich sind — das religiöse Ge-fühl nicht stark genug war, ja ganz versagte.
Einen Familiensinn aber zu pflegen, der derartig zu wirkenvermag, der nicht nur für den einzelnen, sondern auch für das Ge-deihen ganzer Familien von Einfluß werden kann, ist heilige Pflicht,und wenn unsere Söhne und Töchter hinausziehen aus dem festen,wohlumfriedeten und doch so engen Rahmen des Familienkreises indie brandenden Lebenswogen, soll diese Chronik dem ScheidendenLeitstern sein und werden. Was Heimat und Vaterland im großen,soll die Familie im weitesten Sinne jedem Stammesgenossen sein.Im Vaterland müssen sich persönliche, individuelle Interessen demAllgemeinwohl unterordnen, denn der vornehm denkende Deutschewird nie und nimmer jener öden Interessenpolitik die Hand bieten,die heute so oft die Stelle echter Vaterlandsliebe vertritt; geradeim Gegensatz hierzu soll der einzelne im Familienkreise die weit-gehendsten Förderungen seiner eigensten, individuellsten Interessenfinden. Die Familie nimmt an jedem ihrer Glieder den regstenpersönlichen Anteil. Die Worte unseres großen Dichters „Ans Vater-land, ans teure schließ’ Dich an“ haben eine ähnlich hohe Gel-tung, wenn wir anstatt Vaterland: „Familie, Blutsverwandtschaft,Sippe“ setzen.
Wir aber, die Lebenden, wollen nicht vergessen, daß auch unsereNachkommen ein Recht darauf haben, stolz auf ihre Ahnen zu sein.Auch wir stehen dereinst in der Chronik. Nicht Rang, noch Reich-tum sollen gelten im Familienverband, nicht was man ist, sondernwie man ist, sei oberstes Familiengesetz, der moralische Wert alleinsei maßgebend.