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Wilhelm I, König der Niederlande : biographische Skizze und Charakteristik
Entstehung
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Gebrauch oder Mißbrauch der Waffengewalt, ohne einsogenanntes Eroberungsrecht, sich in einen fremden Staatzu theilcn. Doch waren dadurch eigentliche Erbrechtenicht verletzt worden. — Ein deutscher Fürst hatte vol-lends — so erschüttert auch schon das deutsche Staatsge-baude in seinen Grundfesten war — in damaliger ZeitVerdrängung aus dem Erbe seiner Väter durch willkür-liche Gewalt nicht zu fürchten. Die kleine freie Reichs-stadt Bopsingen konnte, wie einer unserer ersten Ge-schichtschreiber sehr treffend sagt, um die Fortdauer ihrerExistenz in dieser Zeit noch eben so unbekümmert sepn,als die preußische oder russische Monarchie. — GültigeAnsprüche an den nassauischen Erbländern hatte Nie-mand. Die des Prätendenten, unter dem Namen desPrinzen von Nassau-Siegen bekannt, waren mehrmalsschon richterlich verworfen worden.

In der niederländischen Republik waren zwar vonihrer Entstehung an Parteien gewesen» Auch jetzt hatteder Statthalter, besonders unter der Ritterschaft, undmehr noch in den Magistraten der größern Städte Hol-lands, Gegner. Eifersucht, Neid, Herrschsucht erregtenAbneigung, weniger gegen den jungen Statthalter, alsgegen die Statthalterschaft. Viele wünschten zu regieren,nicht regiert zu werden. Mancher hegte wohl schon inder Stille den Wunsch, die statthalterlichen Vorrechte zubeschränken. Noch ward es aber nicht gewagt, diesenWunsch laut werden zu lassen. Die Stimme des Volkswar für den Statthalter. Die für erblich erklärte Würdewieder aufzuheben, daran dachten wohl selbst die eifrig-sten Repuhlikaner noch nicht. Die persönlichen Eigen-schaften Wilhelms — billig gibt ihm die Geschichte denBeinamen des Guten — hätten schon einen solchen Ge-danken nicht auskommen lassen.

Mit allgemeinem Jubel ward die Geburt des Erb-prinzen in der ganzen Republik gefeiert. Seine vortreff-liche Erziehung und Bildung hatte er vorzüglich seinerMutter Friederike Sophie Wilhelm ine vonPreußen zu verdanken, einer ihres großen Oheims,Friedrich des Einzigen, würdigen Frau, von mannlichemGeist, tiesdringendcm Verstand und ausgebreiteten Kennt-