Nachwort zum „Nomanzero". 1ZZ
Hanswurst Maßmann, will ich in der öffentlichen Meinungwieder rehabilitieren, indem ich alles, was ich über seine La-teinlosigkeit, seine lateinische Impotenz, seine muKiur linAuusromarms iAuorantis, jemals geäußert habe, feierlich widerrnfe.
So hätte ich denn mein Gewissen erleichtert. Wenn manaus dein Sterbebette liegt, wird man sehr empfindsam undweichselig, und möchte Frieden machen mit Gott und der Welt.Ich gestehe es, ich habe manchen gekratzt, manchen gebissen, undwar kein Lamm. Aber glaubt mir, jene gepriesenen Lämmerder Sanftmut würden sich minder frömmig gebärden, besäßensie die Zähne und die Tatzen des Tigers. Ich kann mich rüh-men, daß ich mich solcherangebornenWaffen nur selten bedienthabe. Seit ich selbst der Barmherzigkeit Gottes bedürftig,habe ich allen meinen Feinden Amnestie erteilt; manche schöneGedichte, die gegen sehr hohe und sehr niedrige Personen ge-richtet waren, wurden deshalb in vorliegender Sammlungnicht aufgenommen. Gedichte, die nur Halbweg Anzüglichkeitengegen den lieben Gott selbst enthielten, habe ich mit ängst-iichstem Eifer den Flammen überliefert. Es ist besser, daß dieVerse brennen, als der Versifex. Ja, wie mit der Kreatur,habeich auch mit dem Schöpfer Frieden gemacht, zum größtenÄrgernis meiner aufgeklärten Freunde, die mir Vorwürfemachten über dieses Zurückfallen in den alten Aberglauben,wie sie meine Heimkehr zu Gott zu nennen beliebten. Andere,in ihrer Intoleranz, äußerten sich noch herber. Der gesamtehohe Klerus des Atheismus hat sein Anathema über michausgesprochen, und es gibt fanatische Pfaffen des Unglaubens,die mich gerne auf die Folter spannten, damit ich meineKetzereien bekenne. Zum Glück stehen ihnen keine andernFolterinstruinente zu Gebote als ihre Schriften. Aber ich willauch ohne Tortur alles bekennen. Ja, ich bin zurückgekehrt zuGott, wie der verlorene Sohn, nachdem ich lange Zeit bei denHegelianern die Schweine gehütet. War es die Misere, diemich zurücktrieb? Vielleicht ein minder miserabler Grund'.Das himmlische Heimweh überfiel mich und trieb mich fortdurch Wälder und Schluchten, über die schwindligsten Berg-
5 Heine schreibt am 1. Juni 1850: „Die religiöse Umwälzung, die innur sich ereignete, ist eine bloß geistige, mehr ein Akt meines Denkens alsdes seligen Empfindelns, und das Krankenbett hat durchaus wenig Antettdaran, wie ich mir fest bewußt bin".