1g4 Nachwort zum „Romanzrro",
der Verstorbenen, die kein Geld auszugeben nnd keine Briefeoder gar Bücher zn schreiben brauchen — das ist ein traurigerZustand. Man hat mir langst das Maß genommen zum Sarg,auch zum Nekrolog, aber ich sterbe so langsam, daß solchesnachgerade langweilig wird für mich, wie für meine Freunde.Doch Geduld, alles hat sein Ende. Ihr werdet eines Morgensdie Bude geschlossen finden, wo euch die Puppenspiele meinesHumors so oft ergötzten.
Was soll aber, wenn ich tot bin, aus den armen Hans-wursten werden, die ich seit Jahren bei jenen Darstellungenomplopiert hatte? Was soll z. B. aus Maßmann werden?Ungern verlaß ich ihn, und es erfaßt mich schier eine tiefeWehmut, wenn ich denke an die Verse:
Ich sehe die kurzen Beinchen nicht mehr,
Nicht mehr die platte Nase;
Er schlug wie ein Pudel, frisch, fromm, fröhlich, frei,Die Purzelbäume im Grase.
Und er versteht Latein. Ich habe freilich in meinen Schriftenso oft das Gegenteil behauptet, daß niemand mehr meine Be-hauptung bezweifelte, und der Ärmste ein Stichblatt der all-gemeinen Verhöhnung ward. Die Schulbuben frugen ihn, inwelcher Sprache der Don Quichotte geschrieben sei? und wennmein armer Maßmann antwortete: in spanischer Sprache —erwiderten sie, er irre sich, derselbe sei lateinisch geschriebenund das käme ihm so spanisch vor. Sogar die eigene Gattinwar grausam genug, bei häuslichen Mißverständnissen aus-zurufen, sie wundere sich, daß ihr Mann sie nicht verstehe, dasie doch Deutsch und kein Latein gesprochen habe. Die Maß-männische Großmutter, eine Wäscherin von unbescholtenerSittlichkeit und die einst für Friedrich den Großen gewaschen,hat sich über die Schmach ihres Enkels zu Tode gegrämt; derOnkel, ein wackerer altprsnßischer Schuhflicker, bildete sich ein,die ganze Familie sei schimpfiert und vor Verdruß ergab ersich dem Trunk.
Ich bedaure, daß meine jugendliche Unbesonnenheit solchesUnheil angerichtet. Die würdige Waschfrau kann ich leidernicht wieder ins Leben zurückrufen, und den zartfühlendenOheini, der jetzt zu Berlin in der Gosse liegt, kann ich nichtmehr des Schnapses entwöhnen; aber ihn selbst, meinen armen