ZI Heinc: Romanzero,
Küßt den todesbleichen Mund,
Der so schön ihr Lob gesungen!
Ach! der Kuß des Willkomms wurdeAuch zugleich der Kuß des Scheidens,Und so leerten sie den KelchHöchster Lust und tiefsten Leidens.
In dem Schlosse Blay allnächtlichGibt's ein Rauschen, Knistern, Beben,Die Figuren der TapeteFangen plötzlich an zu leben.
Troubadour und Dame schüttelnDie verschlafnen Schattenglieder,Treten aus der Wand und wandelnDurch die Säle auf und nieder.
Trautes Flüstern, sanftes Tändeln,Wehmutsüße Heimlichkeiten,Und posthume GalantrieAus des Minnesanges Zeiten:
„Geoffroy! Mein totes HerzWird erwärmt von deiner Stimme,In den längst erloschnen KohlenFühl' ich wieder ein Geglimme!"
„Melisande! Glück und Blume!Wenn ich dir ins Auge sehe,
Leb' ich auf — gestorben istNur mein Erdenleid und -Wehe."
„Geoffrop! Wir liebten unsEinst im Traume, und jetzunderLieben wir uns gar im Tods —
Gott Amur that dieses Wunder!"
„Melisande! Was ist Traum?Was ist Tod? Nur eitel Töne.
In der Liebe nur ist Wahrheit,Und dich lieb' ich, ewig Schöne."