73 Lyrische? Intermezzo.
Die Liebs muß sein platonisch,Der dürre Hofrat sprach.
Die Hofrätin lächelt ironisch,Und dennoch seufzet sie: Ach!
Der Domherr öffnet den Mund weit:Die Liebe sei nicht zu roh,
Sie schadet sonst der Gesundheit.Das Fräulein lispelt: Wieso?
Die Gräfin spricht wehmütig:Die Liebe ist eine Passion!Und präsentieret giitigDie Tasse dem Herren Baron.
Am Tische war noch ein Plätzchen,Mein Liebchen, da hast du gefehlt.Du hättest so hübsch, mein Schätzchen,Von deiner Liebe erzählt.
51.
Vergiftet sind meine Lieder; —Wie könnt' es anders sein?
Du hast mir ja Gift gegossenIns blühende Leben hinein.
Vergiftet sind meine Lieder; —Wie könnt' es anders sein?
Ich trage im Herzen viel Schlangen,Und dich, Geliebte mein.
52.
Mir träumte wieder der alte Traum:
Es war eins Nacht im Maie,
Wir saßen unter dem Lindenbaum,
Und schwuren uns ewige Treue.
Das war ein Schwören und Schwören aufs neu',Ein Kichern, ein Kosen, ein Küssen;
Daß ich gedenk des Schwures sei,
Hast du in die Hand mich gebissen.