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1 (1862) Die Mark Brandenburg : Stadt Brandenburg, die Altmark
Entstehung
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dratförmige Westthurm hineintritt. Der einschiffige Chor besitztvier Joche und ist polygon (in 5 Seiten des Achtecks) geschlos-sen. In dem einspringenden Winkel zwischen der Nordwand desChores und der Ostwand des Langhauses ist eine vierjochige, mit |iSterngewölben bedeckte zweigeschossige Kapelle angebaut, welche !sich im oberen Geschosse nach dem Chore hin öffnet. An derSüdmauer des Chores sind gleichfalls drei niedrige gewölbte ka- |pellenartige Räume angelehnt. Die ganze Bauanlage ist ein aus |den verschiedensten Bauzeiten herrührendes Konglomerat, des- jsen analytische Untersuchung zu den schwierigeren Problemender Baugeschichte gehört. Wegen der verhältnifsmäfsig gerin-gen Bedeutung der Kirche in technischer wie künstlerischer Be-ziehung genügt es, das Resultat in allgemeinen Umrissen mit-zutheilen.

Von dem Gründungsbaue aus dem Ende des XII. Jahrh.sind die östlichen Vierungspfeiler nebst dem Triumphbogen undder südlichen Nebenapsis, sowie Unterteile der alten Kreuzflü- Jgel erhalten. Die wenigen romanischen Kunstformen, nament-lich die trapezschildigen Würfelkapitelle der Halbsäulen an denVierungspfeilern, sowie die Kämpfer der Nebenapsis und einrundbogiges Nordportal stimmen mit den entsprechenden For-men zu Diesdorf, Arendsee etc. überein. Auch lehren dieseFragmente, dafs der erste Bau eine gewölbte, mit Querschiffausgestattete Basilika gewesen ist, deren Bauzeit mit Sicherheitauf 11841192 anzunehmen ist.

In der Mitte des XIII. Jahrh. ist das Schiff der Kirche in !eine fünfschiffige Hallenkirche verwandelt worden, von welcher ider gröfsere Theil der unteren Umfassungsmauern, die einfa-chen viereckigen Schiffspfeiler, das abgestufte Südportal, sowiemehrere mit dicken Viertelstäben profilirte schmale und schlankeSpitzbogenfenster an der Südost- und Nordseite, Fa^adenstückemit gekreuzten Stabfriesen und Stromschichten (im Charakter jder St. Katharinen-Kirche von Salzwedel) herrühren.

Im Anfänge des XIV. Jahrh. (nach einem grofsen Stadt-brande von 1306) ist der breitere und höhere Chor als eine Er-weiterung der Kirche angelegt, später aber, nach der Mitte desXV. Jahrh., im Innern mit anderen Gewölben und Kämpfernnoch ein Mal umgebaut worden, weshalb hier ältere und bessereFensterprofile, kräftige Strebepfeiler, sandsteinerne Maafswerks-reste mit hochbusigen Kreuzgewölben, maskengeschmücktenKämpfern an den Rippen derselben und späterem Spitzbogen- jMaafswerke vermischt erscheinen. Doch ist von diesen For-men so wenig wie von denen des 1496 erbauten Thurmes Spe- jzielleres hervorzuheben.

Endlich gehören angebaute Kapellen und Stücke der Ober- imauer zu dem Restaurationsbaue von 15091513. Der gröfste jTheil der darin auftretenden Kunstformen ist offenbar dem äl- jteren vorhandenen Theile treu und ängstlich nachgebildet, an-deres dagegen, wie z. B. die tauförmigen Rippen der Sternge- !wölbe der Nordostkapelle, in der spätgothischen Bildungsweise |aus dem Anfänge des XVI. Jahrh. hergestellt worden. j

Der in höchst mittelmäfsigen Renaissanceformen errichtete 1obere Thurmtheil datirt, wie oben erwähnt, von 16591660, |

der gröfste Theil der gedrückten auf Rippen ruhenden Kreuzge- .1wölbe des Langhauses von 1698. 'i

II. Pfarrkirche St. Nikolaus.

Die einzigen baugeschichtlich werthvollen Nachrichten über-liefern zwei gebrannte Thonplatten mit kurzen Inschriften über ;dem Südportale. Die ältere und gröfsere, in Majuskeln geschrie- |bene Inschrift lautet: Anno Dni. MCCXXII; die jüngere in Mi-nuskelschrift: anno dni mcccccxxii. ,

Wie aus dem im Holzschnitt mitgetheilten skizzirten Grund-risse hervorgeht, besteht die Kirche aus dem dreischiffigen west-lichen Langhause von vier Jochen, in welches der oblonge Glok-kenthurm hineintritt, ferner einem östlichen dreischiffigen Lang- !

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chore und dem zweijochigen, polygon (in 5 Seiten des Acht-ecks) geschlossenen Hochchore.

Trotz der Kleinheit des Baues (130 Fufs Länge) und derziemlich einheitlichen Gestaltung lassen sich doch fünf verschie-j! dene Bauzeiten darin nachweisen. Aus der Epoche des erstenBaues stammt der oblonge, mit einem Satteldache abgeschlos-sene Westthurm, dessen Gestalt und Detailformen (obere Eck-lissenen, rundbogige Schallöffnungen und Stromschichten) denender mitgetheilten Glockenthürme von Melkow und Schönhausenentsprechen. Auch der einfache rundbogige Triumphbogen zwi-schen dem Schiffe und dem Langchore ist aus dieser spät ro-manischen Bauzeit, auf welche das inschriftliche Datum von1222 zu beziehen ist, noch erhalten.

Bald nach der Mitte des XV. Jahrh., ca. 1470, ist das drei-schiffige Langhaus hergestellt worden, dessen runde Pfeiler mitvier rippenartig abgekehlten Diensten besetzt und hierin wie inden Kämpfern und Plinthen als eine sehr mittelmäfsige Wieder-holung Salzwedler Pfeilerformen erscheinen '). Auch die drei-teiligen Spitzbogenfenster mit schwerfälligen Profilen bestätigendiese Auffassung.

Etwas später, gegen den Schlufs des Jahrhunderts, um 1480bis 1490, hat die Herstellung des einschiffigen, sehr langen Cho-res stattgefunden, dessen Formen und Verhältnisse noch vielroher sind und wegen der maskengeschmückten Kämpfer anden Diensten und der schmalen lanzettförmigen, schwer profi-lirten Fenster, der dünnen hochbusigen Kreuzgewölbe ebenfallsauf spätgotische Formen von Salzwedel zurückweisen.

Zuletzt sind die westlichen drei Chorjoche nach Norden undSüden hin erweitert und zweigeschossige, mit Emporen verse-hene Kapellen angebaut worden. Die Rundbogen, mittelst de-ren diese Anbauten sich nach dem Langchore hin öffnen, sindmit tauförmigen Rundstäben besetzt, und die gleiche spätgoti-sche Kunstform erscheint an dem reich, aber nüchtern geglie-derten Südportale, so dafs kein Zweifel obwalten kann, auf dieseim Ganzen mit gröfserer Eleganz als der Hochchor hergestell-ten Bauteile das inschriftliche Datum von 1522 anzuwenden.

Zwei geschnitzte Flügelaltäre und die Reste der inschrift-lich 1478 hergestellten Chorstühle sind noch vorhanden, aberohne hervorragenden künstlerischen Werth.

III. Rathhaus und Thore.

Das aus zwei rechtwinklig zusammenstofsenden Flügeln ge-

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bildete Rathhaus ist nach dem Brande von 1526 neu erbaut 2 ),der daran stofsende Hausmannsturm (für den Stadtwächter)erst 1552 vollendet worden. Spätere Feuersbrünste von 1658haben die inneren Einrichtungen und ein Neubau von 1706 denThurm wesentlich verändert; im Aeufseren ist aber der Back-steinbau von 1526ca. 1530 noch erhalten. Dieser ziemlichschmucklose gotische Bau erinnert in seiner Gesammterschei-nung wie in den wenigen Kunstformen so sehr an das Altstäd-ter Rathhaus von Salzwedel (1503), dafs man ihn nur als einemittelmäfsige Kopie jener Bauanlage bezeichnen kann. Flach-bogige Fenster im oberen Stockwerke, Wappenblenden an denFensterpfeilern und gedrückte rundbogige Pfeilerarkaden im Erd-

') Namentlich der Pfeiler im südl. Seitenschiffe von St. Maria. Vergl. Bl. XLIX, Fig. 5.2 ) Vergl. Schultze a. a. O. S. 59 ff.