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1 (1862) Die Mark Brandenburg : Stadt Brandenburg, die Altmark
Entstehung
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11. Die Altmark. |j

Baugeschichte. !

Die früheste Nachricht, welche von der Gegend handelt, |die späterhin den Namen Altmark erhielt, finden .wir in dem ;thatenreichen Leben Karls des Grofsen erwähnt. Als dieser nach IUnterwerfung der Sachsen im Jahre 781 mehrere neue Bistliü-mer stiftete, wurde jener Landestheil zur Hälfte dem BisthumVerden, zur Hälfte dem Bisthum Halberstadt überwiesen '). Dietrennende Grenze beider zog sich von der Elbe bis zum FlusseAland, von dort zur Biese, dann zur Roduwe (bei Letzlingen),in den Sumpf bei Roxförde und von dort an der Ohre hinauf, i;so dafs die Gegend von Salzwedel, Arendsee und Seehausen jzum Verdenschen Stiftssprengel gehörte, während die von Werben,Tangermünde/ Stendal, Wollmirstedt und Gardelegen nach Hal-berstadt gerechnet wurde-). Zu jener Zeit waren diese Gegen-den, welche früher ausschliefslich von sächsischen ^Volksstäm- Imen bewohnt gewesen waren, von den allmälig vorwärts drin- Jgenden slavischen Völkern bereits besetzt worden. Auch warbei der Schwäche der Königsgewalt im Laufe des IX. Jahrhun-derts Gefahr genug vorhanden, dafs diese kriegsgeübten unddem christlichen Glauben wie der deutschen Herrschaft entschie-den widerstrebenden Nationen noch weitere Fortschritte auf ger- i|manischem Boden machen würden. Das ruhmwürdige Geschlecht jder sächsischen Könige erkannte bald die auf dieser Seite dro-hende Gefahr und stellte die thatkräftig- errungene Einheit des jjReiches den mächtigen Feinden entgegen 3 ). König Heinrich I.begann die schweren Kämpfe im J. 927 durch den Angriff aufdie He veiler, wodurch einer der festen Punkte der slavischenGebiete, Brandenburg, in seine Hände fiel. Zwei Jahre darauf ijvergalten die Redarier den kühnen Zug, indem sie über die Elbesetzten und den blühenden Ort Walsleben in der Altmark er-oberten und zerstörten 4 ). König Heinrich sandte sofort ein |

sächsisches Heer aus, die bedrohten Gebiete zu retten und es .[

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gelang diesem unter Anführung des Grafen Bernhard das wen- |dische Heer jenseits der Elbe bei Lunkini (Lenzen) zu erreichen jund in einer mörderischen Schlacht 929 zu vernichten. Ebenso |erfolgreich war Heinrichs Sieg i. J. 933 über die Ungarn, wel- |eher Sachsen von dieser furchtbaren Plage befreite und die Streit- jkräfte des Reiches fortan auf die slavischen Völker zu koncen-triren erlaubte. König Otto I. trat würdig in die Fufstapfendes Vaters. Doch wäre es ihm schwerlich gelungen durch Waf-fengewalt allein die Grenzgebiete des Reiches allmälig zu ger-manisiren, wenn nicht neben dem rüstigen Kriegseifer seinerMarkgrafen die missionäre Wirksamkeit christlicher Glaubens-boten eben so treu und aufopfernd für die Ausbreitung christ-lichen Glaubens und deutscher Sitte gekämpft hätte. Des Kö-nigs Glaubenseifer und Thatkraft lieh diesen Bestrebungen mäch-tigen Rückhalt. Von ihm wurden in rascher Benutzung glück-licher Erfolge jenseits der Elbe die Bisthümer Aldenburg, Schles- !|wig, Ripen, Arhus, Havelberg und Brandenburg zwischen denJahren 93749 gestiftet und begabt. Doch vergingen noch fastzwei Jahrhunderte ehe dieselben in den ruhigen und dauerndenGenufs ihrer Besitzungen treten nnd einen ununterbrochenen Ein-flufs auf Bekehrung und Kultivirung des Landes ausüben konnten.Wichtiger und unmittelbar erfolgreicher zeigten sich die fernerenBestrebungen des Königs in dieser Beziehung auf den Gebietendes linken Elbufers. Die nach langen Verhandlungen endlich !968 durchgesetzte Stiftung des Erzbisthums Magdeburg und die :daran geknüpfte Gründung der Bisthümer von Zeitz, Merseburgund Meifsen bewiesen, mit welcher Energie die allmälige Ger-manisirung der slavischen Gebiete angebahnt wurde 5 ). Unter

') Vgl. Wohlbrücks treffliche Geschichte der Altmark, herausgegeben von v. Le-debur. S. 1. ff. I

2 ) Voigt, historischer Atlas der Mark Brandenburg. Text S. 72.

3 ) Vergl. L. Giesebrecht, Wendische Geschichten (UI Bände), zu den einzelnen jJahren.

4 ) Wohlbrück, a. a. O. S. 6.

5 ) L. Giesebrecht, a. a. O. S. 200 ff. j

so mächtigem Schutze erfolgte vor d. J. 977 die erste klöster-liche Stiftung in dem Gebiete der damals zur Nordmark gehö-rigen Altmark. Bruno, ein Verwandter des Kaisers Otto, stiftetezu Arneburff an der Elbe ein Benediktiner Mönchskloster St. Mariaund St. Thomas und beschenkte es mit der Hälfte der Stadt undder Burg und aller dazu gehörigen Güter 1 ). Leider war dieseStiftung von kurzer Dauer. Zwar erreichte der furchtbare Sla-venaufstand von 983, welcher die bischöflichen Sitze zu Bran-denburg und Havelberg zerstörte, Arneburg nicht, da das feind-liche Heer mit gröfster Mühe am Tangerflusse geschlagen wurde,doch fiel Arneburg vierzehn Jahre später trotz der starken Be-festigung, welche Otto III. daselbst errichtet hatte, den Slavenin die Hände und wurde gänzlich zerstört. Das Kloster ver-schwindet seitdem aus der Geschichte. Das Erzbisthum Mag-deburg erhielt 1006 die erledigten Besitzungen zum Geschenk 2 ).ln gleiche Stiftungszeit gehört auch das nördlich der Ohre be-legene Kloster Hillersleben, welches auch schon i. J. 1000 zer-stört wurde und nach mannigfachen Schicksalen erst von demAnfänge des XII. Jahrhunderts ab eine dauernde Wirksamkeitentfalten konnte 3 ).

An die Stelle von Klosternamen treten im Laufe des XI.Jahrhunderts nur die Bezeichnungen von festen Burgen in denVordergrund. Neben Tangermünde und Arneburg erscheintbesonders häufig die Burg Werben als ein stark befestigtesBollwerk am linken Ufer der Elbe, welches den Zugang derAltmark zu decken bestimmt, von Kaiser Heinrich II. mehrfachbesucht und von Kaiser Konrad II. 1034 stark befestigt wurde.Nichtsdestoweniger wurde das Schlofs im nächsten Jahre wie-der zerstört und konnte erst nach einem grofsen und erfolgrei-chen Feldzuge des Kaisers, welcher weit über die Elbe reichte,von Neuem gesichert werden 1 ). Im Jahre 1051 wird in derAltmark ein anderer, jetzt völlig bedeutungsloser Ort Uhrslebengenannt, dem Kaiser Heinrich III. Markt-, Münz- und Zollge-rechtigkeit verlieh und zum Unterhalt des Bisthums Branden-burg an den Bischof Dankwart verschenkte. Im Jahre 1056wurde wieder Werben gegenüber auf dem rechten Elbufer eineblutige Schlacht zwischen Deutschen und Slaven geschlagen, inwelcher der damalige Markgraf der Nordmark, Graf Wilhelm,das Leben verlor 5 ). Seine Stellung empfing Graf Udo aus demHause Stade und diesem tapferen und thatkräftigen Geschlechtist der Schutz der altmärkischen Gebiete fast ein Jahrhundertlang bis zum Auftreten Albrechts des Bären anvertraut geblieben.

Da die schweren und andauernden Kämpfe eine ruhige undfriedliche Entwickelung der Verhältnisse nicht zuliefsen, und dieGegenden der Altmark von jedem Aufstande, jeder Schlacht inden überelbischen Gegenden sofort in Mitleidenschaft gezogen wur-den, so darf es nicht Wunder nehmen, dafs von kirchlichen Stif-tungen oder städtischen Gründungen während mehr als einesJahrhunderts nicht die Rede ist. Namentlich ist der Schlufsdes XI. Jahrhunderts durch eine lange Reihe von schweren Un-fällen, welche die christliche Kirche im Wendenlande betrafen,traurig berühmt. Damals gingen Schleswig, Ratzeburg, Ham-burg nebst allen christlichen Pflanzstätten zu Grunde und derbereits Christ gewordene Slavenkönig Gottschalk wurde 1066von seinem eigenen Volke den Göttern zu Lenzen geopfert.Dazu kamen die schweren Kriege Heinrichs IV. gegen die Sach-sen und die von der gregorianischen Partei aufgestellten Gegen-könige. Wie hätte damals christliches Leben und deutsche Kulturin den Wendenländern erblühen können, da jeder Rückhalt ausdem inneren Deutschland fehlte. Doch erfreute sich die Altmarkim Ganzen eines verhältnifsmäfsig ruhigen Zustandes unter demSchutze der Grafen von Stade. Ja die Macht dieses Grafenhauseskann am besten daran erkannt werden, dafs ein Angehöriger des-selben, Graf Rudolf, trotz der Achtserklärung dem Kaiser Hein-

') Wohlbrück, a. a. O. S. 7.

2 ) Wo hl brück, a. a. O. S. 15.

3 ) v. Quast u. Otte, Zeitschrift II. 20.

4 ) Wohlbrück, a. a. O. S. 18.

5 ) Wohlbrück, a. a. O. S. 20.

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