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1 (1862) Die Mark Brandenburg : Stadt Brandenburg, die Altmark
Entstehung
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Erster Abschnitt.

Die ISark Brandenbnrg und ihre Banwerke.

I. Die Stadt Brandenburg.

Wenige Städte in dem Gebiete der baltischen Tiefebene, dereigentlichen Heimath des norddeutschen Backsteinbaues, sinddurch hohes Alter, berühmten Namen und Reichthum an mittel- jalterlichen Bauwerken so ausgezeichnet wie Brandenburg. Keine jderselben aber besitzt eine so zusammenhängende Reihe wohl- jerhaltener Bauwerke aus allen Epochen des Backsteinbaues wiediese. Bis in die Zeit des slavischen Heidenthumes hinaufreichendund mit dem Auftreten der Reformation abschliefsend, zeigenihre Monumente alle Phasen der eigenthümlichen Entwickelung ,der mittelalterlichen Bausysteme bei dem Bau mit gebranntenSteinen.- Die kirchliche Richtung wie die Bedeutsamkeit derstädtischen Verhältnisse im Mittelalter lassen sich darin ebensodeutlich, erkennen wie ihr künstlerischer Zusammenhang und |gegenseitiger Einflufs aufeinander nachgewiesen werden kann.Wie aber die Prüfung und Beurtheilung dieser Bauwerke fürden Kunsthistoriker unerläfslich ist, so macht die Jahrhundertelang geübte Technik und die vollständige Beherrschung der Con-struction sie für den Techniker nicht minder wichtig. Aus die-sem Grunde, und um einen gesicherten Ausgangspunkt zu ha-ben, sind die Bauwerke der Stadt Brandenburg an die Spitze j;dieser Sammlung gestellt worden. i 1

Situation der Bauwerke. . j

Die Stadt Brandenburg besteht aus drei durch die Havel rgetrennten Stadttheilen: dem Dome, der Neustadt und der Alt- jStadt. Mitten im Strome liegt die Insel, auf welcher der Platz jder alten slavischen Burg zu suchen ist, jetzt nach der sichdarauf erhebenden Domkirche und ihren Stiftsgebäuden der Domgenannt. Auf dem linken Ufer erstreckt sich von einem Havel-arme umflossen die umfangreiche Neustadt. Wichtiger als das :lRathhaus daselbst, sind die prachtvolle Pfarrkirche St. Katharina j:und die Dominikaner Klosterkirche St. Paul. Anziehend ist die ikleine St. Jakobs-Kirche vor der Stadt, von besonderem Interesse ! ;aber die beiden Thore, das Steinthor und das Mühlenthor. Auf jdem rechten Havelufer liegt die ebenfalls umwehrte Altstadt mit ||ihrer Pfarrkirche St. Godehard, der Franziskaner Klosterkirche jSt. Johannes und dem schönen Rathhause. Das alte Rathenower j.Thor, wie die aufserhalb der Stadt belegene Pfarrkirche St. Ni-colaus des eingegangenen Dorfes Luckeberg sind nicht minderwerthvolle Bauwerke des frühen Mittelalters. Dicht an der Alt-stadt und nordwestlich von derselben erhebt sich der ca. 200 Fufshohe Hügel, der in älterer ZeitHarlunger Berg genannt wird,und jetzt nach der einst darauf gestandenen berühmten Wall-fahrtskirche St. Maria den Namen Marienberg führt.

Baugeschichte.

Die ältesten Geschichtsquellen, welche Brandenburgs erwäh-nen, gehen bis zum Jahre 927, in welchem Jahre die slavischeBurg Brandenburg von König Heinrich I. erobert wird. Dochsind deutliche Spuren yorhanden, dafs der Ort viel älter ist undbis zu den Zeiten vor der slavischen Besitznahme des Landeshinaufreicht. Nichts ist aus dieser Zeit erhalten und hat diefast 600jährige slavische Epoche überdauert, als die rein deut-schen Localnamen:Havel, Brandenburg und Harlunger Berg.Der letztere Name bezeichnet das Local auf welchem seit denältesten Zeiten germanische Gottesverehrung ihren Sitz hatte.Er war der so günstig gelegene Mittelpunkt der religösen und po-litischen Feste, zu welchen die Stämme auf den Flüssen undSeen, die ihn bespülen, zu jeder Jahreszeit (auch im Winter aufdem Eise) gelangen konnten. Sein Gipfel trug die Brandopfer-stätte und barg als Todtenfeld die Aschenkrüge seiner Umwohner.Deshalb übertrug sich sein Name Brandstätte auf die Burg,die zum Schutz des Landesheiligthums errichtet wurde. Aus derBezeichnungBrandstätte undBurg erwuchs der Name Bran-denburg*). Als nach den Stürmen der Völkerwanderung im6. Jahrhundert die germanischen Volksstämme die Gegenden zwi-schen Havel und Elbe verlassen hatten, besetzten slavische Völ-ker den verlassenen Boden. Ihr Hauptheiligthum war ebenfallsder Harlunger Berg, der dem Dienste des Triglav geweiht wurde.Die bei der fortdauernden Benutzung als Brandopferplatz blei-bende Bezeichnung wurde slavisch übersetzt und hiefs fortanSgorzelitz **) (d. h.die Brandstätte). Jahrhunderte langblieben die slavischen Völker in ungestörtem Besitze der Havel-gegenden. Aber das Wachsthum der karolingischen Macht nachUnterwerfung der Sachsen führte bald zu der Germanisirungs-politik dieser Länder durch die deutschen Könige und wurdevon der Missionstliätigkeit des Christenthums in hohem Maafseunterstützt. Magdeburg wurde schon von Karl angelegt undbildete mehrere Jahrhunderte lang ein sicheres Bollwerk für diegermanischen Bestrebungen. Der Einflufs dieser Stadt in kircli-liebem wie staatlichem Sinne auf Brandenburg ist urkundlichgesichert, auch die Bauwerke geben dafür vollgültigen Beweis.Im Jahre 928 eroberte König Heinrich I. die Burg Brandenburgnach langer Belagerung mitten im Winter. Sein Sohn und Nach-folger Otto I. suchte die begonnene kriegerische Thätigkeit auchauf dem kirchlichen Gebiete zu entfalten. Um das Christenthum

*) Die hier gegebene, topographisch wie etymologisch zu begründende Namenserklä-rung, welche von den bisher gegebenen Deutungen abweicht, werde ich an einem andern Ortespecieller mittheilen.

**) Sgorzelitz ist, wie Klöden (s. Ileffters treffliche Geschichte der Stadt Brandenb. S. 28)gezeigt hat, derselbe häufig vorkommende Name, der auch in Görlitz erhalten ist und sichmit Sicherheit auf die slavische Wurzel Zgorzalbrennen zurückführen läfst.