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geschosse, sowie tauförmige Gurtgesimse begründen diese An-nahme und bestätigen das Datum von 1526—1530.
Das einzige, noch erhaltene Salzwedler Thor besteht auseinem ziemlich tiefen, mit Sterngewölben überdeckten Thorhause,welches flaclibogig nach Stadt- und Feldseite geöffnet, von zweisehr starken Rundthürmen flankirt wird. Alle Vertheidigungs-Einrichtungen, Scharten, Schlitze etc. sind auf die Anwendung \von Geschützen berechnet und bestätigen die überlieferte Bau-zeit von 1550 ').
Die anderen Thore, so wie die Kapelle St. Georg (1595)
St. Spiritus (1450, und St. Ottilia (1500) sind untergegangen.
Die Dörfer der Allniark.
Die zahlreichen und blühenden, durch soliden Wohlstand !jhöchst ausgezeichneten Dörfer der Altmark sind zum ilberwie- |gend gröfsten Theile die ursprünglichen Ansiedlungspunkte der jgemischten deutsch-slavischen Bevölkerung. Die Existenz vie- |jler Dörfer läfst sich urkundlich acht Jahrhunderte weit verfol- 1gen, ja die Stelle eines derselben — Roxförde — wird schon ;in dem thatenreichen Leben KaiTs des Grofsen erwähnt. Wie jaber die bäuerliche Lebens- und Wirthschaftsweise jener Völ-ker in dem nationalen Haus- und Hofbaue noch jetzt — nachso vielen Jahrhunderten — deutlich hervortritt, ja an der Ver-schiedenheit des Planes der Dorfanlage sofort ersichtlich ist,bieten auch die kirchlichen Anlagen, die Dorfkirchen, einennicht minder schätzbaren Beitrag zur Erkenntnifs der mittelalterli-chen Kulturgeschichte dieser Provinz. Da aber der künstlerische iWerth dieser Bauwerke nur ein mäfsiger zu nennen ist, da fer-ner eine sichere kunsthistorische Bestimmung derselben wegendes Urkundenmangels wesentlich erschwert wird, da überdies der jjgröfsere Theil der Dorfkirchen in Granitquadern hergestellt wor-den ist, so genügt es, eine kleine Anzahl durch urkundliche Erwäh-nung näher zu datirender Bauwerke namhaft zu machen.
Die ältesten backsteinernen, in romanischen Stylformen er-bauten Dorfkirchen finden sich ausschliefslich an den bereitsmehrfach hervorgehobenen Ansiedlungslokalen der vor und nachd. J. 1150 eingewanderten Niederländer. Die wichtigste Gruppederselben auf dem rechten Elbufer ist bereits S. 43 ff. aus-führlicher charakterisirt, sowie einzelne derartige Bauwerke anden ältesten, später zu Städten erwachsenen AnsiedlungslokalenWerben, Osterbui’g und Seehausen nachgewiesen worden. Abernicht nur am Rande der Wische finden sich backsteinerne Dorf-kirclien, wie z. B. Berge, sondern auch in der Mitte dieses Ter-rains ist als ein werthvolles Monument der alten Kolonisationdie altromanische Stiftskirche von Boyster (jetzt Grofs-Beustergenannt) wohl erhalten.
Die Stiftskirche zu Gross -Beuster.
In diesem Dorfe ist in sehr früher, urkundlich nicht mehrnachweisbarer Zeit ein kleines Kollegiatstift ,St. Nikolaus ge-gründet und mit sechs Kanonikern besetzt worden. Dasselbewird zuerst im J. 1246 2 ), dann aber öfters erwähnt, nament-lich in der Mitte des XIV. Jahrh., wo dasselbe nach der StadtSeehausen verlegt werden sollte 3 ). Das Stift ist nie zu gro-fser Bedeutung gelangt und bei dem Eintritte der Reformationaufgehoben worden. Interessanter Weise ist die ehemalige Stifts-kirche als einer der ältesten romanischen Backsteinbauten derAltmark noch wohl erhalten. Dieselbe besteht aus einem drei-schiffigen Langhause mit höherem Mittelschiffe, dem quadra-
') Vergl. Schultze a. a. O. S. 9.
J ) Wohlbrück a. a. O. S. 332.
3 ) Vergl. .Historisches“ der Pfarrk. St. Peter und Paul zu Seehausen S. 81.
teil Chore mit Apsis und dem oblongen, in der Breite des Mit-telschiffs angelegten Westthurme. Die Abmessungen sind mit de-nen der Kirche zu Schönhausen übereinstimmend *). Die rund-bogigen Arkaden werden von vier einfachen viereckigen Pfeiler-paaren getragen, unter welche sich an der Südseite zwei Rundpfei-ler mischen Das Mittelschiff ist bei einer späteren Restauration— nach der Mitte des XIV. Jahrh. -— mit vier auf gut profilir-ten Birnenstabrippen ruhenden Kreuzgewölben überwölbt worden,während die Seitenschiffe mit horizontaler Balkendecke bedecktblieben. Die Fahnden sind, soweit die Restauration nicht Aen-derungen vorgenommen hat, denen von Jerichow, Melkow etc.ganz entsprechend, mit Lissenen, einfachen Bogenfriesen, ge-schmiegten rundbogigen Fenstern ausgebildet. Auch die weni-gen Kunstformen des in schweren Verhältnissen gestalteten In-nern, z. B. die trapezschildigen Würfelkapitelle der beiden Rund-pfeiler, der Apsiskämpfer etc., bestätigen diese Thatsache. MitRücksicht auf Helmold’s Mittheilungen und sonstige (theilweisbereits unter Jerichow hervorgehobene) urkundliche Nachrich-ten mufs man die Kirche von Grofs-Beuster als einen, von deneingewanderten Niederländern um 1150 ausgeführten Backstein-bau betrachten.
Die fortdauernde Festhaltung des Backsteinbaues innerhalbder Wische bezeugen ferner die Dorfkirchen zu Lichterfelde undOber-Wendemark, welche in altgothischer Bauepoche zwischen1280—1300 entstanden sind. Die Kirche zu Ober-Wendemarkist eine einschiffige, ungewölbte mit einfachem Ostgiebel ausge-stattete Bauanlage, welche in dem häufigen Auftreten von Strom-schichten noch romanische Reminiscenzen bewahrt. Gleiche De-tailformen besitzt die Kirche zu Lichterfelde, zeigt aber dabeieinen gröfseren Aufwand in der Anordnung des oblongen West-thurmes, des polygonen gewölbten Chores, der fialenbesetztenGiebel, der gegliederten Spitzbogenportale, Strebepfeiler etc.
Andere Dorfkirchen sind sodann zwar völlig aus Granit-quadern erbaut, in einzelnen Details aber ähnlich wie Kreweseschmuckreich mit Backsteinen dekorirt worden. Dahin gehörenaufser der S. 46 mitgetheilten Kirche zu Kalberwisch, die Dorf-kirchen zu Königsmark (1164 erb., ursprünglich dreischiffig wieKrewese), Drüsedau (1170 gen.), Kläden (1186 gen.), Schönberg(ca. 1200) und Hämerten an der Elbe (ebenfalls vor 1200 erb.und wegen der Stellung des Thurmes im Osten unmittelbar überdem Chore besonders interessant) 1 ).
Der bei weitem gröfste Theil der Dorfkirchen aus romani-scher wie altgothischer Bauepoche ist aus Granitquadern er-baut worden. Die romanischen Kirchen bestehen, — wenn siei das vollständige Planschema erhalten und bewahrt haben, — ausdem oblongen Schiffe, dem quadraten Chore mit halbkreisför-miger Apsis und dem oblongen Westthurme. So gestaltet sind| das hochalte, schon 929 einmal zerstörte Walsleben, ferner Ri-ll städt (1112 gen. und mit einem Tonnengewölbe aus Granitfünd-fingen bedeckt), Hindenburg (1208 gen.), Iden, Staffelde (1215),
| Belitz (1204) und Tangein (die letzteren drei mit dem Glocken-thurme im Osten, an den sich die Apsis lehnt), sodann Häsewig(1202) und Gr.-Schwechten, — darauf ohne Apsis mit plattemChorschlusse, Binde, Vielbaum, Krusemark, Wiepke und Abben-dorf (1161 gen.), letzteres mit spätgothischem Backsteinchore.
In altgothische Zeit gehören Pretsch, Neilingen, Stadtkirchezu Arendsee, Goldbeck, Wahrenberg, die später überwölbte Kir-che von Nieder-Görne und v. A.
Erst in der spätgothischen Bauepoche werden einzelne Dorf-kirchen aufserhalb der alten, ursprünglichen Backsteinlokale ingebrannten Steinen ausgeführt, zu denen Aulosen (1428 neu erb.und 1487 erweitert), Ost-Ingersleben (1480 geweiht), Näsenitz(1489 geweiht) gehören. Keine derselben verdient weder in struk-tiver noch künstlerischer Beziehung eine nähere Charakterisirung.
') Vergl. Bl. XXVI, Fig. 4.
2 ) Vergl. die vortreffliche Skizze in Strack a. a. O. Bl. 6.
£
Gedruckt bei A. W. Schade in Bekdin , Stallschreiberstr. 47.