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1 (1862) Die Mark Brandenburg : Stadt Brandenburg, die Altmark
Entstehung
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Resultat.

Der oblonge Westthurm ist in seinen untern Theilen vor1160, im obern Stockwerke um 1220, die westlichen Untertheileder Seitenschiffsmauern ca. 13101320, der Westtheil des Lang-hauses 14121420, der Chor 14401468 erbaut worden.

II. Kapelle St. Spiritus.

Dieses kleine, auf und an der Stadtmauer belegene Gottes-haus ist mit Genehmigung des Ordenspriors im J. 1313 vomRathe der Stadt gestiftet worden *). Weitere Nachrichten fehlen.

Die Kapelle ist eine einschiffige, gewölbte, zweijochige, imhalben Sechseck geschlossene Bauanlage, welche mit bescheide- inen Mitteln in höchst einfachen Kunstformen errichtet ist. DasInteressanteste ist das auf Bl. XLII, Fig. 6 dargestellte Systemder Südfa^ade, welches das mehrfach vorkommende Struktur-princip, niedrige Nebenkapellen zwischen den Strebepfeilern aus-zubauen mit der Variation wiederholt, dafs hier die weit zurück- ;liegenden Strebepfeiler oben durch Flachbogen mit einander ver-bunden sind. Das auf dem schmucklosen Westgiebel einst vor-handen gewesene Glockenthürmchen fehlt. Das häufige Auftreten :der Flachbogen aufsen wie innen (denn das Innere zeigt das-selbe Strukturprincip der durch Flachbogen verbundenen Stre-bepfeiler), sowie die schwerfälligen Profile der oberen Spitzbo-genfenser verstatten nicht die Annahme, dafs die 1313 gestifteteKapelle in dem jetzigen Baue noch erhalten ist. Wahrscheinli-cher ist es, den jetzigen Bau als eine Erneuerung vom Schlüsse |des XV. Jahrh. ca. 1480 aufzufassen 2 ). !

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III. Das Elbthor. ||

Das schöne und wohlerhaltene Stadtthor 3 4 ), welches aufBl. XLV in Fapade, Durchschnitt, Grundrissen und Details dar-gestellt worden ist, besteht aus dem zum Durchgangsverkehrebestimmten Thorhause und dem daneben stehenden Rundthurme.Das erstere öffnet sich mittelst profilirter Spitzbogen nach Stadt-und Feldseite und ist mit einem auf birnenförmigen Rippen ru-henden Kreuzgewölbe überdeckt. Die reiche, aber schon etwas

flaue Profilirung des äufsern Thorbogens,sowie den an den Formsteinen desselbenvorkommenden Ziegelstempel zeigen dieHolzschnitte. Die über dem Thore an-geordnete Plattform ist innen und aufsenmit gegliederten Zinnenwänden besetzt, an deren Pfeilern Wap- Jpenblenden eingefügt sind. Der in zwei Absätzen sich erhebendeaufserordentlich starke Rundthurm, dessen Untermauer eine Dicke ;jvon 11 Fufs besitzt, wird von der Stadtseite her mittelst einerschmalen Treppe erstiegen. Diese Treppe führt zu dem kreis-förmigen, mit einer Rundkuppel überwölbten Wachtraume, wel- jeher mittelst dreier Fensterscharten die Feldseite bestreicht und jdurch eine Oeffnung im Fufsboden mit einem kuppelüberwölb-ten unterirdischen Raume verbunden ist, in dessen Mitte sich !jein Wasserbrunnen befindet. Vergl. den Querschnitt Fig. 4 mitden Grundrissen Fig. 5 und 6. Von dem Wachtraume führt einezweite Treppe einerseits auf die Plattform des Thores, andrer-seits zu dem gleichfalls mit einer Kuppel überwölbten oberenStockwerke, welches einen Kamin besitzt und von dem 2 Fufs10 Zoll breiten gezinnten und abgepflasterten Umgänge, der den ijUnterthurm bekrönt, durch eine Doppelthür abgeschlossen wer- i 1den kann. An der Aufsenmauer des Oberthurmes sind 26 ei- i

') Riedel a. a. O. VI. 402. '!

») Riedel a. a. O. VI. 399, scheint diese Kapelle als die 1483 gestiftete St. Georgs- |!

Kapelle zu betrachten, aber seiner Auffassung widerspricht die urkundliche Nachricht, dafs |!

St. Georg in der Vorstadt gelegen sei, ebenso die späteren Berichte, dafs St. Georgs-Ka-pelle bei dem Aufwerfen der schwedischen Verschanzungen 1631 zerstört worden sei. !

3 ) Die perspektivische Skizze in Strack und Meyerheym a. a. O. Bl. 5 ist in denVerhältnissen nicht völlig richtig.

serne Haken eingemauert, welche wahrscheinlich zur Befestigungder bei feindlichen Angriffen anzubringenden Schirmdächer überdem gezinnten Umgänge dienten Q. Von dem oberen Geschosseführt endlich eine massive Treppe zu der Plattform des Ober-thurmes, welche mit einem Zinnenkränze umgeben ist und dieübliche Einrichtung zur Ableitung des Regenwassers zeigt. Diemit schwarz glasirten Zickzackstreifen belebte Fagade des Rund-thurmes macht durch die energische Gesammtgestaltung und diekräftige Profilirung der Zinnenkränze und Hauptgesimse, welcheaus den Details Fig. 2 und 3 ersehen werden kann, eine sehrbedeutende Wirkung. Das Mauerwerk ist in sorgfältigem Roh-bau hergestellt und die Güte des Materials entspricht der Ge-diegenheit der Arbeit. Das Steinformat beträgt an den Zinnendes Umganges IQ Zoll, 5J Zoll und 3J Zoll, an dem Thore undUnterthurme 11^12 Zoll, 55j Zoll und 3|4 Zoll.

Nach dem Charakter der Kunstformen beurtheilt, darf dieBauzeit des Elbthors auf ca. 1460 angenommen werden.

D. Die Stadt Osterbnrg.

Die Stadt Osterburg, welche zur Zeit der Gründung Sten-dals im J. 1151 2 ) unter den bereits vorhandenen Städten derAltmark urkundlich genannt wird, scheint den auf Hebung derLandeskultur gerichteten, durch herbeigezogene niederländischeAnsiedler so erfolgreich durchgeführten Bestrebungen Albrechtsdes Bären ihre erste Anlage verdankt zu haben 3 ). Auch ge-schah es wohl auf Albrechts Veranlassung, dafs sein SchwagerWerner, ein Edler aus dem Geschlechte von Veltheim, zwischen1160 und 1170 seinen Wohnsitz in einer bei Osterburg neu er-richteten Burg gleichen Namens nahm und in Folge dieser Stamm-hausverlegung sich fortan Graf von Osterburg nannte Q. Vonseinem in Urkunden bisher nicht hervorgetretenen Sohne Hein-rich sollen nach späteren aber glaubwürdigen Berichten die Kir-chen zu Königsmark und Kalberwisch 1164 und die PfarrkircheSt. Nikolaus zu Osterburg ca. 1170 erbaut worden sein, wobeihinzugefügt wird, dafs man sich bis dahin mit der älteren Pfarr-kirche St. Martin beholfen habe 5 ). Da überdies in einer Urkundevon 1287 ausdrücklich ein Zoll-Lokal diealte Stadt genanntwird 6 ), so wird eine in frühester Zeit vorgenommene Verlegungder Stadt um so weniger bezweifelt werden können, als beidePfarrkirchen St. Martin und St. Nikolaus noch vorhanden sind,und die erstgedachte, weit aufserhalb der Stadt belegen, nachihrer Bauart und Technik zu den ältesten Backsteinbauwerkender Altmark gehört. Bei inneren Landesfehden hat die StadtOsterburg 1208 7 ) und 1240 3 ) sehr gelitten und scheint erst nachdem in der Mitte des XIII. Jahrh. eingetretenen Aussterben derGrafen von Osterburg durch vielfache Rechtsvergabungen undSchenkungen der Markgrafen zu einer gedeihlicheren Entwicke-lung gelangt zu sein. Indessen hat die durch ihre Lage nur aufdie Pflege von Ackerbau und Viehzucht beschränkte Stadt nie-mals die Stellung und Bedeutung von Stendal, Tangermünde,Salzwedel etc. erlangt. Nach dem durch Brand und Vernach-lässigung bewirkten Untergange kleinerer kirchlicher Bauwerke,der Thore und des Rathhauses besitzt die Stadt nur noch diePfarrkirchen St. Martin und St. Nikolaus.

') Das Neustädter Thor zu Tangermünde hat gleichfalls diese Haken - Einrichtung be-wahrt, doch sind dieselben dort so auffallend hoch über dem bedachten Umgänge angeord-net, dafs es schwer hält, ihre Benutzung für fortifikatorische Zwecke einzusehen.

J ) Riedel a. a. O. XV. 6.

ä ) Vgl. über diese Kolonisirung die unter Historisches des Klosters Jerichow gege-benen Nachrichten, sowie des Verfassers Abhandlung über diesen Gegenstand: MärkischeForschungen, III. 110127.

4 ) Dieser Graf Werner von Osterburg ist der Stifter des bereits S. 44 ff. mitgetheil-ten Klosters Krewese.

5 ) Entzelt Chronik a. a. O. S. 117 und Steinhart Altmark Th. II. S. 8 ff.

) Riedel a. a. O. XVI. 321.

7 ) Angelus Ann. ed. 1598. S. 95.

") Wohlbrück a. a. O. 8. 148.