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Fa^adensystem, welches sich zwar ebenfalls in der Ausbildungder Stirnseite der Strebepfeiler an das Fapadensystem von St.Stephan anlehnt, aber durch die vollständige Umrahmung jedesdreitheiligen Fensters mit ganz durchbrochenem, abwechselndschwarz glasirtem und rothem Gitterwerk einen sehr gefälligenund anziehenden Schmuck empfangen hat. Da auch die Einfas- \sungsprofile der Thiiren und Fenster mit rothbraun glasirten Stei-nen abwechselnd dekorirt sind, und dieser Schmuck an den ver-tikal aufsteigenden Gitterfriesen, sowie an der Stirnseite der Stre- |bepfeiler festgehalten worden ist, hat das Fa^adensystem eine jhöchst consequente, anmuthige Durchbildung erfahren, von de-ren Wirkung Fig. 1 eine Vorstellung giebt. Die Profilirung sämmt-licher Details ist mit gleicher Eleganz und Feinheit durchgeführt,wovon die Details der Fensterprofile Fig. 3 (rechts) und des Nord- jportals Bl. XLIII, Fig. 3 und 4 bemerkenswerthe Muster zeigen, iDiese reichen, aber noch immer gehaltvollen Formen machen eszweifellos, dafs sie dem nachrichtlich überlieferten Baue aus demAnfänge des XV. Jahrh. angehören.
Die vierte und letzte Bauepoche hat die wahrscheinlich durchden Stadtbrand von 1439 schwer beschädigte Kirche nicht nur !restaurirt, sondern auch durch die oben beschriebene Choranlagebeträchtlich erweitert. Zu dieser Bauausführung gehören daher !sämmtliche auf gleich profilirten Rippen ruhenden, hochbusigenKreuzgewölbe des älteren Langhauses, einschliefslich der tragen-den Längsgurte, ferner der ganze Chor mit Pfeilern, Gewölbenund Umfassungsmauern. Bei der Herstellung des Chores istdie Pfeilerbildung der älteren Schiffspfeiler im Motive zwar fest-gehalten, aber in der Profilirung selbst so nüchtern und geist-los wiedergegeben worden, dafs darin der spätgothische Charak- !ter unverkennbar hervortritt. Vergl. Bl. XLIV, Fig. 4 und 5 j(links). Auf die sonstige Gestaltung des Chores hat andrerseitsder Dom zu Stendal eingewirkt, denn es sind nicht nur die dortvorhandenen hohen und schlanken dreitheiligen Fenster mit ih-ren tiefen Laibungen, ferner die mit Reliefblenden geschmücktenUntermauern für das Aeufsere, sondern auch die auf blattlosenKelchkonsolen aufsetzenden Dienste, die Spitzbogenblenden an jden Untermauern, sowie die Ueberhöhung der Schildbogen imMittelschiffe für das Innere völlig maafsgebend gewesen. Vergl.die auf Bl. XLIII, Fig. 1 und 2 dargestellten Hälften des Quer-schnitts und der Ostfapade. Die geringen Variationen, welcheauftreten, sind aber weder als Verbesserungen noch als gelun-gene Aenderungen zu bezeichnen. Dahin gehören die absatzlosaufsteigenden, bis über das magere Hauptgesims reichenden Stre-bepfeiler, die sehr schwerfällig erscheinen; ferner die an denChorwänden oberhalb der Fenster angeordneten, kaum eine Wir-kung erzeugenden Rosettenblenden. Von den letzteren, sowievon den Fensterprofilen geben die Details Bl. XLIII, Fig. 5 undBl. XLIV, Fig. 3 eine Darstellung. Eine an der Südseite bele-gene zweigeschossige Kapelle, welche sich oben mit breiten Ar-kaden nach dem Chore hin öffnete, scheint, nach den nüchter-nen Kunstformen zu urtheilen, dem Schlüsse des XV. Jahrh. an-zugehören.
Technisches.
Der interessanteste Theil des Chorbaues ist die reich ge-staltete Anordnung der drei Polygonschlüsse, welche bei dem
Wunsche, möglichst vieleund breite, zur Aufnahmevon Glasmalereien be-stimmte Fenster anzulegen,zu eigenthüinlichen Kon-struktionen geführt hat.Die sinnreiche Struktur, wo-mit das Hauptgesims derNebenchöre mit den betref-fenden Polygonmauern desHauptchors verbunden sind,zeigt der Holzschnitt, wo-
bei bemerkt wird, dafs der die Seitenfronten der Strebepfeilermiteinander verbindende Flachbogen, sowie die dagegen gelegtehochbusige Kreuzkappe es nothwendig machten, dafs die äufser-sten Fenster des Hauptchors nicht höher emporgeführt werdenkonnten, als die Fenster der Nebenchöre reichten. Gleichzeitigwurde durch die getroffene Anordnung die Möglichkeit gegeben,den Hauptchor wie die Nebenchöre mit demselben Dachverbandezu überdecken, wie dies die Ostfapade Fig. 2 lehrt. Die tech-nische Ausführung ist an der ganzen Kirche höchst gediegen zunennen und wird durch ein Material von grofser Dichtigkeit undschöner Färbung trefflich unterstützt. Leider hat das Innere nurnoch an den Pfeilern die Naturfarbe des Materials bewahrt. DasSteinformat beträgt am südlichen Seitenschiffe 11—lljZoll, 5bis 5 S Zoll und 31—3f Zoll, am Chore llj—11± Zoll, b] — 5f Zoll,3i—3i Zoll.
Kunstwerke.
Die Kirche ist trotz aller Verschleuderung und Vernachläs-sigung mittelalterlicher Kunstwerke noch immer reich daran zunennen. Aufser mehreren kleineren, leider ganz vernachlässigtenFlügelaltären bewahrt sie in dem überaus grofsen, aufs Pracht-vollste geschnitzten, bemalten und vergoldeten Flügel-Hochaltäreeine der bedeutendsten Leistungen auf dem Gebiete der Holz-schnitzkunst in den Marken. Die an diesem ausgezeichneten
Skulpturwerke vorhande-nen Darstellungen bezie-hen sich auf Leben, Todund Himmelfahrt Mariä.Höchst wahrscheinlich istdieser Altar gleich nachVollendung der Kirche ca.1470 aufgestellt worden.
Zwei gröfsere Erzgufs-werke haben glücklicher-weise den Sturm der Zei-ten überdauert und Datumwie Meisternamen überlie-fert. Es sind dies der gro-fse, vor dem Hochaltäreauf 3 Löwen ruhende fünf-armige Leuchter, welchender Holzschnitt darstellt,und das einfach gebildetepokalförmige Taufbecken.Am Fufse des Leuchterssteht die Minuskelinschrift:anno domini MCCCCLXXXVII do makede herman bonstede defeluchte, und an dem Taufbecken: anno domini MCCCCLXXXIXhermen bonstede: help jhesus unde maria.
Ein mit eingravirten biblischen Darstellungen geschmückter,silberner und vergoldeter Kelch aus dem Anfänge des XIII. Jahrh.gehört zu den sparsam vorhandenen Resten der älteren Gold-schmiedekunst in den Marken ’).
Der bei weitem wichtigste und hervorragendste Schatz derKirche besteht in den allerdings nur noch theilweis erhaltenenGlasmalereien in den Chor- und einigen Schiffs-Fenstern. Diesenamentlich in Bezug auf die Komposition, von dem höchstenAdel und der reinsten Schönheit erfüllten Malereien, welche Dar-stellungen des Sündenfalles, des Todes und der Krönung der Ma-ria, sowie Engel mit Wappenschildern, Heilige etc. enthalten,sind, wie aus den Inschriften hervorgeht, Stiftungen des Kurfür-sten Friedrich II. Ihre Herstellung hat 1467 stattgefunden 2 ).
') Dieser Kelch ist abgebildet und eingehend erörtert worden in v. Quast und OtteZeitschr. I, 69 ff.
J ) Auch auf diese Fenster nach ihrem Knnstwerthe und historischen Bedeutung zuersteingehend aufmerksam gemacht zu haben, ist ein Verdienst des Herrn von Quast. Vergl.dessen Aufsatz in v. Quast und Otte Zeitschr. U, 33 ff.