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theile dient dem Durchgangsverkehre und öffnet sich nach derStadtseite mittelst eines Rundbogens, während der auf breitenSpitzbogen ruhende Thorthurm nach der Wasserseite hin, mit-telst zweier Thorflügel und eines Fallgatters geschlossen werdenkonnte. Die konstruktiven Einrichtungen für das Letztere sindfür die äufsere Erscheinung des Thorthurmes von Wichtigkeitgewesen. Denn die hohe Erhebung des Fallgatters führte zu-nächst zur Herstellung einer doppelten Aufsenmauer, an welcheraber, um Material zu sparen und nutzbare Schiefsscharten an-zulegen, die äufsere Mauer durch einen breiten und hohen Spitz-bogen geöffnet wurde. Mittelst schmaler Mauerschlitze und fiach-bogiger Fensteröffnungen wurden Fallgatter und Aufsenthor ver-theidigt und durch eine gezinnte Plattform die Wehrhaftigkeitder Anlage beträchtlich verstärkt. Die Technik und das Mate-rial sind gut, die ganze Bauanlage wohlerhalten. Das Steinfor-mat beträgt 10j—10§ Zoll, 5j—5| Zoll und 3;’ — 3^ Zoll.Die vorhandenen Ziegelstempel, deren einen der Holz-schnitt mittheilt, stimmen mit denen am Westtliurme vonSt. Nikolaus und am Westportale von St. Stephan überein undlassen auf eine gleichzeitige Bauausführung von 1470 schliefsen.
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VIII. Das Neustädter Thor.
Historisches. j
Wie von den meisten städtischen Bauausführungen ist auchvon diesem grofsartigen, mit besonderem künstlerischen Auf-wande hergestellten Bauwerke keine urkundliche Nachricht vor- jhanden. '
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Baubeschreibung 1 ).
Der im Holzschnitte wiederge-gebene Situationsplan veranschau-licht die von Osten nach Westen ge-richtete, in allen wesentlichen Tliei-len noch wohl erhaltene Bauanlage.Dieselbe besteht: 1) aus dem weitvorgeschobenen westlichen Vorhofemit dem Aufsenthore; 2) aus derdurch hohe Flügelmauern damit ver-bundenen massiven Brücke; 3) ausdem die städtische Ringmauer durch-brechenden östlichen Innenthore, wel-ches von zwei Seitenthürmen nörd-lich und südlich flankirt wird. Der3 Fufs 8 Zoll starke und ca. 12 Fufsweite Portalbogen des Aufsenthoresist nur noch in Ansätzen erhalten und scheint eine gezinnteObermauer getragen zu haben, welche mittelst einer 18 Zollbreiten massiven, in die Seitenmauer eingebundenen Treppe er-stiegen werden konnte und zu einem niedrigen, nördlich bele-genen Deckungsthurme führte. An diesen nördlichen Seitenthurmehnte sich der jetzt planirte hohe Wall, welcher nördlich undwestlich die Stadtmauer umschlofs und, wie aus dem Stadtpro-spekte in Küster’s Antiq. Tangerm. hervorgeht, bis 1729 wohlerhalten war. Die nördliche Seitenmauer des Vorhofes ist durcheingebaute Häuser so zerstört, dafs die ursprüngliche Form undEinrichtung nur unvollkommen erkannt werden kann. NachOsten hin war der zwingerartige Vorhof durch einen ebenfallsnicht mehr erhaltenen zweiten Portalbogen begrenzt, dessenThorflügel den Hof von der dahinter belegenen Brücke abschlos-sen und zu einem selbstständigen Aufsenwerke gestalteten. Dersehr breite und tiefe (jetzt fast ganz ausgefüllte) trockeneGraben 2 ) wird mittelst eines kurzen, von hohen Mauern einge-
') Vergl. die Perspektive bei Strack a. a. 0. Bl. 22.
’) Die hohe Lage der ganzen Stadt Tangermünde über Elbe und Tanger und dergänzliche Mangel an fliefsendem oder stehendem Wasser auf dem Plateau verstattete nicht ,Jdie Anlage eines nassen Grabens, welcher auf Bl. XL irrthümlieher Weise dargestellt wor-den ist. :!
fafsten Dammes und einer spitzbogig überwölbten massiven Brückeüberschritten. Die Brüstungsmauern der Brücke sind in Formvon niedrigen gezinnten Brustwehren hergestellt. Jenseits derBrücke erhebt sich das sehr starke Innenthor, dessen Aufsen-front auf Bl. XL, Fig. 1 nebst zwei dazu gehörigen GrundrissenFig. 2 und 3 dargestellt worden ist.
Der mittlere Theil, das eigentliche innere Thor, welchessich nach der Stadtseite zu beträchtlich erweitert, konnte mit-telst nach aufsen aufschlagender Thorflügel geschlossen werdenund war ursprünglich mit einem auf Rippen ruhenden Kreuzge-wölbe, jetzt mit einer stark überhöhten böhmischen Kappe über-wölbt. Die darauf ruhende Plattform ist nach innen w T ie nachaufsen mit Zinnenwänden besetzt und hat zur bessern Sicherungdes darunter belegenen Haupteingangs der Stadt eine Pechnasen-Einrichtung (Moucharabi) empfangen. Der mittlere Zinnenpfei-ler ist erkerartig vorgekragt und unterhalb mit einer breitenAusgufsöffnung versehen, um brennende Körper, heifse Flüssig-keiten etc. mit Leichtigkeit von der Plattform auf den andringen-den Feind herabschütten zu können. Von der Struktur- und For-menbildung dieses Erkers giebt Bl. XXXIX, Fig. 8 eine Darstel-lung. Zwei andere, neben der Pechnase belegene, weit vorge-streckte sandsteinerne Ausgufssteine dienten zur Ableitung desRegenwassers von der Plattform, konnten aber auch zu gleichenVertheidigungszwecken benutzt werden.
Der das Innenthor an der Südseite flankirende oblongeThurm springt vor der Flucht der städtischen Ringmauer soweit hervor, dafs eine Seitenbestreichung derselben ermöglichtwurde. Er besitzt zwei mit flachen Tonnengewölben überwölbteRäume, von denen jeder durch zwei schmale, auf Pfeilschufs-vertheidigung eingerichtete Mauerschlitze erleuchtet wird. DerEingang, welcher die Thoröffnung direkt mit dem Erdgeschosseverbindet, öffnet sich zugleich nach der schmalen massiven Treppe,die in der etwas herausgebauchten innern Umfassungsmauer lie-gend, zum obern Stocke und von dort aus zur Plattform desThorbogens empor führt. Vgl. Fig. 2 und 3. Dicht am Aus-tritte dieser Treppe erweitert sich das obere Stockwerk mittelsteines über den Graben hinausgekragten Erkers, der als Abtrittdiente. Dieser oblonge, in höchst einfachen Formen mit ge-putzten Spitzbogenblenden ausgestattete Thurm war ursprüng-lich mit einer einfach gezinnten Plattform beendigt, ist aber durcheinen späteren Aufbau, welcher die jetzt noch erhaltenen rei-cher ausgebildeten Zinnen herstellte um ca. 9 Fufs erhöht wor-den. Da das Backsteinformat und die einfachen Kunstformendes oblongen Thurmes von denen des stumpf daran gesetztenThorbogens und des Rundthurmes abweichen, dagegen mit de-nen des Vorhofes und Aufsenthores übereinstimmen, so mufs deroblonge Thurm und das Aufsenthor als eine ältere Befestigungs-Anlage betrachtet werden, welche allen Kennzeichen zufolgeebenso wie der Unterbau des Hühnerdorfer Thorthurmes unddas Aufsenthor daselbst vielleicht noch dem Schlüsse des XIII.,wahrscheinlicher aber dem Anfänge des XIV. Jahrh. angehört ’).
Der die Nordseite des Innenthores deckende Rundthurmspringt ebenfalls hinreichend weit in den trocknen Graben her-vor, um denselben seitwärts bestreichen zu können. Der Fufsdes Thurmes wird durch einen 50 Fufs hoch angeordneten, aufKragsteinen ruhenden massiven Umgang, der nach oben bedachtund in dessen Fufsboden eine Reihe von Giefslöchern (Machi-coulis) angeordnet waren, an allen Seiten vertheidigt 2 ). Das
') In der Aufsenfront Fig. 1 ist der spätere Aufbau genau der Wirklichkeit entspre-chend durch hellrothe Färbung der jüngeren Backsteinschichten charakterisirt, dagegen diejetzt vorhandenen, aus dem XVI. Jahrh. herrührenden Ziegeldächer über dem oblongenThurme und dem Thorbogen fortgelassen worden.
2 ) Leider ist dieser Umgang vor ca. 30 Jahren abgetragen worden, so dafs nur nochdie Kragsteine, die Verbindungsthüren aus dem Innern des Thurmes und die Deckgesimse,an welche sich die massive Abdeckung lehnte, vorhanden sind. Die auf Bl. XL gegebeneRestauration beruht aber theils auf dem oben erwähnten Küster'sehen Kupferstiche, theilsanf einem im Ivonigl. Museum vorhandenen Modelle, welches vor dem Abbruche angefer-tigt ist. Ueberdies sind die Spuren der ehemaligen Struktur so deutlich, dafs ein Irrthumbei einer etwaigen Restauration, welche im Interesse der Stadt Tangermünde dringend zuwünschen wäre, kaum möglich ist.