von besonderer Güte, auch ist die Sparsamkeit in der Verwen-dung von Kunstformen auffallend. Von der in diesem Punktebeobachteten Oekonomie giebt die Herstellung der flachbogigenBlendnischen ein interessantes Beispiel. Um nämlich die vonder Herstellung der Oberfenster und des Westportals übrig ge-bliebenen Formsteine zu verwerthen, hat man die erwähntenBlenden angeordnet und so formirt, dafs die eine Formstein-sorte des Westportals als Glied des Einfas-sungsprofils, die Formsteinsorte der Obei'fen-ster als Glied des Bogenprofils benutzt wur-den. Diese höchst naive, aber ganz zweck-entsprechende Struktur, welche nicht nur be-treffende Ecksteine vermeidet, sondern auchverschiedene Profilsteine dreist zusammentre-ten läfst, wird durch den Holzschnitt veran-schaulicht. Das Steinformat beträgt 11 Zoll,5j Zoll und 3| Zoll.
Resultat.
Mit Rücksicht auf die oben citirte Urkunde mufs St. Elisa-beth ca. 1454 begonnen, aber unbekannter Ursachen halber lang-sam fortgesetzt und ca. 1460—1470 mit der Westfront zum noth-diirftigen Abschlüsse gekommen sein.
V. Kleine kirchliche Bauwerke.
Die meisten der aufserhalb der Stadt belegenen kleinerenkirchlichen Anlagen, zu denen die Kapelle St. Gertrud, St. Georgund St. Maria (letztere eines wunderthätigen Gnadenbildes hal-ber 1423 ganz erneuert und später mit Chorherren besetzt), sowie die Klause bei Bölsdorf gehörten, sind leider untergegangen.Noch bedauerlicher bleibt der Verlust der wegen ihrer Prachthochberühmten Kapelle St. Johannes auf der Burg zu Tanger-münde, welche zwar schon 1355 urkundlich erwähnt, aber durchKaiser Karl IV. nach dem Muster der St. Wenzels-Kapelle zuPrag neu erbaut') und aufs Reichste mit Bildern, Edelsteinenund kostbarem Kirchengeräthe ausgestattet worden sein soll. Andieser Kapelle war das unter „Historisches“ der Pfarrkirche St.Stephan erwähnte, ebenfalls von Kaiser Karl IV. ins Leben ge-rufene Kollegiatstift niedergesetzt worden. Nachdem aber derunwürdige Jobst von Mähren schon im Anfänge des XV. Jahrh.das St. Johannes Stift seiner kostbarsten Reliquien und Schätzeberaubt hatte * 2 ), ging der von allen älteren Geschichtschreibernhochgepriesene prachtvolle Bau der Kapelle während des 30jäh-rigen Krieges im J. 1640 zu Grunde. Jetzt ist keine Spur des-selben mehr vorhanden.
VI—VIII. Thore.
Während des Mittelalters waren Burg und Stadt Tanger-münde, jede für sich, durch ausgedehnte und starke Befestigun-gen wohl geschützt. Die städtische Ringmauer mit ihren höchstimposanten Mauer- und Thorthürmen ist trotz einzelner Lückennoch immer wohl erhalten und gewährt die beste Belehrungüber die Befestigungen märkischer Städte. Zwei durch Thürmegedeckte Thore, das Hühnerdorf er und Neustädter Thor, führ-ten in die Stadt, während das Wasserthor, auch Rofspforte (Rofs-furt) genannt, zum Tanger- und Elb-Ufer hinabführte und dieVerbindung der Stadt mit dem Strome sicherte.
VI. Das Hühnerdorfer Thor.
der Vorstadt, dem sogenannten Hühnerdorfe verbindet, bestehtaus dem weit vorgeschobenen Aufsenthore und dem fast <ranzzerstörten Innen thore, welches von einem seitwärts stehenden,noch wohl erhaltenen Thorthurme gedeckt wird '). Obgleichhistorische Nachrichten über Anlage oder Verstärkung des Bau-werks völlig fehlen, so lehrt doch die analytische Untersuchungund eine Vergleichung mit verwandten Bauanlagen, dafs dasHühnerdorfer Thor zweien Bauepochen entstammt. Der breite,spitzbogige, abgestuft profilirte Portalbogen des Aufsenthors undder quadrate mit spitzbogigen Wandblenden verzierte Unterbaudes Thurmes am Innenthore sind Reste der alten Befestiffungs-anlage vom Schlüsse des XIII. Jahrh., dagegen gehören der acht-eckige Oberbau des Thurmes und der nur noch in Fragmentenerhaltene reich profilirte Portalbogen des Innenthors in die Mittedes XV. Jahrh. Der wichtigste Theil der Bauanlage ist der amInnenthore stehende Deckungsthurm, dessen Aufsenfa^ade undGrundrisse auf Bl. XXXIX, Fig. 1, 5 und 6 dargestellt wordensind. Die räumliche Gestaltung entspricht den bereits mitge-theilten Thorthürmen der Stadt Brandenburg. Auch hier er-folgte der Zugang zu dem hoch gelegten ersten Geschosse ur-sprünglich vermittelst des Portalbogens am Innenthore. Vondem überwölbten Gemache, welches mittelst eines breiten Spitz-bogens nach der Stadtseite ganz geöffnet und an dessen Gra-benseite ein massiver Abtritt angelegt war, führten sodann mas-sive in der Mauerdicke angelegte Treppen zu einem höher be-legenen achteckigen Raume, der mit vier vorgekragten massi-ven Erkern nach aufsen erweitert, zum Aufenthalte der Thurm-wächter diente. Auf dem achteckigen Kuppelgewölbe diesesWachtraumes ruht die massive, mit einfacher Zinnenform um-gebene Plattform des ganzen, bis zu einer Höhe von 80 Fufsemporsteigenden Thurmes.
Die Komposition des achteckigen Obertheils zeigt eine deut-lich hervortretende Verwandtschaft mit dem Müblthorthurme zuBrandenburg 2 ), nur dafs hier die beabsichtigte Anlage der viermassiven Erker eine verschiedene Höhe der zweitheiligen Spitz-bogenblenden nothwendig machte. Auch ist die Durchbildungdes Details wohl mit Rücksicht auf die höchst einfach und stremrgebildeten, zum Unterbau benutzten Reste des XIII. Jahrh. we-niger reich und zierlich erfolgt als zu Brandenburg. Die treff-liche Erhaltung des Bauwerks läfst eben so sehr auf gutes Ma-terial, wie auf solide Ausführung schliefsen.
Der Thurm ist völlig aus Backsteinen erbaut, nur die klei-nen Erker ruhen auf grofsen sandsteinernen Konsolen. DasSteinformat des quadraten Unterbaues beträgt 10^ Zoll, 5 bis5| Zoll und 3.} Zoll. Am achteckigen Oberbau, so wie an denResten des Portalbogens vom Innenthore erscheinen, yviewohlsparsam, Ziegelstempel, deren einen der Holzschnitt dar-stellt. Aus der Uebereinstimmung dieser Stempel mit de-nen vom St. Nikolaus-Thurme geht hervor, dafs die Er-höhung des Thurmes und die Herstellung des Innenthores ca.1460—1470 stattgefunden hat, während der Unterbau und dasAufsenthor schon seit ca. 1300 vorhanden waren.
VII. Das Wasserthor.
Dieses ebenfalls in Backsteinen erbaute Thor, dessen Grund-rifs uud Aufsenfa^ade (Wasserseite) Bl. XXXIX, Fig. 3 und 7darstellen, besteht aus zwei unmittelbar mit einander verbunde-nen Bautheilen, aus dem äufseren, fast quadraten Thorthurmeund dem nach der Stadtseite belegenen Thorhause 3 ). Das Letz-tere ist, wie vorhandene struktive Kennzeichen lehren, später anden Thortliurm angebaut worden, vermuthlich um mehr Raumfür eine zahlreichere Wachtmannschaft zu gewännen. Das mitgedrückten Kreuzgewölben überdeckte Erdgeschofs beider Bau-
Das in Backsteinen erbaute Thor, welches die Stadt mit
') Vergl. Entzelt, Chronik der Altmark S. 137.
*) Vergl. das Verzeichnis derselben in Riedel a. a. O. XVI, 40.
') Vergl. die treue Abbild, in Strack a. a. O. Bl. 2.
2 ) Vergl. Bl. XVI, Fig. 1—4.
3 ) Vergl. hierzu d. Perspektiven in Strack a. a. O. Bl. 1, 11 n. 12.