gebündelten Wanddiensten getragen werden*), bedecken denChorraum, welcher von sieben breiten, theils drei-, theils vier-theiligen Fenstern erleuchtet wird. Ueber den Fenstern ist dergekreuzte Stabfries, welcher am Chore von St. Maria verwendetist, angeordnet 2 ) und dies ist der einzige Schmuck des in sehrmittelmäfsiger Technik erbauten Chores.
Kunstwerke.
Nennenswerth ist die in Holz geschnitzte, bemalte und ver-goldete Schranke mit dem Heilandskreuze darüber, welche Chorund Langhaus trennt und in der Behandlung wie in allen Kunst-formen mit der Chorschranke von St. Marien verwandt, aberwohl noch später, ca. 1480, angefertigt ist. — Viel werth-voller sind ferner die in fünf Chorfenstern erhaltenen Glasge-mälde, an denen die grofsen Gestalten von St. Barbara, St. Paulund von beiden St. Jakob besonders schön in Farben wie Zeich-nung erscheinen. OhneZweifel stammen diese Glas-gemälde aus der Bauzeitdes Chores ca. 1469 underhalten durch dieses si-chere Datum ein besonde-res Interesse.— Das werth-vollste Kleinkunstwerk istein kleiner, aber in reichromanischen Formen ge-gossener Erzleuchter, des-sen seltene Erhaltung undhohes Alterthum (XII. Jh.)Veranlassung gegeben hat,ihn im Holzschnitte darzu-stellen 3 ).
Resultat.
Der Thurm und einzelne Langhaustheile sind Fragmente desBaues von ca. 1150 — 60, das Langhaus selbst mit Pfeilern, Ge-wölben und Fenstern entspricht der Bauthätigkeit von 1281—1311und der Chor ist sicher von 1460 — 69 erbaut worden.
V. Klosterkirche St. Katharina.
Historisches.
Kurfürst Friedrich II., der Stifter des Schwanenordens, grün-dete im J. 1456 mit Zustimmung des Raths und der Gemeindezu Stendal ein Benediktiner Nonnenkloster, welchem als Gottes-haus die schon bestehende Kapelle des heiligen Geistes überge-ben wurde 4 ). Die Einrichtung des Konvents scheint mit Schwie-rigkeiten verbunden gewesen zu sein, da Bischof Wedego vonHavelberg die schon 1456 erlassene päpstliche Bestätigungsbulleerst 1461 publizirte 5 ). Noch später mufste eine Veränderungder Ordensregel vorgenommen werden, da sich keine Jungfrauenzur Annahme der Benenediktiner Regel gefunden zu haben schei-nen. Durch einen vom Kl. Marienberg bei Helmstedt herbeigezo-genen Filial-Konvent wurde die Augustiner-Regel eingeführt unddie wahrscheinlich eben neu erbaute Kirche 1469 der heiligen Drei-faltigkeit und St. Katharina geweiht”). Der 1470 erfolgte Rück-tritt des Kurfürsten von der Regierung mufs eine thatkräftigeVollendung der Stiftung verhindert haben, denn 1472 findetsich ein päpstlicher Ablafsbrief für St. Katharinen-Kloster, worindie Gläubigen zum Besuche und zu thätlicher Hilfsleistung drin-
') Diese Strukturformen stimmen besonders mit denen des Klosters Allerheiligen zuTangermünde überein. Vergl. Bl. XXII, Fig. 1.
2 ) Vergl. Bl. XLI, Fig. 1.
•’) Die Nachweisung dieses seltenen, den bisherigen Forschern entgangenen Kunst-werkes wird der gütigen Theilnahme des Herrn Weye, Pastors an St. Marien zu Stendal,verdankt.
4 ) Riedel a. a. O. XV. 281.
5 ) Riedel a. a. O. XV. 292.
8 ) Vergl. den Stiftungsbrief des Kurfürsten in Riedel a. a. O. XV. 309.
gend ermahnt werden 1 ). Einige Altäre wurden 1499, 1516etc. gestiftet, doch gelangte das Kloster nie zu grofser Bedeu-tung. Eine Feuersbrunst vom J. 1687 beschädigte Kirche undKloster, doch sind die wesentlichen Bautheile des noch jetzt be-stehenden protestantischen Stiftes wohl erhalten.
Baubeschreibung.
Die auf Bl. XLI. mitgetheilte Klosterkirche ist eine zwarkleine, aber einheitliche Bauanlage von guten Verhältnissen, wel-che mit ihren Klostergebäuden und dem nahe gelegenen Tan-germünder Thore eine malerische Gebäudegruppe bildet 2 ). DerGrundrifs Fig. 8 zeigt eine einschiffige, im Osten polygon ge-schlossene Kirche, welche mit Kreuzgewölben überwölbt ist undvon hoch gestellten Fenstern erleuchtet wird. Längs der Süd-seite sind unterhalb der Fenster schmale Seitenkapellen zwi-schen den Strebepfeilern angebaut, welche am Chore und aufder Nordseite fehlen, weil dort die anstofsenden Klostergebäudeund der Kreuzgang eine solche Anlage nicht verstatteten 3 ). DieseKapellen haben breite, spitzbogige und viertheilige Fenster, rundbo-gige Arkadenöffnungen und sind bereits mit böhmischen Kappen-gewölben bedeckt. Am Chore und an der Nordseite sind rund-bogige Wandblenden angeordnet, welche das System der Kapellen-anlage nischenartig wiederholen. Die hochbusigen Schiffsgewölbebesitzen dicke birnenförmige Rippen und sandsteinerne, mit Ro-sen etc. geschmückte Schlufssteine. Die Rippen ruhen aufschmucklosen Kämpfern, welche drei gebündelte Wanddienste,die von dem Gurtgesimse unter den Fenstern emporsteigen, be-krönen. Die Oberfenster sind stumpf spitzbogig geschlossen, inspätgothischen Formen, wie Fig. 9 zeigt, profilirt und im Choremit drei-, im Schiffe mit viertheiligem Maafswerke ausgesetzt.Das Aeufsere ist nicht minder einfach behandelt wie das Innere;dennoch macht die Ostfayade durch kräftige Gliederung der Stre-bepfeiler und gute Verhältnisse Bl. XLI, Fig. 3 einen günstigenEindruck. Die an den Untermauern des Chores beabsichtigtereichere Ausstattung mit Sandsteinreliefs (ähnlich der Anordnungam Domchore) ist nie zur Ausführung gekommen. Die Westfrontist ganz schmucklos, und von gleicher Einfachheit sind die Stifts-gebäude und die Kreuzgangsflügel, welche auf Gewölbe zwarangelegt sind, aber dieselben nie empfangen haben. Die an derStrafse belegene Klostermauer ist mit Musterwerk (ähnlich demam Dome zu Brandenburg Bl. VII, Fig. 1 u. 2 mitgetheilten) vonglasirten Steinen verziert.
Technisches.
Die technische Ausführung läfst viel zu wünschen übrigund ist mit der vom Dome nicht zu vergleichen. Das Stein-format beträgt 10-—11 Zoll Länge, 5| Zoll Breite und 3| ZollHöhe. Das Hauptgesims ist genau wie das der Seitenschiffe derSt. Johanneskirche zu Brandenburg (vgl. S. 28 den Holzschnitt)mittelst des Plinthenformsteines hergestellt. Von den kleinen meistrunden Ziegelstempeln, die der Holzschnitt darstellt, kehrt nur
“bpi der mit a bezeichnete an denInH Dompfeilern wieder.
Kunstwerke.
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An dem südlichen Chorstrebepfeiler ist dasdurch den Holzschnitt hier wiedergegebene Me-morienkreuz eingelassen, welches am oberstenKreuzarme des sehr roh gearbeiteten Krucifixesdie Inschrift hat: wefne (?) toillekin deme godgnedig a. d. 1441. Vermuthlich hat sich diesesMemorienkreuz an der alten heil. Geist-Kapellebefunden und ist bei dem Neubau von St. Ka-tharina erhalten worden.
’) Riedel a. a. O. XV. 325.
2 ) Vergl. die sehr treue Abbildung in Strack und Meyerheim Bl. 23.
3 ) Das Motiv und die Detaildurchbildung dieser Nebenkapellenanlage stimmt völligmit den entsprechenden am Dome und an St Maria überein, nur dafs hier die Kapellenmit Dachziegeln und nicht mit Mauersteinen abgedeckt sind.