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1 (1862) Die Mark Brandenburg : Stadt Brandenburg, die Altmark
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lende Faktum, dafs zur Zeit des ausgebildeten Backsteinbauesund mitten unter Backsteinbauwerken plötzlich ein Granitbauauftritt. Nach dieser Darlegung wird es erlaubt sein, den Chor- !bau von St. Peter auf ca. 13401350 zu datiren Q und denAblafsbrief von 1306 auf den Backsteinbau des Langhauses zubeziehen. Zweifelhaft bleibt nur, ob die in Granitquadern her-gestellten unteren Theile der Schiffsmauern von einem noch äl-teren, jedenfalls aber gothischen Baue herrühren. Doch ist die- jser Zweifel unerheblich, da wahrscheinlich das Hineinziehen deralten Parochie in die Stadt um 1300 zur Erbauung einer besserenPfarrkirche veranlafste. Dieser Bau wurde vielleicht mit demMateriale der älteren Kirche in Granit begonnen und in Back-steinen um 1310 vollendet. j

Noch später als der Chorbau ist die in Backsteinen herge- jstellte Mauer zwischen Chor und Schiff und der darüber befind- |liehe hohe Ostgiebel des Schiffs erbaut. Dies beweist einmal dienur unvollständig erhaltene, aber reich gestaltete Gliederung desGiebels mit Spitzbogenblenden, um welche sich Stabfriese herum-legen 2 ). Dies ergeben ferner die drei sehr nüchtern und schwerprofilirten Spitzbogenöffnungen in der Chorschranke, vor derenmittelster der Laienaltar steht, während die beiden zur Seite be-legenen als Chorthüren dienen. In den Zwickeln zwischen die-sen Pforten befinden sich Gitterfriese und über dem Hauptge-simse sind Christus und die 12 Apostel (von mittelmäfsiger Handin Sandstein gehauen) in einer Gallerie von kleinen Nischen auf-gestellt. Ein hölzernes Heilandskreuz krönt den kleinen, wegenseiner seltenen Erhaltung interessanten Bau, der jedenfalls wieder Ostgiebel der Mitte des XV. Jahrh. angehört.

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Resultat. ;

Das unten in Granit, oben in Backsteinen erbaute Langhausist wahrscheinlich um 1300 begonnen und 1310 vollendet wor-den. Der in Granit errichtete Chor entspricht der Bauzeit von jj13401350, der Ostgiebel und die innere Chorschranke sindca. 1450, das Treppenthürmchen der Westfront 1523 und die |jetzige Thurmspitze 1582 hergestellt worden. j

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IV. Pfarrkirche St. Jakob. j!

Historisches.

Von dieser durch die Tradition als die älteste Pfarrkirchebezeichneten Bauanlage lautet die erste auf chronistische Mitthei-lung zurückzuführende Angabe dahin, dafs sie bereits 1281 von j 1den Bau - Materialien der im Dorfe Wusterbusch gestandenenPfarrkirchereparirt worden sei. Die ersten urkundlichen Er-wähnungen geben Altarstiftungen um 1285, 1292 und 1307, wor- jauf eine an der Südseite des Langhauses noch vorhandene Stein-inschrift 3 ), welche den Inhalt nicht mehr erhaltener Ablafsbriefesummarisch angiebt, die fernere Mittheilung bringt, dafs 1311ein Neubau stattgefunden habe oder noch im Gange sei. Aufeine anderthalb Jahrhunderte später erfolgte Bau-Ausführung läfsteine nur fragmentarisch erhaltene schriftliche Aufzeichnung 4 )schliefsen, welche dem Knopfe des Chor-Dachreiters entstammteund die Angabe enthielt, dafs der Chor durch Meister Jakobvon 14601469 erbaut sei. Die über dem Westthurme befindli-che schlanke Spitze wurde 1701 durch Blitz zerstört und 1704 inwelscher Haubenform erneuert. Der Westthurm ist 1810 ein- |gestürzt und bisher nicht wieder hergestellt worden. Die be- |

Urk. Samml. S. 76) die Dörfer Wusterbusch und Neuwinkel an die Stadt Stendal abgetre-ten wurden. Chronistische Aufzeichnungen überliefern ferner die Thatsache, dafs schon1281 die alte Pfarrkirche St. Jakob von den Steinen der Kirche zu Wusterbusch reparirt !wurde und daher ist es erlaubt, nach solchem Vorgänge und unter Hinweisung auf dieoben mitgetheilte bischöfliche Urkunde von 1327 eine Verwendung des Baumaterials derKirche von Neuwinkel für St. Peter anzunehmen, zumal alle Kennzeichen von Struktur- jund Kunstformen mit dieser Auffassung übereinstimmen. ^

') Hierdurch gewinnt der Ablafs von 1357, welcher von der letzten Ausstattung derKirche mit Büchern, Kelchen etc. redet, seine volle Bestätigung.

2 ) Vergl. die Abbildung dieses Details in der Zeitschr. f. Bauwesen IX, BI. 28, Fig. 11.

3 ) Beckmann a. a. O. Sp. 65.

4 ) Beekmann a. a. O. Sp. 66.

trächtlichen, mit der Kirche verbundenen, noch stehenden Restedieses altehrwürdigen Denkmals bilden jetzt eine, die Würde ei-nes städtischen Gotteshauses in hohem Grade beeinträchtigendeRuine.

Baubeschreibung.

Der Grundrifs dieser gewölbten Hallenkirche entspricht beigröfseren Maafsen sehr genau dem von St. Peter. An ein drei-schiffiges Langhaus von sechs Jochen legt sich ostwärts ein drei-jochiger, mit drei Seiten des Achtecks schliefsender Chor, wäh-rend ein quadrater Thurm vor der Westfront stand. Nur die bei-den östlichsten Joche des Chores sind vollständig aus Backstei-nen erbaut, das westliche Chorjoch ist wie die Umfassungsmauerndes Langhauses bis zur halben Höhe in Granit, in den oberenMauertheilen in Backsteinen errichtet, Der Westthurm besafsbis zu einer Höhe von 92 Fufs nur Granitquaderbau. Die bei-den mittelsten Schiffspfeiler von quadratem Querschnitte sindebenfalls aus Granit konstruirt, während die übrigen vier acht-eckigen Pfeilerpaare nebst allen Arkadenbogen und Gewölbenaus Backsteinen hergestellt sind.

Die ältesten Baureste bewahrt der zur Hälfte noch erhal-tene, ursprünglich in bedeutenden Abmessungen (32 F. im Qua-drat und 92 F. hoch) erbaute Glockenthurm sowie die ansto-fsende Westmauer. Das grofse Portal, welches in das Mittel-schiff führte, ist noch erhalten; der Halbkreisbogen desselbenruht auf starken Pfeilern mit abgeschrägten Kämpfern und dar-über befindet sich eine grofse Kreisblende. Diese mit den ein-fachsten und schlichtesten Kunstformen in Granitquadern her-gestellte Anordnung ist der Westfront von St. Godehard zu Bran-denburg völlig entsprechend, und da hier überall die gute Tech-nik des älteren Granitbaues sichtbar ist, so ist kein Grund vor-handen, diese Baureste für später zu setzen als die Gründungs-zeit der Stadt. Dadurch wird die Tradition, welche St. Jakobals die älteste Pfarrkirche der von Albrecht dem Bären 1151begründeten Stadt bezeichnet, durch die Baugeschichte völlig be-stätigt. In dieselbe Bauzeit gehören die westlichen Theile derNordmauer mit einem Rundbogenportal, sowie die beiden mit-telsten quadraten Schiffspfeiler. Alle übrigen, in streng gothischenFormen hergestellten Theile des Langhauses und das westlicheChoijoch gehören einer Bauausführung an, welche wahrscheinlich1281 begonnen und um 1320 zum Abschlufs gekommen ist.

Die Aehnlichkeit dieser Bauformen mit denen an St. PetersKirche ist überrascheud. Hier wie dort bestehen die Umfas-sungsmauern unten aus Granit, oben aus Backsteinen, hier wiedort herrscht gleiche Sparsamkeit in allen Detailformen. Dietragenden Pfeiler sind achteckig, ohne Kapitelle und wie dieabgestuften Längsgurte nebst den flachbusigen Gewölben ausBacksteinen konstruirt. Nur die Gesannntverhältnisse sind inSt. Jakob schlanker und hochräumiger als in St. Peter ') undin der Fa^adenbildung wird ein etwas gröfserer Luxus sichtbar.Wie schon hervorgehoben, bestehen die Umfassungsmauern undStrebepfeiler bis oberhalb des sandsteinernen Fenstergurtgesim-ses aus behauenen Granit-, an einzelnen Stellen aus geschliffe-nen Sandstein-Quadern, aus welchem Materiale auch zwei, in spät-gothischen Profilen hergestellte Portale der Südseite errichtetsind. Der nach oben hin auftretende Backsteinbau ist die un-mittelbare Fortsetzung des Granitbaues in denselben schlichtenKunstformen und in gleich solider Technik, was besonders anden dreitheiligen Spitzbogenfenstern mit theils einfachen Schmie-gen, theils abgestuften Profilen sichtbar wird 2 ).

Der von 14601469 erbaute Chor zeigt spätgothische Bau-formen, welche denen an St. Maria sehr ähnlich, theilweis so-gar gleich sind. Hochbusige Kreuzgewölbe mit Rippen, die von

') Die grofse Aehnlichkeit zwischen St Peter und St. Jakob erklärt sich durch diegleichzeitige Ausführung beider Bauwerke in genügender Weise.

2 ) Man darf vermuthen, dafs während der Bauausführung das vorhandene, von älte-ren Gebäuden herrührende Granitmaterial ansgegangen ist, dafs alsdann ein Versuch, inSandsteinquadern weiterzubauen nicht durchführbar schien und endlich, um den Bau zubeenden, zum vaterländischen Materiale des Backsteins zurückgegriffen wurde.