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älteste urkundliche Erwähnung fallt in den Schlufs des XIII.Jahrh., wo Bischof Volrad von Halberstadt 1289 *) mehrerekurz vorher, 1287 und 1288, erwirkte Indulgenzbriefe fremderBischöfe bestätigt In jenen Urkunden wird St. Peter noch alsextra muros belegen bezeichnet, im J. 1300 aber mit dem Zu-satze intra cwitatem genannt, so dafs die zwischen 1289 und1300 bewirkte Erweiterung der Stadt die Kirche in ihre Ring-mauern aufnahm 2 ). Im J. 1306 scheint eines Ablafsbriefes zu-folge ein Bau beabsichtigt oder schon betrieben worden zu sein,auf welchen dann üblicher Weise Altarstiftungen folgten, die1320 und 1350 urkundlich genannt werden 3 ). Ob das Materialeiner i. J. 1327 abgebrochenen Dorf-Kirche zu Neuwinkel, wel-ches Bischof Albert von Halberstadt dem Rathe unter der Bedin-gung überlassen hatte, dafs es wieder für ein geistliches Ge-bäude verwendet würde 4 ), dem Baue von St. Peter zu Gute ge-kommen ist, kann nicht positiv erwiesen werden, ist aber höchstwahrscheinlich. Ein Ablafsbrief von 1357 scheint auf einen ebenvollendeten Bau zu deuten, da er besonders die Anschaffungvon Büchern, Kelchen etc. empfiehlt, also die letzte Ausstattungder Kirche im Auge hat. Auf urkundliche Nachrichten überspätere Altarstiftungen von 1405 und 1477 folgen endlich diechronistischen Mittheilungen, dafs 1523 der Thurm mit Kupfergedeckt, aber schon 1563 seiner schlanken Spitze durch denSturm beraubt sei und dieselbe erst 1582 wieder empfangenhabe.
Baubeschreibung.
Wie der Grundrifs zeigt, besteht die kleine Hallen-Kircheaus einem dreischiffigen Langhause von vier Jochen mit einemoblongen Westthurme und einem zweijochigen, polygon geschlos-senen Chore. Der Thurm tritt in das Langhaus so hinein, dafser ein Mittelschifl'sjoch ausfüllt, ist aber mittelst grofser Bogenmit den Schiffen unmittelbar verbunden. Langhaus und Chorwerden durch eine backsteinerne, mit zwei Thören und einerFensteröffnung durchbrochene Wand getrennt. Der Chor nebstder nördlich anstofsenden Sakristei ist völlig aus behauenen Gra-nitciuadern erbaut, auch die Umfassungsmauern des Langhausesund des Thurmes zeigen durcligehends 8 — 9 Fufs hoch Granit-mauerwerk, dagegen sind alle Obermauern, Schiffspfeiler, Längs-gurte und sämmtliche Gewölbe aus Backsteinen hergestellt.
Weniger durch die Verschiedenheit des Materials als durchtechnische und ästhetische Kennzeichen werden zwei Bauperio-den bezeichnet, welche bald aufeinandergefolgt sind. Nach ge-nauer Erwägung aller Gesichtspunkte mufs man das Langhausnebst Thurm für älter halten als den Chor, ungeachtet der Letz-tere noch ein Fragment romanischer Stylbildung bewahrt. DasLanghaus ist niedriger als der Chor, seine Mauern und Strebe-pfeiler besitzen stärkere Abmessungen, alle Kunstformen sindstrenger und einfacher gebildet als die des Ostbaues, und dasGesammtverhältnifs erinnert mehr an die gedrückten Proportio-nen einer Hallenkirche des Uebergangsstyls als an die hoch-strebenden Verhältnisse einer gothischen Kirche. Die gröfste
') Riedel a. a. O. XV. 35. 38. 39.
2 ) Beckmann a. a. O. Sp. 86.
3 ) Riedel a. a. O. XV. 53, 71 u. 137.
4 ) Riedel XV. 80. „ dum modo lapides et instrumenta ejusdem ecclesie in edificium sivestructuram alicujus sacri loci integraliter reponantur
Schmucklosigkeit ist am Langhause sicht-bar, wie das im Holzschnitte mitgetheilteSystem desselben zeigt. Die niedrigenachteckigen Pfeiler erheben sich auf un-profilirten runden Sockeln und besitzenweder Kapitelle noch Kämpfer. Die Längs-gurte sind abgestuft und die Kreuzge-wölbe ruhen auf birnenförmigen Rippen,die der Schlufssteine und durchgebildeterKonsolen an den Umfassungswänden ent-behren. Die zweitheiligen Fenster besitzennach innen nur abgestufte Profile, nach aufsen eine strenge abertreffliche Profilirung (ähnlich der an den westlichen Oberfen-stern zu Neuendorf), wovon der Holz-schnitt eine Darstellung giebt. Das Maafs-werk der Fenster ist sehr schwerfälliggebildet, da der in den Spitzbogen vor-handene Kreis nicht klar gesondert, ring-förmig erscheint, sondern nur als eine Oeff-nung behandelt ist. Vgl. das oben im Holz-schnitte gegebene System des Langhauses.Die Strebepfeiler des Langhauses setzen oben nach drei Seitenhin ab und neben den Fenstern erscheinen als Fa^adenschmuckkleine Spitzbogenblenden,— alles Eigenthümlichkeiten der altgo-thischen Bauweise. Der Hauptschmuck der Südfapade ist das
stattliche Portal (bei c im Grundrisse),dessen reiche, völlig an Sandsteinportal-formen erinnernde Profilirung der Holz-schnitt giebt. Da dieses Portal denüberall durchgehenden Granitunterbaudurchbricht, so mufs dasselbe als eineHinzufügung betrachtet werden, ebenso wie der kleine achteckige in Back-steinen hergestellte Treppenthurm alsein späterer Zusatz zu der in Granit erbauten Westfront erscheint.Jenes Südportal wird der Vollendungszeit des Chores, nämlich derMitte des XIV. Jahrh. angehören, und das Treppenthürmchenentspricht mit seinen stark vorspringenden abgekehlten Ecklei-sten völlig der Stylbildung vom Anfänge des XVI. Jahrh., wo(1523) die Thurmspitze neu hergestellt wurde 1 ).
Der in schlanken Verhältnissen erbaute Chor ist in der Formeines halben, diagonal gestellten Achtecks geschlossen (so dafsein Strebepfeiler in der Mittelaxe der Kirche liegt) und mit ein-fach geschmiegten, zwei- und dreitheiligen Spitzbogenfensternausgestattet. Die Strebepfeiler steigen ohne Absatz in die Höheund sind unter dem hohen Hauptgesimse steil abgedeckt. EineGranitplinthe legt sich um die Polygon wände und Strebepfeiler,während die Fensterschmiegen, die Abdeckungen und das Maafs-werk in Backsteinen hergestellt sind. Die sehr feine und ele-gante Form des Maafswerks, welches gegen die schwerfälligeGliederung des entsprechenden im Langhause absticht, entschei-det für eine spätere Bauzeit, die aber noch der Mitte des XIV.Jahrh. angehört. Auch die einfachen, aber sehr busigen Kreuz-gewölbe auf birnenförmigen Rippen entsprechen völlig dieserAnnahme. Da aber die Priesterthür an der Südseite des Cho-res (bei a im Grundrisse) noch rundbogig und seltenerweise miteiner sorgfältig glatt behauenen Tympanonplatte in Granithergestellt ist, auch diese Thür im besten Verbände mit denMauern steht, so liegt die Vermuthung nahe, dafs für diesenChorbau die Materialien eines älteren Gebäudes vorhanden wa-ren. Es ist daher höchst wahrscheinlich, dafs das dem Rathezu Stendal überlassene Bau-Material der 1327 abgebrochenenDorfkirche zu Neuwinkel bei dem Chorbaue von St. Peter ver-wendet worden ist *). Hierdurch erklärt sich das sonst auffal-
') Wie unter Historisches mitgetheilt, ist die Thurmspitze 1582 nochmals erneuertund so hergestellt worden, wie dieselbe noch jetzt erscheint. Vergl. die Abbildung in derZeitschr f. Bauwesen IX, Bl. 20.
2 ) Diese Vermuthung findet dadurch eine besondere Bestätigung, dafs laut einer mark-gräflichen Urkunde von 1281 (s. Beckmann a. a. O. Th.V. B. I Sp. 190 und Lentz, Brand.