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denden Seitenschiffe werden von Rundpfeilern gestützt, welchedie Pfeilerbildung der Klosterkirche Allerheiligen zu Tangermündevollständig wiederholen, indem sie nämlich an den vier Seiten,nicht wie im Dome mit birnenförmig gestalteten, sondern mitRundstab-Diensten besetzt und mit spiralförmig geordneten gla- ;sirten Steinen reich verziert sind. Vergl. das Chorsystem derKlosterkirche Allerheiligen auf Bl. XLII, Fig. 4. Nach aufsen ‘hin sind niedrige Seitenkapellen zwischen den Strebepfeilern an-gebaut und mit hochkantigen Backsteinen abgedeckt, doch iststets nur ein breites viertheiliges Oberfenster und ein kleines,ebenfalls viertheiliges Unterfenster in jeder Wandseite angeord-net. Unter dem Hauptgesimse ist ein aus gekreuzten Stäben ge-bildeter Fries vorhanden und darüber erhebt sich eine hohe mit iSpitzbogenblenden und Rundstäben reich durchgebildete Zin-nenwand, die der breit und massig gehaltenen Fa^ade einen sehrausdrucksvollen, aber schon etwas profanen Charakter leiht. Dadiese Ostfa^ade der interessanteste Bautheil von St. Maria ist unddas darin aufgestellte System in anderen Bauten kleineren Maafs- ■Stabes zu Stendal, Tangermünde, Werben etc. mehrfach wieder- j.holt worden ist, so ist auf Bl. XLI, Fig. 1 eine Totalansicht ge- jgeben worden. Die wichtigsten dazu gehörenden Details, näm- flieh die Gliederung der Zinnenwand sind durch Fig. 2 u. 6, jdie Profilirungen der Ober- wie Unterfenster durch Fig. 5 u. 7 |
und die gedrückte attische Plinthe durch den Holz- ischnitt dargestellt worden. Die Südseite befolgt im !Wesentlichen das Fa^adensystem des Chors mit gleich .niedrigen Seitenkapellen und breiten Ober- und Unter-fenstern; doch sind die Kapellenmauern durch grofse jjKreisblenden (wie solche auch an der Nikolai-Kirche zu Berlin ierscheinen) noch etwas reicher dekorirt worden. Die 10 Schiffs- !ipfeiler sind den Chorpfeilern entsprechend gegliedert, nur sind jjdie an den Rundpfeilern aufsteigenden Dienste aus sehr gehäuf- l|ten kleinen Rundstäben zusammengesetzt. Dadurch entsteht ein jkleinlicher, spielender Charakter, der gegen die kräftigere Be-handlung der Dompfeiler unvortheilhaft absticht. Die auf bir-nenförmig protilirten Rippen ruhenden Gewölbe sind gleichmäfsigkonstruirt, sehr dünn und hoehbusig gewölbt und mit verziertenSchlufssteinen geschmückt. Der gehäuften Gliederung der Wand-dienste entsprechen die reich, aber theilweis sehr nüchtern ge-bildeten Fenster- und Thürprofile, wodurch bei allem Formen-reichthum der Charakter der spätgothischen Bauepoche mehr :und mehr hervortritt. Nichtsdestoweniger macht das Innere der jebenfalls nie mit Putz überzogenen Kirche durch die Klarheit derPlananlage und die hochräumigen schönen Verhältnisse einen sehrwohlthuenden Eindruck.
An der Nordostseite ist in späterer Zeit eine zweigeschossige idreijochige Kapelle angebaut, deren Obergeschofs mittelst einerTreppe zugänglich, in grofsen Arkaden sich nach dem Chorum-gange hin öffnet. Unzweifelhaft darf in dieser in den märki- jsehen Kirchen so oft wiederkehrenden Bauanlage die i. J. 1487 izuerst urkundlich erwähnte Liebfrauen-Kapelle erkannt werden.Die Technik dieses kleinen Baues ist mittelmäfsig und die vor- !handenen Bauformen noch flauer und abgeschwächter als die jdes Kirchenschiffs. Aus gleichfalls späterer Bauzeit stammt die 'an der Südwestseite der Kirche belegene und ebenfalls mit dem |JSeitenschiffe direkt zusammenhängende zweijochige Kapelle der |jheiligen drei Könige, deren Gewölbe eine völlige Wiederholung jjder seltenen und komplicirten Gewölbekonstruction an der St. jjTrinitatis - Kapelle der St. Godehard’s-Kirche zu Brandenburg 1 )zeigen und darin den Einflufs mittelmärkischer Bauthätigkeit be-kunden.
Technisches.
Bemerkenswerth ist die Thatsache, dafs der älteste Theildes im XV. Jahrh. geführten Neubaues, nämlich die Nordmauer,keine Ziegelstempel besitzt, welche aber an allen übrigen Bau-theilen im Chore, den Schiffspfeilern, Thürmen und den nach-
träglich zwischen den Strebepfeilern der Nordmauer angebautenSeitenkapellen auftreten. Man darf mit Rücksicht auf diese amDome gleichfalls beobachtete Thatsache behaupten, dafs der Neu-bau der Marien-Kirche mit der Nordmauer ca. 1435 begonnen
hat. Von den sehr zahl-reichen Ziegelstempelngiebt der Holzschnitt einea b c d e Darstellung, und zwar
erscheint der Stempel a an den Oberfenstern der Südmauer, bund c an den Schiffspfeilern und Fenstern, d in der Liebfrauen-Kapelle und e in den Schalllöchern der Thürme.
Kunstwerke.
Der Hauptschatz besteht in der vollständig erhaltenen, ge-schnitzten und bemalten Schrankeneinrichtung zwischen denChorpfeilern, deren westliche Schranke ganz durchbrochen gehal-ten und mit dem grofsen Heilandskreuze nebst vielen Apostel-figuren, Architekturformen und Ornamenten überreich geschmücktist. Mitten in diesem vollständig abgeschlossenen Chore erhebtsich der grofsartige, aufs Reichste ausgestattete Hochaltar, des-sen geschnitzte und gemalte Darstellungen *) sich auf das Le-ben der Maria beziehen und worin die Mitpatroninnen der Kir-che, St. Barbara und St. Katharina einen besonderen Ehrenplatzbehaupten. Trotz der kostbaren Ausstattung gehört dieser wohl-erhaltene Hochaltar nicht zu den besten dieser Gattung und wirdwahrscheinlich erst gegen das Ende des XV. Jahrh. ca. 1470 bis1480 angefertigt sein. In eine noch spätere Zeit gehört dasumfangreiche, für die Vikarien und Kirchen Vorsteher bestimmteChorgestühl, welches der erhaltenen Inschrift zufolge von Mei-ster Hans Ostwalt im J. 1501 hergestellt worden ist. — Das ver-goldete bronzene Taufbecken ruht auf den vier Evangelistenge-stalten, deren Köpfe aber höchst unschöner Weise durch die dervier Evangelistenthiere ersetzt sind. Der Rand des Kessels istmit weiblichen und männlichen Heiligengestalten, in Relief gear-beitet, besetzt und hat die Inschrift: An. Da. MCCCCLXIV Iteet bnbtizale in nomine Patris, ßlii et Spiritus Sancti Amen.
Ein sandsteinernes Bildwerk oberhalb des westlichen Süd-portals, den Gekreuzigten zwischen Maria und Johannes nebstSonne und Mond darstellend, beansprucht weniger durch künst-lerischen Werth als durch die seltene Gröfse einiges Interesse.
Von den an den Fa<?aden eingemauerten sandsteinernen Me-morienkreuzen ist das des Hans Boldekin aus dem Anfänge de-
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XIV. Jahrh. das älteste. Demnächst folgt ein kleines, leider in-schriftloses nur in eingravirten Umrissen dargestelltes Krucifixan einem südöstlichen Chorstrebepfeiler, welches der strengenHaltung zufolge jedenfalls vom Ende des XIV.Jahrh. herrührt und wegen seiner künstlerischenBehandlung und naiven Aufstellung am Strebe-pfeiler hier im Holzschnitt wiedergegeben wird.Die gröfste Gedächtnifstafel befindet sich am nord-östlichen Chorstrebepfeiler. Auf derselben zeigtsich in schwachem Relief die Kreuzigung desHeilandes mit Maria und Johannes, unterhalbderselben ein Bürger knieend mit dem Spruch-bande: Sancta maria ora pro me. Die schwer leserliche Um-schrift besagt, dafs diese Tafel dem im Jahre 1427 erschlage-nen Bürger Albrecht Querstedt gesetzt worden ist.
Resultat.
Der Unterbau der Thürme ist ca. 1350, das Schiff derKirche von 1435—1447, die Liebfrauenkapelle ca. 1462 und dieheilige Drei-Königskapelle ca. 1470 erbaut.
III. Pfarrkirche St. Peter.
Historisches.
Ueber die Gründung dieser ursprünglich aufserhalb derStadtmauern belegenen Kirche ist nichts Gewisses bekannt. Die
’) Vergl. die Beschreibung desselben in Büsching a. a. O. S. 95 ff.
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') Vergl. Bl. XVIII, Fig. 2 u. 10.