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1 (1862) Die Mark Brandenburg : Stadt Brandenburg, die Altmark
Entstehung
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zu bezeichnende Anordnung wird die besondere Gestaltung derVierungspfeiler aufgegeben. Indem aber die Arkadenbogen des jLanghauses sich unverändert fortsetzen, schmilzt das Langhaus ,mit dem Quersehiffe völlig zusammen und der Chor wird prägnan-ter isolirt. Das Querschiff tritt in der doppelten Breite der Sei- 'tenschiffe über die Flucht des Langhauses hinaus und ist nachOsten hin durch angebaute Kapellen seitenschiffartig erweitert.Doch sind beide Kreuzflügel in diesen Anbauten verschieden ge-staltet. Die nicht mehr vorhandenen, mit vier Kreuzgewölbenüberdeckten Kapellen am Nordflügel waren nur ein Geschofs hochemporgeführt, so dafs oberhalb ihrer Pultdächer die östlichenFenster beginnen konnten, während im Südflügel die noch erhal-tene Einrichtung so getroffen ist, dafs diese Nebenkapellen zwei-geschossig geordnet sind und das Obergeschofs mit den Quer-schiffsjochen unmittelbar durch hohe Arkaden verbunden ist.Dadurch bestand im Nordflügel eine basilikenartige, im Südflü- jgel eine Hallenkirchen-Struktur, wäe dies der Querschnitt Bl. ;XXXIV zeigt. Der Grund zu dieser verschiedenen Querschifis- |gestaltung ist nicht mit Sicherheit zu erkennen. Wahrschein-lich dienten die unteren Räume im Siidkreuzfliigel als Sakristeien, jZwrni Pfeilerreihen theilen das Langhaus in drei Schifte, de-ren mittleres doppelt so breit als die Seitenschiffe, beträchtlich ;höher hinaufsteigt als die letzteren, so dafs ein grofser Theil |des Dachraums noch für das Mittelschiff benutzt wärd Q. InFolge dieser Anordnung liegt das Hauptgesims des Langhausessehr viel tiefer als das des Chors und Querschiffes, wde der Quer-schnitt Bl. XXXIV, so w T ie die Nordfayade Bl. XXXIII, Fig. 1 nä-her zeigen. Das Mittelschiff ist genau so überwölbt wäe Chorund Querschiff, aber die Seitenschiffe zeigen die Eigentliümlich-keit, dafs ihre Kreuzgewölbe durch die Anordnung zweier Fen-ster in jedem Joche der Umfassungsmauer fünfkappig gestaltet Isind * 2 ). Die überall gleichmäfsig profilirten Rippen, deren Pro-

§ fil der Holzschnitt darstellt, werden an den Umfassungs- !mauern, wie an den runden Freipfeilern von dreifach ge- j!bündelten Birnenstabdiensten gestützt, die an den Pfei- jjlern vom Fufsboden an emporsteigen, an den Seitenmauern aber jierst über einem durchlaufenden Gürtungsfriese von Masken undBlumen (Bl. XXXIII, Fig. 4) in der Höhe der Oberfenster auf jKonsolen beginnen. Vergl. das System des Langhauses Bl. XXXV,Fig. 5 mit dem Querschnitte Bl. XXXIV. Von der einfach kräf- itigen Bildung der Freipfeiler mit ihren Plinthen, ringförmigen !Kämpfern und angelehnten vier Dienstbündeln geben die Details jBl. XXXII, Fig. 1 und Bl. XXXIII, Fig. 6 eine nähere Vorstei- jlung 3 ). Die breiten Längsgurte, deren Profil und Struktur Bl. jXXXII, Fig. 3 darstellt, zeigen die bemerkenswerthe Anordnung,dafs, um eine organische Ausgleichung der in verschiedener Höhebelegenen Schildbogenscheitel der Gewmlbe der Seitenschiffe und ;;des Mittelschiffes herbeizuführen, die Profilsteine der Schildbo- mgen im Mittel- und Seitenschiff in verschiedenen Bogenlinien em-porgeführt sind und die Kappen des Mittelschiffs sogar nochoberhalb der Schildbogenlinie ansetzen. Von der gesetzmäfsigenKlarheit dieser Struktur, sowäe von der Schönheit der Verhält- iinisse in den Bogenlinien giebt das System des Langhauses Bl.XXXV, Fig. 5 eine Darstellung.

Die unteren Mauern der Seitenschiffe sind mittelst rundbo- ijgiger Oeffnungen durchbrochen und kleine, mit oblongen Kreuz-gewölben überdeckte Seitenkapellen zwischen den Strebepfeilern !so hinausgebaut, dafs die Umfassungsmauern der Kapellen wie IIein Unterbau durchlaufen, über dessen Hauptgesimse die Stre-bepfeiler erst weiter emporsteigen. Vergl. die obere Hälfte des 1

') Es ist dies offenbar neben ästhetischen Rücksichten auch deshalb geschehen, umdie Neigungswinkel der Dachflächen des Querschiffs denen des sehr viel breiteren Lang-hauses mehr zu nähern.

2 ) Diese Anordnung, welche auch in Baeksteinkirchen Pommerns und Schlesiens, beson- "

ders zu Breslau vorkommt, stammt offenbar aus dem Dome zu Magdeburg, dessen Langhausdiese Construktion an den niedrigen Seitenschiffen schon im Anfänge des XIV. Jalirh. auf- jjgestellt hatte. 'i

3 ) Die Aufnahmen dieser Details von Borstell in der Zeitschr. f. Bauwesen IX, jj

Bl. 25. Fig. 5 u. 6 entsprechen nicht der Wirklichkeit. !l

Grundrisses Bl. XXXII, Fig. 6 mit der linken Hälfte des Quer-schnitts Bl. XXXIV und der rechten Seite der Nordfayade BLXXXIII, Fig. 1. Die Struktur und Kunstformen dieser Seiten-kapellen stimmen mit denen des Chors und Langhauses über-ein, ebenso wie die ihrer Fenster mit den darüber befindlichengleichfalls dreitheiligen Oberfenstern identisch durchgebildet sind.Von der mit der äufseren völlig übereinstimmenden inneren Glie-derung der Oberfenster giebt das Detail Bl. XXXII, Fig. 2 eineDarstellung. Zwei Portale führen von der Nordseite her in dasSchiff. Das eine derselben, in reichen gotliischen Kunstformenmit Fialen, Krabben, Kreuzblumen in Sandstein hergestellt, be-findet sich im Nordkreuzflügel und wird durch die, daneben aufKonsolen aufgestellten Figuren der Schutzpatrone des Domes,St. Nikolaus und St. Bartholomäus als eigentliches Hauptportalbezeichnet. Das zweite Portal befindet sich an dem zweit-west-liehen Joche der Nordmauern und ist nach aufsen hin durcheine überwölbte mit abgestuftem Giebel darüber geschmückteVorhalle, deren Eingangsprofil Bl. XXXII, Fig. 5 mittheilt, abge-schlossen.

Der in Backsteinen hergestellte Lettner, welcher Chor undQuerschiff scheidet, ist, wie man leicht ersehen kann, etwas spä-ter als der Chor und gleich nach der Vollendung des Langhau-ses aufgeführt. Zwei spitzbogige Thiiren führen in den Stifts-chor (vergl. den Querschnitt Bl. XXXIV), während vor der mitt-leren rundbomgen Arkade der Laienaltar unter einem Baldachineaufgestellt ist und zwei spitzbogige Wandblenden die Mauer anden Seiten schmücken. Der im Chor vorhandene Thonplatten-fries mit skulptirten Blattstäben bekrönt den Lettner, der mit-telst einer schmalen Treppe zugänglich ist, um oberhalb desLaienaltars zum Vorlesen des Evangeliums und zur Ausstellungvon Reliquien einen Raum zu gewännen.

Die Fayaden des Langhauses sind wieder so einfach undstreng gegliedert, wie die am Chore, doch zeigen sie ein rei-cheres Konstruktionsprincip, welches mit der getroffenen An-ordnung, zwei Seitenkapellen in jedem Joche der Seitenschiffeherzustellen und über jedem Kapellenfenster ein schlankes Ober-fenster aufzuführen, direkt zusammenhängt. Indem nämlich statteines breiten Fensters zwei schlanke und schmale Fenstergewählt sind, mufste für jedes Joch ein Mittelstrebepfeiler einge-schaltet werden, der mit richtigem künstlerischem Takte schwä-cher gebildet ist, wie die mit den Pfeileraxen korrespondirendenHauptstrebepfeiler Q. Indem ferner die Mauern der Seitenka-pellen als ein gemeinsamer Unterbau behandelt sind, über wel-chem die Strebepfeiler empoiwvachsen, entsteht eine höchst ener-gische aber klare Vertikalgliederung, welche die wirkungsvolleErscheinung des Langhauses begründet.

Den gröfsten Reichthum in der Verwendung von Detail-kunstformen und man kann sagen den einzigen am Domehat der Nordkreuzflügel empfangen. Winkelrecht gestellte Stre-bepfeiler begleiten die schlank emporsteigende, durch das Haupt-portal und ein grofses fünftheiliges Fenster durchbrochene Bau-masse, welche oberhalb und zur Seite des Fensters mit Spitz-bogen- und Kreisblenden, sowäe einem nur im Putz herge-stellten zinnenartigen Friese geschmückt ist. Das grofse Gie-beldreieck, welches von elegant profilirten Giebelpfeilern mitstufenartig emporsteigenden Zwischenwänden bekrönt wird, istmit einer reich getheilten Rose und maafsw T erksartig behandel-ten Zwickelstücken schmuckreich und wirkungsvoll gegliedert.Glückliche Verhältnisse im Ganzen, treffliche Profilirung im Ein-zelnen und sinnreiche Verwendung von geputzten Grundflächenvereinigen sich, um diesen Bautheil als eine der edelsten undmusterhaftesten Schöpfungen des Backsteinbaues erscheinen zulassen. Vergl die auf Bl. XXXIII, Fig. 1 gegebene, in der oberstenSpitze restaurirt gedachte Nordfayade und das Detail des Gie-bels daselbst Fig. 2 u. 5.

') Auch diese Strukturbildung ist am Dome zu Magdeburg vorgebildct und beweist,wie sehr der Meister von Stendal gerade jenes Monument studirt haben mufs.