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1 (1862) Die Mark Brandenburg : Stadt Brandenburg, die Altmark
Entstehung
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Die Stiftsgebäude, deren Baureste aus der Mitte des XIII. Jahrh.bereits oben geschildert sind, haben ebenfalls unmittelbar nachVollendung des Langhauses einen umfassenden Neubau erfahren.Dicht an dem Südkreuzflügel wurde zunächst das zweischiffigegewölbte Refektorium, dessen Stützenstellung (Rundpfeiler mitPlinthe und Ringkämpfer) in dem Querschnitte Bl. XXXIV er-scheint und auf Bl. XXXV, Fig. 5 im Detail gegeben ist, erbautund die drei Kreuzgangsflügel mit hochbusigen Kreuzgewölbenauf Rippen mit Blatt- und Masken-Konsolen überwölbt. Daranschlossen sich gemeinsame Versammlungs- und Wohnräume fürVicarien etc., welche theils im Obergeschosse, theils im Erd-geschosse der drei Kreuzgangsflügel eingerichtet sind. Obwohlin diesem Gebäudecomplexe die künstlerische Behandlung desDoms noch mit grofser Einfachheit und Reinheit festgehaltenerscheint, so mischen sich doch schon nüchterne und minder an-ziehende Struktur- wie Kunstformen hier ein. Beweise hierfürgeben der Fischblasenfries und die Rautenverzierung *) Bl. XXXV,Fis;. 2 und 8. Nichtsdestoweniger bewahren auch diese Bau-theile sehr anziehende Muster des Backsteinbaues. Dahin ge-hört die einfach treffliche Gliederung der gepaarten Oberfensterdes Ostflügels Bl. XXXV, Fig. 7, welche in späteren Backstein-bauten unzählige Male wiederholt worden ist und für moderneZwecke berücksichtigt zu werden verdient * 2 ). Noch ausgezeich-neter erscheint der Südflügel des Kreuzganges mit dem daranbefindlichen Westgiebel, dessen einfache aber geschickte Behand-lung Bl. XXXV, Fig. 1 u. 3 nebst dem dazu gehörigen Detail Fig. 6veranschaulicht 3 ).

Fafst man alle hier nur in kurzen Umrissen geschilder-ten Eigenthümlichkeiten summarisch ins Auge, so ergiebt sichals Resultat, dafs der Dom zu Stendal wegen der Klarheit sei-ner Plananlage, wegen der Schönheit seiner Verhältnisse im Gan-zen wie im Einzelnen und wegen der strengen Detailbehandlung,namentlich in einer Zeit der reichsten und üppigsten Formen-bildung, (man erinnere sich an St. Katharina zu Brandenburg)ganz ohne Gleichen dasteht und daher mit Recht als die reifsteSchöpfung der kirchlichen Architektur des Spätmittelalters in Nord-deutschland betrachtet werden mufs. Aus diesem Grunde undweil ein grofser Theil der altmärkischen Bauwerke auf ihn zu-rückzuführen ist, hat der Dom von Stendal eine möglichst ein-gehende Würdigung und Darstellung erfahren.

Technisches.

Das ganze Domgebäude ist innen wie aufsen in sauber ge-fugter Verblendungsarbeit aus gut gebrannten Backsteinen her-gestellt. Nur an einzelnen besonders reich verzierten Theilender Fa^ade, wie z. B. an dem prachtvollen Giebel des Nord-kreuzflügels, ferner an dem kleinen Westgiebel der Stiftsgebäude,sowie an horizontalen zurückgelegten Wandstreifen sind einzelneFlächen mit Filzputz überzogen. Ebenso sind alle Gewölbe-kappen und die Schildwände oberhalb der Längsgurte des Mit-telschiffs geputzt. Von der eigenthümlichen Art, den Wandputzin der Mitte des XIII. Jahrh. ästhetisch zu behandeln, hatte sichan einem alten Gebäudereste des Domstifts bis vor Kurzem einFragment erhalten, welches wegen seiner Seltenheit und techni-schen Wichtigkeit auf Bl. XLI, Fig. 4 dargestellt ist. Der Grundeiner 10 Zoll tiefen gedi'ückten Spitzbogenblende war zuerst mitrauhem Wand-, dann mit sehr feinem Filz-Putz überzogen wor-den. Auf dem Letzteren hatte man noch vor dem Trocknendie Rosette, die Bogen und die Schachbrettfelder eingetheilt unddann durch das Abnehmen des feinen Filzputzes den rauhen un-

') Ganz ähnliche Detailformen besitzt die später mitzutlieilende Sclilofskapelle vonZiesar (1470) und die von v. Quast publicirte Schlofskapelle von Wollmirstädt (1480).Vergl. v. Quast u. Otte Zeitschr. I, Bl. 17.

a ) Der unter den gepaarten Fenstern befindliche zierliche Blattstabfries aus gebrann-ten Thonplatten ist auch an der Liebfrauen-Kapelle der Pfarrkirche St. Maria verwendetworden.

3 ) Die Bors teilsehe Aufnahme dieses Bautheils in der Zeitschr. f. Bauwesen IX,Bl. 27, nebst den dazugehörigen Details Bl. 28, Fig. 1 entbehrt jeder Genauigkeit; dasselbegilt von der gleichen Darstellung in Essenwein Bl. 27, Fig. 1.

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teren Wandputz zum Vorschein gebracht. Durch dieses Ver-fahren war ohne Färbung eine Wirkung erzielt worden, welchean musivische Täfelungen von grauem und weifsem Marmorerinnerte.

Die glücklicherweise nie durch Putz entstellte braunrotheFärbung der Backsteine macht im Innern einen ernsten feier-liehen Eindruck und beweist, dafs die Anwendung von Verblen-dungssteinen auch für die Behandlung des Innern bei grofsar-tigen Monumentalbauten nicht nur zulässig, sondern empfehlens-werth ist. Neben der überwiegenden Verwendung von Back-steinen sind doch auch andere Materialien benutzt worden; be-sonders hat der unzerstörbare Granit eine ausgedehnte Verwen-dung gefunden. Derselbe ist als Unterbau des Chors und Quer-schiffs bis auf eine Höhe von 6 8 Fufs, und unter der ganzenNordmauer bis zur Plinthe verwendet worden. Der Sandstein er-scheint sparsamer, doch sind das Hauptporta], das ganze Plinthen-gesims, sowie alle Gewölbe-Schlufssteine, Kapitelle und Konso-len der Dienste, desgleichen die Säulen des Kreuzgangs und diePfeiler der mittleren Bogenhalle an den Thürmen aus diesemMateriale hergestellt. Interessant ist die vielfache Anwendunggeprefster und gebrannter Thonplatten, die in der Regel 10 Zollim Quadrat grofs und 1^2 Zoll dick sind und theils mit Mas-ken, Blumen, Blätterstäben in kräftig behandeltem Relief deko-rirt sind. Meistens sind diese Friesplatten nicht glasirt, dochkommen auch einzelne Längen vor, welche durchgängig mit Gla-sur bedeckt sind oder an denen ein Stein um den andern gla-sirt erscheint. Die auffallende Sparsamkeit in der Verwendungvon Formsteinen ist schon hervorgehoben, doch ist auf diegrofse Oekonomie, womit ein und derselbe Formstein an denverschiedenen Bautheilen verwendet ist, wohl zu achten. Be-sonders ausgedehnt ist die Verwendung der aus Kehle und Rund-stab bestehenden Plinthensteine, die nicht nur in umgekehrterLage als Kämpfersteine an Pfeilern, Säulen etc., sondern auchzur Bildung des Hauptgesimses benutzt werden. Nicht minderlehrreich ist die Anordnung der Anfängerformsteine an den Fen-stereinfassungen, wo, um das Entstehen von Lücken an den Ab-deckungen zu vermeiden, die erste oder zwei ersten Schichtender Fenstereinfassungen oberhalb der Schmiegen aus gewöhnli-chen Mauersteinen angesetzt werden und dann die profilirtenFormsteine folgen. Von Interesse ist ferner die bis zum Raffi-nement getriebene Raumbenutzung der Seitenkapellen zwischenden Strebepfeilern, welche besonders hervortritt, wenn man dieobere Hälfte des Grundrisses Bl. XXXII, Fig. 6 mit der unterenvergleicht. Auch die fast unzerstörbare Abdeckung der Seiten-kapellen mit hochkantigen Backsteinschichten ist um so bemer-kenswerther, als dieselbe in sehr vielen Bauwerken der Altmarkwiederholt worden ist und bei gutem Materiale sich ausgezeich-net bewährt hat.

Die Steinformate besitzen an den einzelnen Bautheilen eineverschiedene Gröfse; am Thurme haben sie Uf}11 Zoll Länge,4g5 Zoll Breite und 3g Zoll Stärke, am Schiffe 10f10J ZollLänge, 5 b\ Zoll Breite und 3g 3> Zoll Stärke, am Nordkreuz10i lOf Zoll Länge, 5| Zoll Breite und 3g3f Zoll Stärke.Der Steinverband wechselt zwischen wendischem und gothischemVerbände.

Eine eigenthümliche Erscheinung sind die auf den Form-steinen vor dem Brande aufgedrückten Ziegelstempel, von denenam Dome eine grofse Anzahl erscheinen, aber auffallender Weisenur an den späteren Theilen des spätgothischen Neubaues. We-der der Chor noch das Querschiff besitzen derartige Markzei-chen, wohl aber das Langhaus, der Lettner, die Stiftsgebäudeund die oberen Thurmgeschosse. Auch diese Thatsache liefert ein

wichtiges Kriterium, um den oben angegebenen Gang der Bauthä-tigkeit zu erweisen. Von den am Dom befindlichen Ziegelstem-peln giebt der Holzschnitteine kleine Auswahl, wobeia b c d e bemerkt wird, dafs a an

den nördlichen Seitenkapellen und Schiffspfeilern, b am Lettner,

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