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1 (1862) Die Mark Brandenburg : Stadt Brandenburg, die Altmark
Entstehung
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Baubeschreibung 1 ).

Der Grundrifs. Bl. XXXII, Fig. 6 zeigt ein dreischiffiges Lang-haus mit Seitenkapellen zwischen den Strebepfeilern und zweiquadraten Thürmen nebst oblongem Glockenhause im Westen.Ein weit ausladendes Querschiff mit östlich angeschlossenen Ne-benkapellen stellt die Kreuzform in sehr ausdrucksvoller Weiseher und der polygon geschlossene Chor beschliefst nach Ostendie geräumige Bauanlage. Die Vierung und der Stiftschor wer-den von einem mit zwei Thören durchbrochenen Lettner voneinander getrennt, während ein stattlicher Kreuzgang an der Süd-seite den Domkirchhof mit drei Flügeln umschliefst und die Stifts-gebäude mit der Kirche in würdigster Weise verbindet. Nochist trotz aller Zerstörungen das edle Bauwerk in allen wesent-liehen Theilen erhalten. Zwar fehlen seit langer Zeit die Neben-kapellen am nördlichen Kreuzschiffe und die reichgestaltete Lieb-frauen-Kapelle an der Westfront, ungern vermifst der Kunst-kenner den einst vorhandenen zierlichen Darchreiter, der dieKreuzanlage so ausdrucksvoll betonte, ja noch fühlbarer istfür jedes Auge der unersetzliche Verlust der beiden hochaufra-genden Thurmspitzen, von deren bedeutenden Wirkung die Klo-sterkirche zu Jerichow und die nahe belegene Pfarrkirche St.Maria so ausgezeichnete Beispiele liefern, aber was auch dieUngunst der Zeiten raubte, oder die Nichtachtung der Menschenzu Grunde gehen liefs, noch immer ist die Gesammterscheinungder Bauanlage innen wie aufsen von grofsartiger Wirkung undeine Fülle von Schönheit verbindet sich mit strengster Zweck-

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erfüllung, um diesem Monumentalbau den ersten Platz unter denBauwerken der Altmark anzuweisen.

Ohne Schwierigkeit ergiebt sich aus der analytischen Un-tersuchung des Bauwerkes die Thatsache, dafs dasselbe keinBruchstück des Stiftungsbaues mehr bewahrt. Man kann aberaus deutlichen Wandspuren an der Ostseite der Tliürme mitSicherheit behaupten, dafs der von 1188 92 ausgeführte Baueine gewölbte Basilika und im Wesentlichen eine vergröfserteKopie der Klosterkirchen zu Diesdorf und Arendsee gewesen ist.

Von der zweiten Bauepoche aus dem XIII. Jahrh. hat sich diestattliche Thurmpaar-Anlage im Westen erhalten, welche in allenwesentlichen Theilen der Front von Jerichow verwandt ist. Strengund einfach gestaltet, unten mit Ecklissenen, durchschlungenen Bo-gen- und gekreuzten Stab-Friesen ausgestattet 2 ), steigen die Thürmeohne Absatz in die Höhe und sind dicht unter dem ehemaligenHauptgesimse mit Schalllöchern versehen, deren grofse Spitzbo-genöffnungen mit zierlichen Säulchen und darauf ruhenden, spitz-bogig ausgeschnittenen Steinplatten in gefälligen Formen desUebergangsstyls gegliedert sind. Noch wirkungsvoller ist derZwischenbau in etwa halber Thurmhöhe durchgebildet. Eineoffene Bogenhalle von fünf spitzbogigen Pfeiler-Arkaden unddas darauf ruhende reiche Hauptgesims bilden den Abschlufsdes sonst schmucklosen Zwischenbaues und einen wohlthuendenGegensatz zu den massig geschlossenen, höher emporsteigendenThürmen 3 ). Die Fa^adenkonception schliefst sich eng an dieder Westfronten Niedersachsens im XIII. Jahrh. an, wovon zahl-reiche Vorbilder in Magdeburg und Halberstadt erhalten sind,doch ist keine Fa^ade in der Gesammtbehandlung so eng ver-wandt mit Stendal als die der Stiftskirche von Fritzlar in Hessen.

Wie die Domkirche in ihrer Westfront einen werthvollen

*) An Abbildungen des Domes zu Stendal ist kein Mangel; doch können nur dieschönen Perspektiven in Strack und Meyerheim a. a. O. Bl. 7, 8 u. 15 als Darstellun-gen bezeichnet werden, welche das Bauwerk treu, gewissenhaft und künstlerisch aufgefafstwiedergeben. Die von Borstell in der Zeitschr. f. Bauwesen IX. Bl. 25 mitgetheilte Per-spektive entbehrt jener Vorzüge vollständig und dasselbe gilt von dem in Büsching a. a. 0.S. 104 gegebenen Aufrisse der Nordfa9ade, sowie von den in Essenweins Backsteinbaumitgctheilten Details.

2 ) Abbildungen ders. in Zeitschr. f. Bauwesen IX, Bl. 25,.Fig. 1. 2. 3.

3 ) Die hier kurz geschilderte Gestaltung der Westfront ist erst in jüngster Zeit durchdie Bemühungen des Königl. Konservators der Kunstdenkmäler Herrn von Quast in ihrerursprünglichen einfachen Schönheit wieder hervorgetreten. Vergl. die Darstellung der West-front vor und nach der Restauration in v. Quast und Otte, Zeitschr. I, 186. die aberals kleine Holzschnittskizze keine Vorstellung von der bedeutenden Wirkung dieser Fafadegiebt. Wegen der grofsen Aehnlichkeit mit Jerichow ist von einer Abbildung der West-front des Domes zu Stendal hier Abstand genommen worden, um Wiederholungen zu ver-meiden.

Rest des Uebergangsstyles bewahrt, so besitzt auch der an-schliefsende Kreuzgang nicht minder erhebliche Bruchstücke ei-ner gleichzeitigen Bauanlage '). Es sind dies die unteren Innen-mauern, welche mittelst breiter, zweifach abgestufter Spitzbo-gen nach dem Kirchhofe geöffnet und in jeder obern Oeflnungmit spitzbogig ausgeschnittenen Steinplatten ausgesetzt sind. Zier-liche Sandsteinsäulen mit romanischen Blattkapitellen und atti-schen Basen mit Eckblättern stützen dieseSteinplatten, welche die grofsen tragen-den Umrahmungsbogen verschliefsen. Dieganze Anordnung, welche auf Bl. XXXV,Fig. 2 dargestellt ist und durch den ne-benstehenden Holzschnitt im Detail mit-getheilt wird, ist mit der Gestaltung derSchallöffnungen in den Thürmen fastidentisch und hängt mit der Gliederungdes östlichen Kreuzgangsflügels am Domezu Magdeburg zusammen 2 ).

Alle übrigen Bautheile des Domesund der Stiftsgebäude sind das Resultatdes umfangreichen und kostbaren Neu-

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baues aus dem XV. Jahrh. Der Dom selbst erscheint trotz be-merkenswerther Abweichungen im Einzelnen als ein Werk, wel-ches zwar langsam aber stets nach einem Bauplane gebaut ist.Man erkennt dies an der mustergültigen Klarheit des Grundpla-nes, an der Harmonie der Gesammtverhältnisse und an der einheit-lichen Behandlung aller Details. Der für den Gottesdienst der Dom-herren ausschliefslich bestimmte Stiftschor ist höchst einfach ge-staltet 3 ). Einschiffig und drei Joche lang schliefst er in sieben Seitendes Zwölfecks. Die Kreuzgewölbe, welche ilm bedecken, sind hocli-busig gewölbt, sehr dünn konstruirt und ruhen auf birnenförmigprofilirten Rippen, welche von dreifach gebündelten, ebenfalls bir-nenförmig geformten Wanddiensten gestützt werden. Die Dienstesteigen von dem Fufsboden empor, sind aber da, wo die hochge-stellten Fenster auf steilen Schmiegen beginnen, durchschnitten, umdie in Sandstein gemeifselten kleinen Figuren der 12 Apostel zutragen. Oberhalb der Figuren beginnen mittelst abgekehlter Kon-solen die Dienste aufs Neue und steigen bis zum Gewölbeanfano-eempor, wo sie mit Laubwerkskapitellen geschmückt sind. Dieschlanken Spitzbogenfenster sind mit einfachem, theils drei-, theilsviertheiligem Stabwerke ausgesetzt und an den Seiten einfach,wiewohl theilweis schon in nüchterner Weise profilirt. Die Un-termauern des Chors werden durch spitzbogige Blendarkadenbelebt und unterhalb der Fensterschmiegen durch einen umlau-fenden Blätterstabfries von gebrannten Thonplatten bekrönt. Vergl.Bl. XXXIII, Fig. 3.

Das Aeufsere des Chors ist nicht minder einfach behandeltals das Innere, wovon die linke Seite der auf Bl. XXXIII, Fig. 1mitgetheilten Nordfa^ade eine Darstellung giebt. Kräftige Strebe-pfeiler, durch eine Sandsteinplinthe und ein Backsteingurtgesimsmit den Umfassungsmauern verbunden steigen fast fünfzig Fufslothrecht in die Höhe, setzen dann einmal ab und sind unter-halb des Hauptgesimses mittelst Stulpziegel abgedeckt. Die Fen-ster sind wie im Innern einfach profilirt, aber mittelst sehr tie-fer Laibungen kräftig gegliedert. Die einfach energische Ge-staltung der Widerlagspfeiler und der Lichtöffnungen, welchebei übertriebener Schmucklosigkeit doch mit edlen und reinenVerhältnissen gepaart ist, verleiht dem Aeufseren des Chors erstbei näherer Betrachtung ein bedeutendes künstlerisches Interesse.Das Querschiff schliefst sich mehr dem System des Langhausesals dem des Chors an, weil die Rundpfeiler des ersteren zur For-mation der östlichen Vierungspfeiler an den Chorecken bereitsbenutzt sind. Durch diese für den Dom zu Stendal und denvon ihm abhängigen Bauwerken als besondere Eigenthümlichkeit

) Vergl. d. Perspektive bei Strack und Meyerheim a. a. 0. Bl. 24.

2 ) Vergl. das System desselben in v. Quast und Otte, Zeitschr. I, Bl. 13, Fig. 18.

3 ) Vergl. ru dem Querschnitt Bl. XXXIV die vortreffliche Perspektive von Stracka. a. 0. Bl. 15.

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