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Baubeschreibung.
Die auf Blatt XXXI, Fig. 2—7 dargestellte Kirche entsprichtin der Gröfse, Einrichtung und Ausstattung den OistercienserNonnenkirchen, welche in und nach der Mitte des XIII. Jahrh.in grofser Anzahl und nach sehr übereinstimmendem Plane inDeutschland erbaut worden sind. Der Grundrifs, Fig. 7, zeigteine einschiffige, ungewölbte, im Osten platt geschlossene Bau-anlase. In der westlichen Hälfte des Schiffs befindet sich die
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zum Aufenthalte der Klosterfrauen während des Gottesdienstesbestimmte Empore, deren hohe Lage über dem Fufsboden zurAnordnung zweier Fensterreihen in diesem Theile der KircheVeranlassung gegeben hat. Vergl. Fig. 5 u. 6. Diese Emporeruht auf fünf Paar oblongen Kreuzgewölben, die von einer Mit-telreihe runder Pfeiler getragen werden und nach Osten hin mit-telst zweier Rundbogen mit dem Chore verbunden sind. Diemittelmäfsige Technik dieser Gewölbe, welche von sehr nüch-tern profilirten Rippen getragen werden, läfst auf eine spätmit-telalterliche Bauzeit schliefsen. Da aber an den Wänden dieReste älterer spitzbogiger Schildbogen, welche in der einfachstrengen Profilirung mit den übrigen Formen der Kirche über-einstimmen, vorhanden sind, so ist es sicher, dafs die Nonnen -Empore in der zweiten Hälfte des XV. Jahrh. erneuert wordenist. Derselben Zeit dürften die beiden Südthüren, die Doppel-pforte der Westfront, sowie die wenigen regellos vertheiltenStrebepfeiler, welche nirgends Verband mit den Umfassungs-mauern halten und sich damit als späterer Zusatz erweisen, ent-stammen. Das Datum 1482 darf mit Sicherheit auf diese durchdie Aebtissin Anna von der Schulenburg bewirkte Bauthätigkeitbezogen werden.
Alle übrigen Bautheile der Kirche gehören in die Zeit derersten Blüthe des Klosters und sind in der Mitte des XIII. Jahrh.,wie der Bestätigungsbrief des Papstes Innocenz IV. andeutet, voll-endet gewesen. Diese Annahme bestätigen die wenigen, aberhöchst streng gebildeten altgothischen Kunstformen am Ostgie-bel und an allen Fenstern. Besonders eigenthiimlich sind dieUnterfenster der Westhälfte, welche den Raum unter der Non-nen-Empore erleuchten, gegliedert. Obschon die Profilirung nurmittelst ganzer und halber Steinstärken abgestuft ist, so hat siedoch dadurch eine besondere Ausbildung erhalten, dafs die Bo-genschenkel des äufseren Spitzbogens im Schlüsse nicht zusam-mentreten, sondern von einem einschneidenden Dreiviertelkreisegetrennt werden. Die Aehnlichkeit dieser seltenen Fig. 3 dar-gestellten Fensterform mit der Bildung des Frieses zu DambeckFig. 1 ist überraschend und scheint auf einen besonderen Zu-sammenhang dieser nah belegenen Bauwerke zu deuten. Diewestlichen Oberfenster sind etwas reicher, aber noch sehr strengprofilirt, wie das Detail Fig. 2 und die Ansicht in Fig. 3 dieszeigen '). Mit der durch einfache Abstufung hergestellten Glie-derung der unteren Fenster stimmen sämmtliche Chorfensterüberein. Unter denselben sind die in der Nord- und Südmauerbelegenen vier hohen und schlanken Fenster (Fig. 3) durch Schön-heit der Verhältnisse und kraftvolle einfache Maafswerksbildungso ausgezeichnet, dafs sie als mustergültige Vorbilder füreinfache gothische Bauwerke empfohlen werden können.
Nicht minder hervorzuheben ist die bei grofser Einfachheitmit feinem Verständnifs für künstlerische Wirkung bewirkte Glie-derung der Ostfront. Drei schlanke Fenster, von denen das mit-telste, bei gröfserer Breite mit dreitheiligem Stabwerk, höher hin-aufsteigt als die zur Seite belegenen, durchbrechen die Ostmauer.Ihre hohe Stellung über dem Fufsboden und das Hineinragenin den Giebel läfst den sichern Schlufs machen, dafs ursprüng-lich nicht eine horizontale, sondern eine geneigte Balkendecke
1 ) Diese von allen übrigen Fenstern abweichende reichere Profilirung, sowie die nichtmit den Unterfenstern korrespondirende Stellung der Oberfenster lassen die Vermuthungzu, dafs der obere Theil der Wcsthiilfte in späterer Zeit erneuert worden ist, vielleichtnach 1284, wo der Konvent an eine Verlegung der Klosterkirche dachte; aber da Abbruchs-resp. Ansatzspuren nicht sichtbar sind, so ist eine sichere Entscheidung schwierig. Jeden-falls gehört auch dieser Theil der Kirche noch in das XIII. Jahrh.
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vorhanden war, wie eine solche durch die in jüngster Zeit be-wirkte Restauration hergestellt worden ist. Da nun durch dasHineinragen der Fenster bis in den Giebel eine selbstständigeAusbildung desselben wesentlich erschwert war, so ist sinnigerWeise die Giebelmauer mit der Fensterwand dadurch zu einerkünstlerischen Einheit verschmolzen worden, dafs der äufsererechtwinklige Absatz der Fensterprofile mittelst schmaler Stegevon halber Steinbreite mit dem spitzbogigen Giebelfriese ver-bunden und der innere zu einer besonderen Spitzbogenblendeüber jedem Fenster gestaltet wurde *). Geputzte Mauerflächenzwischen dem Giebelfriese und den Fensterblenden, sowie kleinequadratische Pfeiler auf der Giebelschräge (ähnlich denen zuKrewese) vollenden die mit den geringsten Mitteln aber völligbefriedigend bewirkte Ausbildung dieser Ostfront * 2 ).
Die westliche Seite der Kirche hing des bequemeren Zugan-ges zur Empore halber direkt mit dem Kloster zusammen. Vonden Klostergebäuden, deren Bauformen sich eng an die entspre-chenden der Kirche anschlossen, war der Südflügel des Kreuz-ganges besonders interessant, weil er das Auftreten schwach vor-springender, fast lissenenartig gestalteter Strebepfeiler zeigte. Diedarin vorhandenen, trefflich gemauerten Kreuzgewölbe,deren kräftig schönes Rippenprofil der Holzschnitt dar-stellt, ruhten auf einfach abgeschrägten, braun glasirtenKonsolen und stiefsen im Scheitel gegen figürliche Schlufssteine.
Der an der Westseite aufgeführte quadrate Thurm ist jün-geren Ursprungs und daher in den Zeichnungen nicht berück-sichtigt.
j Technisches.
! Der in gutem Backsteinmaterial von etwas grobem Korn und
jj hellrother Farbe hergestellte Bau ruht auf grofsquadrigem aber■! nicht sorgfältig aufgeführtem Granitmauerwerk. Die Technik' in slavischem Verbände ist gut. Hervorzuheben ist die aufser-i; ordentliche Sparsamkeit in der Verwendung von Formsteinen.
Beispielsweise besitzt die ganze Ostfront mit Ausnahme der Pfo-ij stensteine zu dem Maafs- und Stabwerk keine Formsteine, dennjj selbst die Plinthe ist aus drei Schichten gewöhnlicher Mauer-steine, von denen die oberste und unterste schräg angehauen sind,| hergestellt. Auch in dieser Beziehung verdient das kleine aberlehrreiche Bauwerk eine speziellere Empfehlung. Das Steinfor-!; mat beträgt 10.’ Zoll, 5* Zoll und 3^—3‘ Zoll.
Kunstwerke.
Den werthvollsten Schatz bewahrt die Kirche in einer nichtgeringen Anzahl von Glasgemälden, die aus verschiedenen Zeit-epochen stammen. Die gröfsten derselben mit stehenden Figu-ren unter Baldachinen geschmückt, daran die Namen der StifterGelke van Dassel, Luke van Dassel und Curd van Dassel erhal-ten sind, entstammen, wie die schüchtern auftretenden Formender Renaissance lehren, dem Schlüsse des Mittelalters, vermuth-lich dem Anfänge des XVI. Jahrh. Andere Fenster mit klei-nen figürlichen Kompositionen geschmückt und sehr alterthüm-lich behandelt, dürften dem Schlüsse des XIII. Jahrh. angehören.
Resultat.
Wegen der einfachen Gesammtkomposition und nicht min-der strengen Detailgliederung, besonders aber mit Rücksicht aufmannigfache Reminiscenzen des Uebergangsstyles kann der Bauder Kirche als im J. 1246 vollendet betrachtet werden und istdaher eins der ältesten und wichtigsten Beispiele des altgothi-schen Baustyls in den Marken.
') Diese eigenthiimliche Fenstergliederung ist für die ältesten gothisclien Bauwerkeder Marken sehr charakteristisch. Die Kloster-Kirchen Güldenstem bei Mühlberg (vergl.Puttricli II, 2. Serie. Wittenberg. Bl. 15) und Maricnthiir in der Uckermark, beide in derMitte des XIII Jahrh. vollendet, sind derartige Beispiele. Auch St. Lorenz zu Salzwedel(vergl. Bl. XXX, Fig. 3) zeigt ähnliche, wenn auch noch alterthümlichere Fensterbildungen.
2 ) Eine ähnliche Ostfront besafs die Klosterkirche zn Roda in Sachsen und wohl er-halten findet sich eine verwandte Anordnung an der Westfront der Dominikaner Kloster-Kirche St. Nikolaus zu Wisbv; erstcre um ca. 1230, letztere um 1250 erbaut.