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1 (1862) Die Mark Brandenburg : Stadt Brandenburg, die Altmark
Entstehung
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Profile, nämlich abgestufte Gewände mit eingelassenen sehr dickenRundstäben, sind aber bereits spitzbogig geschlossen und ihreäufseren Bogenschichten mit glasirten Steinen abwechselnd ver-ziert. Die völlige Uebereinstimmung mit den Thurmfenstern zuDiesdorf, im Holzschnitt mitgetheilt S. 51, läfst eine Wiederho-lung überflüssig erscheinen Die westlich belegenen Fenstersind niedrig und beginnen hoch über dem Erdboden, währenddie fünf östlich belegenen Fenster bei gleicher Bildung sehr vieltiefer herabsteigen. Der Grund für diese Abweichung liegt darin,dafs der westliche Theil der Kirche durch eine ausgedehnte Non-nen-Empore in zwei Geschosse getheilt war. Diese Empore istnicht mehr vorhanden und scheint nur in Holz hergestellt ge-wesen zu sein, da Abbruchsspuren von Pfeilern und Gewölbennicht sichtbar sind.

Die Westfa^ade ist in ihrem unteren Theile glatt aufge-mauert, der darüber befindliche breite Giebel hat einen eigen-

thümlichen Schmuckdurch reihenartigdicht neben einandergestellte Blenden em-pfangen , von deren

Technisches.

einfachen Gestaltung

der Holzschnitt eineDarstellung giebt.Der theils auf derWestmauer, theils aufden Freipfeilern ru-hende Thurm, dessenObertheil inFach werkerneuert ist, zeigtkeine bemerkenswer-then Formen.

Hervorzuheben ist nächst der sehr guten Ausführung intrefflichem Material die Gliederung und Struktur des Westgie-bels. Derselbe ist mit halbkreisförmig geschlossenen, der Dach-neigung entsprechend emporsteigenden Blenden ausgestattet, wel-che sehr schwach vertieft und in ihren vertikalen Einfassungenaus hochkantig gestellten Steinen von 2| Zoll Stärke konstruirtsind. Die dazwischen belegenen Mauerflächen sind aus fisch-grätenartig gestellten Backsteinen hergestellt, wodurch ein ein-faches aber gut wirkendes Musterwerk entstanden ist. Die vor-treffliche Erhaltung dieses Giebels zeugt von der soliden Aus-führung und zweckmäfsigen Struktur.

Der auf Blatt XXXI Fig. 1 mitgetheilte Bogenfries interes-sirt einerseits durch das Auftreten kleeblattförmiger Bogen, an-drerseits durch die hierdurch bewiesene frühzeitige Verwendungvon Thonplatten zur Herstellung von Friesen. ] )

Kunstwerke.

Höchst werthvoll und interessant in künstlerischer Bezie-hung ist der in der Klosterkirche noch vorhandene geschnitzte,bemalte und vergoldete Hochaltar, welcher mit Darstellungenaus dem Leben der Maria geschmückt und in allen Theilen wohlerhalten ist. Die daran befindliche mit gothischen Minuskeln indrei Reihen geschriebene Inschrift lautet nach Auflösung dersehr gehäuften Abkürzungen:

Millesimo quater centesimo quarto septuagenoJohan t er dem an 2 ) hie soUwedele praepositus huncStruxit ornatuni Christi cupiens fore graliun.

Das an diesem Altäre befindliche architektonische Detail

*) Die Aufnahme der Kirche zu Dambeck und ihrer Details hat Herr MaurermeisterKr cm kau zu Salzwedel bereitwilligst mitgetheilt, wofür ich demselben meinen besten Dankauszusprechen mich gedrungen fühle.

s ) Von der auch in architektonischer Beziehung hervorragenden Wirksamkeit desPropstes Johannes Verdemann, welcher das schone Propsteigebäude auf der Altstadt Salz-wedel erbaut hat, wird Spezielleres im Hefte V. unter der Baugeschichte der Stadt Salzwe-del mitgetheilt werden.

übertrifft an kräftiger und sicherer Behandlung sowie durchSchönheit der Zeichnung alle verwandten Arbeiten dieser Epochezu Salzwedel, Seehausen und Werben.

Resultat.

Die kleine Klosterkirche kann auf Grund der hier kurz be-rührten Struktur-, Plan- und Detailbildung nur dem Anfängedes XIII. Jahrli. angehören und verdient als eine deutlich er-kennbare Stufe des ganz einfach behandelten UebergangsstylesBeachtung. Besonderes Interesse veideiht ihr der Umstand, dafsdie historische nur durch Entzelt überlieferte und mehrfach an-gezweifelte Angabe der Stiftung im J. 1224 von der Baugeschichtevollkommen bestätigt wird. Mit Rücksicht auf die Einheit undKleinheit des Baues kann die Bauzeit von 12241230 gestelltwerden.

XI. Klosterkirche zu Neuendorf.

|j Dieses | Meile östlich von Gardelegen belegene, St. Maria

|| geweihte Cistercienser Nonnenkloster ist von einem Edlen Al-;! brecht von Neuendorf im Jahre 1228 gestiftet worden 1 ), denn; 1232 wird es in einer Schenkungs-Urkunde des Markgr. Jo-hann I. als schon bestehend aber noch als arm und jung be-zeichnet 2 ). Kurze Zeit darauf hob sich durch fernere Schen-ij kungen der Wohlstand desselben so bedeutend, dafs es eigenei| und nicht unbedeutende Landerwerbungen machen konnte. Noch! später, vermuthlich als der Bau und die Einrichtung des Klostersj nebst Kirche zum Abschlüsse gekommen waren, erfolgte die Be-j| stätigung der Verfassung und aller Besitzungen des KonventsI durch Papst Innocenz IV. im J. 1246 3 ). Der fortdauernden Theil-nahme der Markgrafen so wie benachbarter Edlen verdankte diei Stiftung in den ferneren Jahrzehnden einen so gestiegenen Wohl-jj stand, dafs von dem Ertrage bald sechszig adelige und bürger-[! liehe Nonnen erhalten werden konnten. Im Jahre 1284 scheintder Konvent die Absicht gehabt zu haben, seinen Sitz nach demDorfe Lüffingen zu verlegen und daselbst ein neues Kloster zuerbauen 4 ); allein dieser Vorsatz kam nicht zur Ausführung, son-dern das Kloster verblieb am Stiftungsorte.

Die ferneren Schicksale desselben sind unerheblich; docherkennt man aus einer Ablafsurkunde des P. Innocenz VIII. vomI J. 1489, dafs der Konvent noch immer sehr zahlreich war und; sich besonderer Gunstbezeugungen dieses Papstes zu erfreuenhatte. Noch im vorigen Jahrh. befand sich über dem Chorgestühl,welches der sehr undeutlichen Inschrift zufolge 5 ) die Aebtis-sin Anna von der Schulenburg im J. 1482 hatte anfertigen las-sen, das Bild dieses Kirchenfürsten. Bei dem Abbruche desHochaltars im J. 1732 fand sich neben eingelegten Reliquienein Wachssiegel mit der kaum leserlichen Umschrift Alb. Dei.gra. Halberstaden, eccleie. epi., wonach also ein HalberstädterBischof Albert die Einweihung vollzogen haben mufs. Da esaber fünf Kirchenfürsten dieses Namens zu Halberstadt gegebenhat und jeder nähere Anhaltspunkt fehlt, so läfst sich aus die-ser Thatsache keine weitere Folgerung für die Baugeschichteziehen. Die im J. 1541 eingetretene Reformation wollten dieNonnen nicht anerkennen, mufsten sich aber 1579 der getrof-fenen kurfürstlichen Entscheidung unterwerfen. Die völlige Auf-hebung des Konvents erfolgte im XIX. Jahrhundert.i Die umfangreichen und in wesentlichen Theilen noch wohl-

,j erhaltenen Klostergebäude sind leider in der jüngsten Zeit ab-gebrochen worden, während die Erhaltung ,der interessantenKlosterkirche in Folge einer umfassenden und wohlgelungenenRestauration gesichert worden ist.

') Wohlbrück a. a. O. S. 209.

2 ) Beckmann a. a. 0. Sp. 103. Riedel, Mark Br. I. 189.

3 ) Beckmann a. a. O. Sp. 107.

4 ) Beckmann a. a. O. Sp. 115.

*) Beckmann a. a. O. Sp. 129.

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