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1 (1862) Die Mark Brandenburg : Stadt Brandenburg, die Altmark
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XII. Klosterkirche zn Hillersleben. I

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Der nur theilweis erhaltene Bau dieser bis in das X. Jahrh. jjhinaufreichenden klösterlichen Stiftung des Benediktiner-Ordens jin der Altmark zeigt nirgends die Anwendung von Backsteinen, !daher er in dieser Sammlung keine Vertretung finden konnte, jjDie in der Zeitschr. für christl. Archäologie und Kunst II. 20 jjdurch von Quast gewonnenen kunsthistorischen Resultate er- ;!geben, dafs der in Ruinen liegende östliche Theil ca. 1170 90, j:das dreischiffige Langhaus aber nach 1260 erbaut worden ist 1 ), jj

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XIII. Klosterkirche zn Wolmirstädt.

Auch diese durch von Quast in der genannten ZeitschriftBd. I S. 263 besprochene Klosterkirche für Cistercienser-Nonnen j ;gehört wegen ihres Materials nicht in eine Sammlung von Back-steinbauwerken. Der Kern des in höchst einfachen romanischenFormen errichteten Bauwerks gehört ohne Zweifel in die Stif- jtungszeit von 1228. i

Die Städte der Altmark.

A. Die Stadt Stendal.

Unter den Städten der Altmark nimmt Stendal, was die Zahl |und den Werth seiner Baudenkmale betrifft, den ersten Platz ein. jjTrotz grofser Lücken, namentlich für die älteren Epochen des jjMittelalters, ist eine Reihenfolge zum Theil höchst umfangreicher ,jgrofsartiger und hervorragender Bauwerke vorhanden, die mehr jjals Urkunden oder geschichtliche Ueberlieferung es vermögen, jjvon der einstmaligen Gröfse, der politischen Bedeutung und dem j;Kunstsinne der mittelalterlichen Stadt laut und vernehmlich re- j|den und bis zu dieser Stunde den Charakter der heutigen Stadt jjausschliefslich bestimmen. Die Stadt Stendal besitzt noch jetztan kirchlichen Bauwerken: die Domkirche St. Nikolaus, drei jjPfarrkirchen, St. Maria, St. Peter und St. Jakob, zwei Jungfrauen- jKlosterkirchen, St. Katharina und St. Anna, den Rest eines Fran-ziskaner-Klosters, die Hospitalkirche St. Gertrud, und an Profan-gebäuden: das Rathhaus und die beiden Prachtthore, das Ueng-linger und Tangermünder Thor.

Die Grenzen dieses Werkes gestatten nur, aus der grofsenZahl dieser Bauwerke die kunsthistorisch und technisch wichtig- jsten genauer darzustellen und zu besprechen. j

I. Dom St. Nikolaus. !

Historisches 1 ).

Graf Heinrich von Gardelegen, ein Bruder des MarkgrafenOtto II, dem zur Abfindung seines Anrechts auf die Markgraf- jjschaft Besitzungen in der Altmark, darunter Stendal, Tanger-münde und Gardelegen überlassen waren, gründete im J. 1188zu Stendal ein Domstift St. Nikolaus, welches er mit zwölf Dom- jherren besetzte. Durch päpstliche Erlasse in den J. 1188 und1189 wurde das neue Stift in den unmittelbaren Schutz despäpstlichen Stuhls aufgenommen und mit seltenen Privilegienbegabt 3 ). Von den Markgrafen und altmärkischen Edlen em- ;jpfing das Domstift bedeutende Güterschenkungen und Rechts-verleihungen, so dafs es bald unter den geistlichen Stiftern der iAltmark den ersten Rang einnahm. Doch am wohlthätigsten er- ;wies sich, so lange er lebte, der Stifter Heinrich von Gardele- I

) Den von Quastschcn Annahmen kann ich nicht überall beipflichten, besonders we-gen der Schiffspfeiler mit ihren altcrthümlichen Kämpfern (in Holzschnitten a. a. O. S. 21mitgetheilt), die ich als Theile des vom Abte Irminhard um 1136 ausgeführten Baues be-trachte und die Nachricht von einem Abbruch und Erneuerung um 1260 auf die Arkaden- |!bogen und Obermauern des Eanghauses beziehe. j

J ) Vergl. den trefflichen Aufsatz in den Märkischen Forschungen Bd. III. S. 132, '

worin v. Quast zuerst die Baugeschichte des Doms näher geprüft und in den Hauptumris- |sen festgestellt hat |

*) Riedel a. a. O. V. 21 21. ;i

gen *), so dafs ihm, nachdem er in der Mitte der Domherren einfast kanonisches Leben geführt hatte, bei seinem Tode 1192 einbesonders feierliches Begräbnifs in seiner Stiftung zu Theil wurde.Auch in späteren Jahrhunderten fanden besondere Wohlthätergleichfalls ihre Ruhestätte im Dome, so Lambert, der letzte Edlevon Roretz 1242 und Markgraf Conrad 1283 2 ).

In der Mitte des XIII. Jahrh. empfing der Stiftungsbau einewesentliche Erweiterung und Vervollständigung durch den An-bau der noch jetzt erhaltenen grofsartigen Westfront mit zweiThürmen. Diese Thatsache überliefert ein Ablafsbrief des Bi-schofs Volrad von Halberstadt vom J. 1257 3 ), worin es heifst:Cum fideles Christi, decorem domus domitii diligentes, ecclesiambeati Nicolai piissimi confessoris in civitate Stendale ampliaricoeperint opere sumptuoso et ad perfectionem ipsius pro-prie sibi non suppelant facultates, unwersilatem vestram monemus,rogamus etc. Es ergiebt sich aus dieser Urkunde, dafs der voreiniger Zeit begonnene Erweiterungsbau nicht geringe Mit-tel erforderte. Leider ist keine Angabe über den Schlufs dieserBauthätigkeit überliefert, während von reichen Schenkungen, diedas Stift in den folgenden Jahrhunderten empfing, vielfache ur-kundliche Nachrichten vorhanden sind. Solche Schenkungen er-folgten 1314, 1315 und 1319 vom Markgrafen Waldemar, demletzten Anhaltiner, 1324, 1338 und 1345 von den Markgrafendes bairischen Hauses, andere vom Herzoge Otto von Braun-schweig und seiner Gemahlin Agnes, so dafs hierdurch so wiedurch Memorienstiftungen, Vermächtnisse, Tausch- und Kaufver-träge die Mittel und Einkünfte des Stifts zu einer aufserordent-lichen Höhe stiegen 4 ). Wegen Baufälligkeit der alten Domkir-che, wohl auch wegen ihrer Kleinheit bei erweiterten Bedürf-nissen des Gottesdienstes scheint das Domkapitel in den zwan-ziger Jahren des XV. Jahrh. einen Neubau vorbereitet und be-gonnen zu haben, zu welchen Zwecken ein auf zehn Jahre gül-tiger Ablafsbrief vom Papst Martin V. 1424 erwirkt wurde 5 ), inwelchem es heifst:Cupientes ul eccl. S. Nicol. Stend. quamsicut accepimus propter ruinam, qua vetustate nimia subici pros-cipiebatur, dilecti filii Decanus et Capitulum ipsius Eccl. de novoconstruere ceperunt, opere non modicum sumptuoso, con-gruis honoribus frequentetur ac etiarn conslruatur et perficia-tur etc. Wie aus dieser Urkunde hervorgeht, war der umfang-reiche und sehr kostbare Neubau des Domes vor nicht langerZeit begonnen worden, nachdem das alte Gotteshaus wegen zuhohen Alterthums baufällig geworden war. Ueber den eigentli-chen Urheber des Werkes und den Beginn der Bauthätigkeitwird nichts gesagt; ebensowenig erfahren wir aus anderen Nach-richten den Absclilufs des grofsen Unternehmens. Gleichwohlist bei der seltenen künstlerischen Bedeutung des Domes einegenaue Kenntnifs über Beginn und Vollendung desselben vonnicht geringer Wichtigkeit für die Baugeschichte der Mark Bran-denburg. Obwohl direkte chronistische Angaben gänzlich feh-len, so sind doch Anknüpfungspunkte vorhanden, welche geeig-net sind, über Anfang, Fortgang und Absclilufs des Baues ge-nügendes Licht zu verbreiten.

Dafs der Beginn der Bauthätigkeit nicht lange vor jenempäpstlichen Ablafsbriefe von 1424 anzunehmen ist, darf nach derallgemein verbreiteten Praxis jener Zeit angenommen werden,wonach in der Regel gleich nach Eröffnung des Baubetriebesdie Kirchenvorsteher sich beeilten, solche, die Opferfreudigkeitder Gläubigen in Anspruch nehmende Empfehlungs- und Ver-heifsungsbriefe zu erwerben. Dafs aber dieser päpstliche Ablafs-brief der erste war, mufs aus dem Umstande geschlossen wer-den, dafs das Domstift zu Stendal direkt dem päpstlichen Stuhleunterworfen war, also auch dem Oberhaupte der Kirche eherals benachbarten anderen Bischöfen seine Wünsche in dieser Be-

) Riedel a. a. O. V. 27.

Lenz, Chronik von Stendal S. 15.

) Riedel a. a. O. V. 37.

1 ) Riedel a. a. 0. zu den genannten .Tahren.

) Riedel a. a. O. V. 188.