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1 (1862) Die Mark Brandenburg : Stadt Brandenburg, die Altmark
Entstehung
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1225 — 35 begonnen, aber langsam gefördert wurde, niemalsvollendet, sondern mit einem schlechten Walmdache nebst Dach-reiter nothdürftig nach oben hin abgeschlossen worden. DieKlostergebäude waren wie diejenigen zu Arendsee in einfachenreducirten Formen erbaut und zeigten wie der Thurmbau denUebergang vom romanischen zum gothischen Styl. Der inter-essanteste Theil derselben (bei dem Abbruch erhalten), ist einmäfsig grofser mit 5 Spitzbogenblenden ausgestatteter Giebel,welcher durch die Theilung der Spitzbogenblenden mittelst einesStabes, der ringförmige Kämpfersteine besitzt, als der vorge-schrittenste Bautheil von Diesdorf zu beachten und mit demOstgiebel des Klosters Neuendorf in engste Verbindung zu stel-len ist.

Technisches.

Die auf Granitfundament ruhende Kirche zeigt im Allge-meinen einen sehr tüchtigen, theilweis sogar höchst gediegenenBacksteinbau, welcher durch gutes Material unterstützt, von denBauten der westlichen Altmark, namentlich denjenigen zu Salz-wedel und Gardelegen vortheilhaft absticht. Die östlichen Theile,besonders die Absiden, können mit ihrer meisterhaften Techniknur mit Jerichow verglichen werden und beweisen wiederumdurch ihre treffliche Erhaltung, eben so wie jenes die fast un-zerstörbare Dauerhaftigkeit eines sorgfältig durchgeführten Back-steinbaues. An den Mauern ist meistentheils der wendische Ver-band angewendet; seltener zeigt sich der gothische Verband, undmeist, wie am Thurmbau nur da, wo durch die glasirten Köpfealler Strecker ein farbiges Muster hergestellt werden sollte.

Die Ecken des Thurmes, welcher auf Granitfundamenten ruht,sind schwach abgerundet, aber sehr genau lothrecht gemauert.Die im Innern vorhandenen drei Gewölbe sind sechskappige aufprofilirten Rippen ruhende Kreuzgewölbe. Die scharfgratigenKreuzgewölbe der Kirche sind 1' Stein stark, sehr hoch hinter-mauert und waren von unten geputzt und bemalt. Ebenso warder Theil der Obermauern zwischen den Hauptpfeilern und denGewölben geputzt und bemalt; die Pfeiler und unteren Wändedagegen nur in gefugter Arbeit hergestellt. Auch haben sichSpuren von Malerei an dem geputzten Gewölbe der Seitenabsisgezeigt. Die sehr starken Obermauern sind nicht im Innerndurch Füllmauerwerk hergestellt, sondern zeigen durchgehenden,sehr sorgfältigen Backsteinbau.

Das Format der Backsteine beträgt an der Hauptabsis 10] Zoll,4| Zoll u. 3g Zoll; an der Westfront 10|—10| Zoll, 4|— 4| Zollund 3|—3* Zoll.

Die Klostergebäude aus minder guten und etwas gröfserenBacksteinen erbaut, waren nur verblendet und enthielten im In-nern Füllmauerwerk.

Kunstwerke.

Das bemerkenswertheste Kunstwerk ist ein oblonger Grab-stein, welcher in eingravirten Umrissen einen Mann mit weichbehandelter Gewandung und langer Haartracht darstellt, der einumwickeltes Schwert in der Rechten und ein rautenförmig qua-drirtes Wappenschild zur Linken trägt. Die in römischen ge-rundeten Majuskeln geschriebene Umschrift lautet: Anno DmiMCCLXXIV. VII non. Octobr. . . . Comes hiric de Lüchow, worinalso ein Wohlthäter aus dem Geschlechte der Grafen von Lüchowerkannt wird. Aufserdem ist noch das unter dem Arcus trium-phalis aufgestellte Heilandskreuz, in Holz geschnitzt und bemaltvorhanden, sowie unter den Steinskulpturen der oberen Nonnen-Empore ein kleines, aber treffliches Marienbild Erwähnung ver-dient.

Resultat

Auf Grund der oben entwickelten Analyse kann der Osttheilder Kirche, also Chor und Querschiff nebst den Absiden, aberohne Gewölbe als der Stiftungsbau von ca. 1157—61 be-trachtet werden dessen Baumeister wahrscheinlich Iso von Je-

richow war. Das Langhaus ist sodann im Anschlufs an denersten Bau fortgesetzt und gegen 1188 vollendet wmrden. DerThurmbau entspricht einer Bauzeit von ca. 1225 — 35.

X. Klosterkirche zu Dambeck.

Dieses kleine, eine Meile südlich von Salzwedel belegeneKloster, soll nach Entzelt’s Angaben im Jahre 1224 zur Zeit desPapstes Honorius II. und des Kaiser Friedrich II. von einemGrafen von Dannenberg gestiftet worden sein. Auch sollen diedrei Töchter dieses Grafen, Adelheid, Kunigunde und Oda, (welche1261 starb) die drei ersten Aebtissinnen im Kloster gewesen sein 1 ).Da aufser dieser etwas auffallenden Nachricht sonstige Urkundenüber die ersten Schicksale des Klosters keine Auskunft gebenund andere fragmentarische Nachrichten vom Jahre 1261 2 ) dasMifstrauen gegen die mitgetheilte Stiftungsnotiz erhöhen, so hatman Anstand genommen, die Mittheilung des Entzelt als histo-risch gültig anzunehmen. Die wenigen Nachrichten, welche überden Zustand des Klosters berichten, hat Beckmann a. a. 0. V. Th.,I. B., X. Kap. gesammelt, und diese nebst urkundlichen Belegenaus den Archiven der Familie von der Schulenburg, bei RiedelCod. dipl. VI. Bd. unter Beetzendorf und Apenburg lassen hin-reichend erkennen, dafs das Kloster niemals zu einer Bedeutungwie Jerichow, Diesdorf und Arendsee gelangt ist, sondern stetseine untergeordnete Rolle gespielt hat. Im Jahre 1261 w r ird eineSchenkung bestätigt, 1288 wird eine andere Schenkung unterder Bedingung für den Geber ein ewiges Licht zu stiften, über-wiesen. Fernere Vergebungen erfolgen 1344, 1384 und 1388 3 ).Die Letzteren sind wohlthätige Aeufserungen der Schulenburg-schen Familie aus deren Gliedern späterhin fast immer die Pröpstedes Klosters erwählt wurden. Als die Reformation eintrat, wurdedie Propstei von Dambeck von Joachim II. um 1540 derselbenFamilie auf eine Reihe von Jahren überlassen, ohne dafs derbestehende Jungfrauen-Convent aufgelöst worden w T äre. Im Jahre1607 wurde alsdann das Kloster nebst seinen Besitzungen derneu gestifteten Fürstenschule zu Joachimsthal überwiesen unddieser Besitz im Jahre 1645, nachdem der Convent ausgestorbenwar, bestätigt. Auf Grund dieser churfürstlichen Verleihungenist das Joachimstharsclie Gymnasium zu Berlin im Besitze desKlosters und der Klostergüter.

Baubeschreibung.

Die auf Blatt XXXI, Fig. 1 und 8 nur im Grundrifs darge-stellte und durch ein Detail charakterisirte Kirche ist in Back-steinen erbaut. Das trefflich erhaltene Bauwerk zeigt schondurch die Kleinheit seiner Maafse und Sparsamkeit in allen Detailsdie geringen Mittel, über welche das Kloster bei dem Bau derKirche zu verfügen hatte. Es ist ein langer einschiffiger Baumit flacher Holzdecke, an den sich eine grofse überwölbte Absisin Osten anschliefst. Mit Ausnahme des an der Westfronte vor-handenen, später hinzugefügten Glockenthurmes ist der Bau auseiner Zeit und zwar der durch Entzelt überlieferten Stiftungszeitvon 1224. Dies wird ein Mal dadurch erwiesen, dafs nebenälteren romanischen bereits neue gothische Kunstformen auftreten.Die Absis zeigt noch ganz den romanischen Charakter, nämlichdrei rundbogige Fenster, deren Zwischenwandpfeiler mit flachenLissenen geschmückt sind, aber die sehr schlanken Fenster sindbereits mit abgestuften Gewänden und ziemlich dicken Rund-stäben ausgestattet, während die Lissenen flach und sehr breit(l^Stein) gebildet erscheinen 4 ). Auch der auf der Nordseitedicht an der Absis noch erhaltene Bogenfries, Bl. XXXI, Fig. 1,stellt in seiner kleeblattartigen Bildung das Auftreten neuer Kunst-formen dar. Die Fenster des Langhauses zeigen übereinstimmende

’) Entzelt ed. Ammersbach a. a. O. S. 125.

s ) Riedel, Mark Brand. I. 54.

3 ) Beckmann a. a. 0. S. 11>6. ff.

4 ) Die Aehnlichkeit mit den Absidenfenstern zu Jerichow ist unverkennbar und wirdhierdurch ein neuer Anhaltspunkt für die daselbst getroffene Zeitbestimmung von ca. 1210gewonnen.