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1 (1862) Die Mark Brandenburg : Stadt Brandenburg, die Altmark
Entstehung
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Thatsache diejenige bleibt, dafs die ältesten Dorfkirchen in derUmgegend von Jerichow in Backsteinbau hergestellt sind, dessenOrijrinalform die Klosterkirche aufgestellt hatte. Alle diese Kir-chen, von denen im Folgenden noch die Rede sein wird, sindim Laufe des XII. spätestens im Anfang des XIII. Jahrhunderts,die gröfste derselben zu Schönhausen urkundlich 1212 erbautworden. Auch mufs hervorgehoben werden, dafs dieser orga-nisatorischen Bedeutung halber das Kloster Jerichow der ganzenumliegenden Gegend den NamenLand Jerichow gegeben hat,mit welcher Bezeichnung dieses Gebiet in den Urkunden desXV. u. XVI. Jahrhunderts erscheint. Aber der Einflufs des statt-lichen Klosterbaues von Jerichow läfst sich auch nach gröfsern Ent-fernungen hin zusammenhängend verfolgen, so nach dem KlosterDiesdorf, welches höchst wahrscheinlich von einem Jerichower |Mönche 11571161 erbaut wurde und wieder das Vorbild fürSt. Maria in Salzwedel, Kloster Arendsee 1184, St. Maria in Gar- jdelegen ca. 1185, St. Stephan in Tangermünde ca. 1186 etc. ge- jwesen ist *). 1

Die ferneren Schicksale des Klosters sind aus dem oben an- I!gegebenen Grunde unbekannt, doch wird erwähnt, dafs Kaiser ;lCarl IV. von seinem Residenzschlosse Tangermünde aus Jerichow joft besucht und dasselbe reich beschenkt habe. Auch geht aus !jmagdeburgischen Chroniken hervor, dafs 1354 Jerichow nebst ]andern Orten Sandow, Plate, Plaue u. s. w. vom Bisthum Ha-velberg getrennt und dem Erzstifte Magdeburg einverleibt wurde 2 ), iAus einer, das erzbischöfliche Kapitel zu Magdeburg betreffenden |Urkunde v. J. 1430 erfahren wir, dafs die Verhandlungen zu Je-richow stattgefunden hätten in der Kapelle Mariae Magda- jlenae, die an dem Kreuzgange des Klosters gelegensei 3 ). In die späteren Fehden des Erzstifts blieb Jerichow stetsverwickelt und wurde 1435 vom Rathe der Stadt Magdeburg:gewonnen und zur Huldigung gedrungen. Die später von \Seiten des Bisthums Havelberg erhobenen Eigenthumsansprüche ||auf den Besitz des Klosters liefs der energische Erzbischof Ernstunberücksichtigt und besetzte und reformirte dasselbe 1489 4 ). ||

Im XVI. Jahrhundert wurde Jerichow, wahrscheinlich nach er-folgter Einführung der Reformation und Aufhebung des Kon-vents als Pfandbesitz dem Ritter Hans von Krusemark überge-ben und 1571 vom Domstifte wieder eingelöst 5 ). In neuesterZeit ist die Klosterkirche einer ziemlich eingehenden Restaura-

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tion unterworfen worden, welche leider auf die im Ganzen sowohl erhaltenen und höchst interessanten Klostergebäude admi-nistrativer Verhältnisse halber nicht ausgedehnt werden konnte.

Baubeschreibung. 6 ) j

Die St. Maria und St.Nikolaus geweihte Klosterkirche, welche |auf Blatt XXIXXIII in ihren Haupttheilen und wichtigsten De- !tails dargestellt ist, zeigt den Grundrifs einer dreischiffigen flach !gedeckten Säulenbasilika mit weit ausladendem Querschiff, qua-dratischem Haupt-Chor nebst Absis, so wie mit zwei ebenfallsabsidenartig geschlossenen Neben-Chören. Unter Chor und Vie-rung erstreckt sich die zweischiffige, mit scharfgratigen Kreuz-gewölben bedeckte Krypta, welche von der Nord-, West- undSüdseite der Vierung her auf je zwei Treppen betreten werdenkann. Da die Krypta in das, hohen Wasserständen leicht aus-gesetzte Terrain nicht tief eingesenkt werden konnte, so trittdieselbe (vergl. die Schnitte Bl. XXIII, Fig. 1 u. 3) 9 Fufs hochin die Kirche hinein, so dafs der Chor nur auf ziemlich steilen,in der Mauerdicke der westlichen Vierungspfeiler belegenen Trep-pen erstiegen werden kann. Auf der Westseite erhebt sich die jstattliche mit zwei viereckigen Thürmen geschmückte Vorder- !front, während der die Klostergebäude verbindende Kreuzgang

1 ) Die Darlegung dieses architektonischen Einflusses wird unter den bezeichnten Lo-kalen und Bauwerken gegeben werden.

. 2 ) A. Werner ed. Ammersbach 1584. Chronik des Stifts Magdeburg S. 86 ff. und !Wiggert in Forstemanns Mittheil. III. 4. 102 ff.

3 ) Riedel, a. a. O. II. S. 491. j

4 ) A. Werner, Chronik a. a. O. S. 117.

5 ) A. Werner, a. a. 0. S. 164. j

6 ) Vergl. den citirten Aufsatz v. Quast i. D. Kunstbl. 1850, S. 233. !

an der Südseite belegen ist und mittelst zweier Portale den Zu-

uantf zu dem südlichen Kreuz- wie Seiten-Schiffe vermittelt.

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Im Wesentlichen verdankt die Klosterkirche ihre jetzige Ge-stalt dreien Bauzeiten, welche bald aufeinander gefolgt sind. Vondem nach der Verlegung auf eine andere Stelle geführten, spä-testens 1149 begonnenen und 1159 beendeten Bau rühren derKern des Gebäudes, nämlich das Langhaus mit Ausnahme derwestlichen Arkaden, ferner das Querschiff und das Chorquadrather, dagegen ist die Hauptabsis zur Zeit des Neubaues der Kryptaim Anfänge des XIII. Jahrhunderts erneuert worden, zu welcherZeit auch die kleineren Nebenchöre dem Kirchenkörper hinzu-eefügt wurden und wahrscheinlich an die Stelle einfacher Ne-benabsiden traten.

Dafs die Nebenchöre und der Thurmbau ein späterer Zusatzsind, ergiebt sich leicht aus der Beobachtung, dafs das mächtige,aus Plötzker Sandstein hergestellte Fundament der Kirche, wel-ches überall im Chore, Querschiff und Langhause durchgeführtist, in jenen Bautheilen fehlt, in Stelle dessen unmittelbar überdem Erdboden Backsteinbau auftritt. Auch das verschiedeneMaterial der Plinthengesimse spricht für diese Annahme. DiePlinthen an den Thürmen und Nebenchören sind in Backstein(Bl. XXII, Fig. 2), die der übrigen Kirche in Sandstein herge-stellt.

Etwas schwieriger ist der Nachweis der Behauptung, dafsdie Krypta und die Hauptabsis gleichzeitig, aber später als dererste Bau vom J. 1149 erbaut worden sind. Diese Annahmestützt sich einerseits auf die deutlich erkennbare Thatsache, dafsdie Vierungspfeiler mit den daran stofsenden Kryptapfeilern, wel-che die flachen, nach den Kreuzflügeln sich öffnenden Rundbo-gen stützen, nicht im Verbände stehen, sondern von unten heraufselbstständig und isolirt in die Höhe steigen. Die innerhalb derVierung belegenen Kryptapfeiler müssen demnach später hinzu-gefügt sein. Da aber in der Krypta weder in Wand- noch Mit-telsäulen verschiedene Bauformen erkannt werden können, soist die Annahme zulässig, dafs die jetzige Krypta im Ganzen erstspäter hinzugefügt worden ist. Ist dies aber der Fall gewesen,so ist es nothwendig, die jetzige Hauptabsis als eine Erneuerungaufzufassen, weil dieselbe nicht die geringste Spur veränderterOberfenster oder eingebrochener Kryptafenster zeigt, sondernvollkommen unberührt und wohlerhalten erscheint. Beides, dasVorhandensein ursprünglich und völlig in Verband gemauerterKryptafenster, sowie die hohe Stellung der Oberfenster der Haupt-absis begründen die Annahme, dafs die Absis auf altem Funda-ment zur Zeit des Kryptabaues von Neuem erbaut worden ist.Für diese Annahme sprechen überdies mehrfache Kunst- wieStrukturformen. Vor allem die grofsen Oberfenster in der Haupt-absis, welche in sehr reifen und vorgeschrittenen Gliederformenhergestellt sind 1 ). In den Ecken der abgestuften Schmiegen

') Sehr verwandt mit der Hauptabsis von Jerichow erscheint der entsprechende Bau-theil des Klosters Dobrilug in der Lausitz, wovon Puttrich Band II, 2. einige, aber nichtgenügende Abbildungen geliefert hat. Die Fenster daselbst sind grofs, abgestuft, mit Eck-säulcheu etc. gegliedert ganz wie zu Jerichow und schwerlich früher. Wegen der schwerprofilirten Rippengewülbe der Hauptabsis zu Dobrilug kann dieser Bautheil nicht andersals frühestens 1210 20 erbaut sein und dieses Datum stimmt auch mit der für Kryptaund Hauptabsis zu Jerichow angenommenen Bauzeit von 120010 überein.