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welche ihn hier beschäftigte, war die Förderung des Neubauesseiner Kathedrale und die Einrichtung des Klosters Jerichow.
Den Kathedralbau hatte er sicherlich schon 1131 gleichnach der Eroberung durch König Lothar begonnen, war danndurch gesandschaftliche Aufträge verhindert worden ihn kräftigzu fördern und fand denselben 1136 zerstört. Wenn auch schon1138 seinerseits Anstalten getroffen wurden, den halbzerstörtenBau wieder aufzunehmen, so bedurfte es doch seiner persönli-chen Anwesenheit um das umfangreiche Werk wieder energischzu betreiben. Doch wurde die Thätigkeit, welche Anselm fürdiesen Zweck entwickelte, durch die unsichere politische Lageund noch mehr durch die furchtbare Entvölkerung zu welcherdas Land durch die blutigen Kriege und Auswanderungen ge-kommen war, wesentlich beeinträchtigt, so dafs die vorläufigeHerstellung des Domes 1149, die Einrichtung eines Domkapitels1151 zu Stande kamen und die feierliche Einweihung erst 15 Jahrenach seinem Tode, 1170 stattfinden konnte.
Besser gedieh das Stift Jerichow, von welchem ErzbischofFriedrich von Magdeburg die Vogtei an den Markgrafen Al-brecht und dessen Sohn Otto, das Recht der Investitur aber demBischof Anselm übertrug. Bald nach Erledigung der nothwen-diesten Diöcesan-Geschäfte verliefs Anselm seinen Sitz, um sichan das Hoflager des Königs Conrad zu begeben. Mit demselbenverweilte er zu Ende des Jahres 1145 in verschiedenen Gegen-den Deutschlands, besonders aber am Niederrhein und in Hol-land, wahrscheinlich, um mit Wissen und Willen des MarkgrafenAlbrecht die einleitenden Schritte zur Uebersiedelung holländi-scher und flämischer Kolonisten in die Mark zu thun.
Niederländische Kolonisten, welche meistentheils in solchenGegenden niedergesetzt wurden, wo entweder Moor- und Bruch-gegenden kultivirt werden sollten oder wo es galt, bereits inKultur genommene Landstrecken durch zweckmäfsige Wasser-bauten zu schützen, waren vor nicht langer Zeit zuerst im Erz-bisthum Bremen angesiedelt worden und hatten daselbst in kurzerZeit die Kultur des Landes in überraschender Weise gehoben.Diese erste Ansiedelung, welche aus der Gegend von Utrechtstammte, war 1106 durch den Erzbischof Friedrich zu Horn beiBremen gegründet worden. Ihr war 1132 durch den ErzbischofAdalbert eine zweite gefolgt, welche mit Einwilligung Albrechtsdes Bären und der Herzogin Gertrud, Mutter Heinrichs desLöwen, das linke Weserufer besetzte und die marschmoorigenGegenden daselbst in Kultur nahm. Noch etwas früher warenferner holländische Kolonieen von Vicelin, dem rühmlichst be-kannten Förderer des Christenthums in Holstein und Stifter vonNeumünster, in der Gegend von Itzehoe, Elmshorn und anderenPunkten angesiedelt worden, zu deren Einführung und Unter-stützung besonders Frau Richardis von Stade in Uebereinstim-mung mit ihrem damals noch lebenden Sohne Grafen Rudolfwesentlich durch Schenkungen beigetragen hatte. Diese aller-dings wohl nicht sehr zahlreichen Ansiedelungen hatten wahr-scheinlich zwischen 1139 und 1142 stattgefunden und warenauch gut fortgekommen. Einen ungleich gröfseren Aufschwungnahm die Kolonisationsthätigkeit, welche sodann Graf Adolf II.von Holstein 1142 oder 1143 vermittelte. Unter seiner Leitungwurden nicht nur Holländer, Seeländer und Friesen, sondern auchWestphalen in dem entvölkerten LandeWagrien angesiedelt. DieseKolonien bevölkerten die Landschaften, kultivirten die Felderund bauten Kirchen und Häuser und hätten zur völligen Ger-manisirung des Landes noch mehr beigetragen, wenn nicht derplötzliche Einbruch des slavischen Fürsten Niclot 1147 den er-sten Aufschwung durch völlige Vernichtung einzelner Koloniengehemmt hätte.
Wie sparsam aber diese Kolonien in den weiten Länderge-bieten des nordöstlichen Deutschlands auch noch vorhanden wa-ren und wie langsam ihre innere Entwickelung vor sich gehenmochte, in keinem Falle konnte ihr Nutzen und Einflufs auf die
’) Vergl. das gediegene Werk: Niederländische Kolonien im nördlichen Teutschlandvon A. v. Wersebe. S. 27, 174, 216, 2S9, 406, 441, 637, 884.
Kultivirung neu eroberter Länder so thätigen und staatsklugenMännern wie Markgraf Albrecht und Anselm von Havelberg eswaren, entgehen. Da nun in den Gebieten Albrechts Gegendenvorhanden w r aren, welche nur durch Einführung der holländi-schen Bewirthschaftungs-Methode in Kultur genommen oderdurch zweckmäfsig angelegte Wasserbauten vor Ueberschwem-mungen geschützt werden konnten, so richtete sich sein Haupt-augenmerk darauf, holländische und flämische Ansiedler anzu-werben. Die Lokale, welche zuerst ins Auge gefafst wurden,waren an dem linken Elbufer die ausgedehnte Sumpfgegend zwi-schen Seehausen 1 ) und Werben, welche seit alter Zeit den NamenWische führte und auf dem rechten Elbufer die Umgegend vonJerichow. Dafs das letztere Lokal ebenfalls der neuen Wohl-thaten der Kolonisation sich zu erfreuen hatte, darf der Ver-mittelung eines Mitstifters des Klosters, des Hartwig von Stadezugeschrieben werden, welcher wie oben erwähnt seit 1144 Dom-propst in Bremen war und den Werth der Kolonien in nächsterNähe kennen gelernt hatte. Auch ist wohl anzunehmen, dafsEvermodus ein Niederländer und Schüler Norberts (damals nochPropst von U. L. Frauen-Kloster zu Magdeburg, später Bi-schof von Ratzeburg) die alten Familienverbindungen, welche erzu Cambray besafs, gewifs im Interesse des geliebten Tochter-klosters Jerichow bereitwillig zur Verfügung stellte. Kurz esist mehr als wahrscheinlich, dafs die beabsichtigte Kolonisationder Altmark auf beiden Elbufern durch Albrecht den Bären an-geregt, durch Hartwig von Stade und Evermodus vermittelt undwährend des Winters von 1145 zu 1146 durch Bischof Anselmvon Havelberg während seiner Anwesenheit am Niederrhein undin Holland eingeleitet wurde. Im Laufe d. J. 1146 kehrte An-selm nach Magdeburg 2 ) zurück, und vermehrte die Besitzungendes Klosters Jerichow dadurch, dafs er von der Ausstattung sei-nes Bisthums das Schlofs „Marienburg“, welches auch Kobelitzgenannt wurde, dem Stifte vereignete 3 ). Ob nun während derAnwesenheit Anselms in seinem Sprengel die ersten Kolonistennach der Altmark kamen, ist nicht mit Sicherheit zu erweisen,darf aber angenommen werden. Gegen Ende des Jahres 1146war Anselm wieder an den Hof des Königs Conrad zurückge-kehrt und hatte dort mit andern den Eindruck der überwälti-genden, Alles mit sich fortreifsenden Persönlichkeit des heiligenBernhard, welcher nach Deutschland gekommen war, das Kreuzgegen die Ungläubigen zu predigen, auch an sich erfahren. Wieaber König Conrad den Kreuzzug in das heilige Land gelobthatte, so waren die sächsischen Fürsten einig geworden, einengleichen heiligen Krieg in die heidnischen Slavenländer zu unter-nehmen. Heinrich der Löwe und Albrecht der Bär standen ander Spitze der beiden Heere, deren eines, von Albrecht geführtin der Gegend von Havelberg sich sammelte. Dem Letzterenhatten sich der Erzbischof von Magdeburg, der Abt Wibald vonCorvey, auch Bischof Anselm von Havelberg angeschlossen.Leider entsprach der Erfolg nicht den Erwartungen, denn schonin wenigen Wochen wurde der mit so grofsen Kräften unter-nommene Feldzug durch den hartnäckigen Widerstand der Sla-ven, sowie durch die Unzufriedenheit und Uneinigkeit der Deut-schen beendigt, ohne ein anderes Resultat zu liefern, als dafsdie eingeschüchterten Feinde die äufsersten Grenzpunkte desdeutschen Reiches wie Havelberg und Brandenburg weniger be-unruhigten. Schon im September war Anselm nach Havelbergzurückgekehrt, um sich dort mehrere Jahre lang der so noth-wendigen kirchlichen Entwickelung seiner Diöces zu widmen.Wie ihn aber die Sorge um Befestigung des Christenthums durchEinrichtung von Pfarreien und Anstellung von Geistlichen nachder einen Seite hin beschäftigte, so verlor er die eingeleiteteKolonisation zur Bevölkerung der grofsen, dem Bisthum ange-liörigen fast ganz unbewohnten Landstrecken auf der andernSeite nicht aus den Augen. Doch wären seine Bestrebungen
') Vergl. die wichtige Stelle des Korner bei Riedel. Cod. dipl. VI, 338.
2 ) Raumer, Reg. 1086 u. Jaffe Gesch. Conrad III. Itinerarien S. 279.
3 ) Riedel, a. a. 0. III;' 80.
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