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1 (1862) Die Mark Brandenburg : Stadt Brandenburg, die Altmark
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Wahrscheinlich durch den Neubau der Kathedrale zu Mag-deburg seit 1207 veranlafst, giebt sich darauf in kauin zwei Jahr-zehnten bei allen Neubauten ein mehr und mehr hervortreten-des Schwanken in der Benutzung der Kunstformen zu erkennen.Dieses Schwanken, welches die schnelle Entwickelung des Ueber-gangstyles begleitet, ist in den Bauwerken der westlichen Alt-mark, im Kloster Dambeck 1224, in St. Nikolaus und St. Mariazu Gardelegen, in der Westfront von Diesdorf 1223 und in dergröfsten Vollendung in St. Lorenz zu Salzwedel ca. 1230 be-sonders deutlich zu erkennen. Gleichzeitig macht sich das Be-streben, den bis dahin üblichen Basilikenbau zu verlassen undden Hallenkirchenbau anzuwenden in vereinzelten Erscheinun-gen geltend, wie dies z. B. zu Gardelegen und Seehausen er-sichtlich ist. Selbst von dem Versuche eines höchst eigentliüm-lichen gewölbten Centralbaues der Klosterkirche St. Spiritus zuSalzwedel wird berichtet, dessen bedeutende Reste erst am Schlüssedes vorigen Jahrhunderts abgetragen worden sind.

Endlich erscheint in einem Cistercienser-Nonnenkloster dieeinfache aber vortreffliche altgothische Baukunst, allerdings nochmit Reminiscenzen des Uebergangstyles versehen und ohne An-wendung von Gewölben. Das Kloster Neuendorf bei Gardelegen,von 1230 45 erbaut, zeigt diese bemerkenswerthe Thatsache,wie ohne Zweifel die nicht mehr vorhandene grofse Dominika-nerkirche zu Seehausen dieselben Formen mit Gewölben bereits1254 übertragen hatte. Als ausgezeichnete Reste des fast go-thischen Uebergangsstyles müssen die ziemlich gleichzeitig erbau-ten Westfronten des Domes zu Stendal und des Klosters Jeri-chow in der Mitte des Xlll. Jahrhunderts erwähnt werden, wieeine gleichzeitige, aber untergeordnete Bauthätigkeit auch zuSalzwedel in St. Maria und St. Katharina sichtbar ist.

Doch von der Mitte des XIII. Jahrhunderts ab wird einentschiedenes Nachlassen der Bauthätigkeit in der Altmarksichtbar, eine Thatsache, welche einmal dadurch erklärt werdenkann, dafs die ersten und nächsten kirchlichen Bedürfnisse imLaufe des einen Jahrhunderts befriedigt waren, andrerseits aberdarin gesucht werden mufs, dafs der Schwerpunkt der Mark Bran-denburg nicht mehr in der Altmark lag, sondern dem Vorwärts-drängen der rastlos thätigen Markgrafen entsprechend mehr nachOsten hingerückt war, wo Städte wie Frankfurt und Prenzlowemporzublühen anfingen. Durch diesen Hinweis auf die politischeEntwickelung des Landes wird auch die Thatsache erklärt, wes-halb die Altmark gar keine Bauwerke der vollendeten gothi-schen Kunst besitzt, sondern zu einer Zeit, wo die Klöster Chorin,Ruppin, Straufsberg u. A. erbaut wurden, nur ganz untergeordnetekleine Pfarrkirchen und Kapellen, wie St. Gertrud, St. Peter undSt. Jakob zu Stendal, St. Georg zu Salzwedel bervorbringt. Indiese Zeit fallen die alten Befestigungen der Städte, besondersdie Mauern und Thore von Stendal in Granit erbaut von _ ca.12801300 und wohl kurze Zeit darauf aber ganz in Backsteinenerrichtet, die Mauern und Thore von Tangermünde, desgleichendie von Salzwedel und Seehausen.

Der einzige erhebliche Bau jener Zeit in edel gothischenFormen ist der Erneuerungsbau von St. Stephan zu Tangermündeim Anfänge des XIV. Jahrh. begonnen und einheitlich durch-geführt. Dann aber hört, durch die ernsten politischen Verhält-nisse des Landes veranlafst, fast jede Bauthätigkeit auf. SchonWaldemar, der letzte Askanier hat trotz seiner hervorragendenpolitischen Stellung keinen nennenswerth wichtigen Bau hinter-lassen und noch weniger ist von seinen Nachfolgern zu melden.Erst die Ruhe, welcher nach harten Kämpfen zwischen den Mark-grafen des bairischen Hauses und anderen Landesprätendenten,das Land unter Kaiser Carl IV. sich zu erfreuen hatte, unter-stützte die von diesem Fürsten veranlafsten Unternehmungen.Es ist bekannt, mit welcher besonderen Vorliebe der Kaiser indem stillen, freundlich gelegenen Tangermünde an der Elbe re-sidirte und von 1374 ab daselbst ein Schlofs nebst glänzend aus-gestatteter Kapelle erbauen liefs. Leider ist diese Kapelle wiemehrere andere seiner kirchlichen Bauten in Tangermünde spur-

los untergegangen und wir können seinen Einflufs auf die Bau-kunst der Altmark nur an dem mächtigen Kapitelsthurme aufdem Schlosse, noch mehr aber an dem Umbau von St. Stephan,welches er zum Domstift erhob, bemessen. Letzterer Bau wurde1376 begonnen und bis 1398 durch Meister Minhard von Wol-derode fortgeführt.

. Dennoch fand die von Carl IV. angeregte Bauthätigkeit,einige Umbauten zu Salzwedel abgerechnet, keinen wesentlichen

Fortgang. Die Altmark litt wie die übrigen Landestheile unter

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dem furchtbaren Drucke der Rechtsunsicherheit der öffentlichenZustände, der erst durch das Auftreten des neuen Herrscherge-schlechts der Hohenzollern zum Heil des Landes und zum Segenin der Kunst beseitigt wurde.

Nach dein Vorgänge der Ordenskirche zu Werben, welchein zierlich glänzenden Formen von 140311 einen Umbau desSchiffes erfahren hatte, der sogleich am Schiffe der Pfarrkirchezu Seehausen kopirt worden war, erhebt sich erst vom Jahre1420 an ein neuer Aufschwung, den man in ununterbrochenerFolge in einer Reihe von Bamverken verfolgen kann, die zu denbesten Leistungen der spätgothischen Kunst gerechnet werdenmüssen. An der Spitze steht der grofsartige Neubau des Domeszu Stendal, von einem ausgezeichneten Meister um 1420 be-gonnen und mit mancher Unterbrechung gegen 1463 von einemzweiten Meister beendigt. Der erste, leider unbekannte Meistererbaute auch gleichzeitig das hochvollendete Ünglinger Thorzu Stendal ca. 1436 und die schöne nur noch in Ruinen erhalteneKirche des Klosters Allerheiligen zu Tangermünde 1439. Andie Wirksamkeit dieses Meisters schliefst sich direkt die Thätig-keit. anderer einheimischer, mehr oder weniger begabter Meisteran, während andererseits auch von Aufsen kommender Einflufsnachgewiesen werden kann. Zu den besten Bauwerken, welcheder Sinnesweise des Meisters vom Dom zu Stendal entsprechen,sind besonders anzuführen das Tangermünder Thor ca. 1450,St. Maria zu Stendal von ca. 143047, der Chor der Ordens-kirche zu Werben 1440 60 sowie das Elbthor daselbst, dasNeustädter Thor zu Tangermünde und die hochräumige Franzis-kaner-Kirche zu Salzwedel, 14351453 erbaut und 1493 erwei-tert. Andrerseits machen sich bemerkenswerthe Einflüsse derStadt Brandenburg, besonders zu Tangermünde geltend, wo dasreich gestaltete Rathhaus nur eine variirte Wiederholung derFrohnleichnamskapelle an der Katharinen-Kirche genannt werdenkann, eben so wie der 1470 von Barthold Schulte erbaute Chorvon St. Stephan daselbst gleichfalls auf dem Pfeilersystem vonSt. Godehard beruht und das Motiv des Miihlthorthurmes fürden stattlichen Umbau des Hiihnerdorfer Thorthurmes benutztist. Die reich gegliederten und trefflich gearbeiteten Portalevon St. Stephan müssen gleichfalls auf mittelmärkische Bau-thätigkeit, namentlich der Schlofskapelle von Ziesar 1470 (derenKopie die Schlofskapelle von Wollmirstedt 1480 ist), zurückge-führt werden, ebenso wie der Chor von St. Nikolaus zu Oster-burg auf direktem Einflüsse meklenburgischer Bauwerke beruhtund hanseatischer Einflufs unverkennbar in den Kirchen vonSalzwedel hervortritt. Minder wichtig und bedeutsam sind fer-ner zu Stendal St. Peter, St. Anna ca. 1460, Chor von St. Jakob146069, sowie das 1469 eingeweihte St. Katharinenkloster unddas 1480 gestiftete St. Georgs-Hospital, sodann zu Tangermündedie 1456 gestiftete aber unvollendet gebliebene Kirche St. Elisa-beth, deren Konstruktionssystem auf St. Maria zu Stendal beruhtund mit St. Katharina daselbst und St. Georg zu Werben eng-verwandt ist. An diese wichtigsten Bauwerke schliefsen sich einebeträchtliche Zahl von Kirchen in den kleineren Städten undFlecken an, die stets ein hervorragendes Monument mit gerin-gen Aenderungen wiederholen, wie denn auch die noch viel grö-fsere Anzahl von angebauten oder freistehenden Kapellen über-gangen werden mufs. Die wichtigste der letzteren ist die Ka-pellen-Anlage an St. Katharina zu Salzwedel 1467, welche kurzdarauf bei St. Maria in derselben Stadt wiederholt wurde.

Mit dem hier kurz angedeuteten Aufschwünge der Baukunst

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