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Schluss.
Die auf Grund der mitgetheilten Einzelforschungen zusammengestellteChronologie der Bauwerke zu Brandenburg ist durch die Fülle und Be-deutung ihres Inhalts wohl geeignet, ein allgemeineres Interesse zu er-wecken.
Wir sehen darin, wie in ältester Zeit die Kraft eines grofsendeutschen Kaisers den ersten Versuch macht, von Sachsen aus, deut-schen Glauben und deutsche Sitte in die heidnischen fast unbekanntenGegenden des nordöstlichen Deutschlands zu tragen. Aber minder kräf-tige und umsichtige Nachfolger sind nicht im Stande, diesen politischenund kirchlichen Schöpfungen Bestand zu verleihen. An dem einmüthi-gen, in ' seiner Existenz bedrohten Nationalbewufstsein der slavischenVölker scheitert der viel versprechende Versuch, und ein 200jährigerKampf knüpft sich an die Germanisirungs-Politik des grofsen Kaisers.Dennoch — und trotz des ausdauerndsten Widerstandes der Slaven —siegt das deutsche Element durch Glaubenskraft und Waffengewalt. Derletzte Slavenfürst wird Christ und Stifter der ersten Gotteshäuser, derensächsische Bauweise das schwere ungefüge Material des Granits benutzt.An die Stelle der absterbenden slavischen Herrschergewalt tritt die um-fassende weitreichende Thätigkeit eines neuen Fürstengeschlechts derAnhaltiner. Kolonisten aus Deutschland und den Niederlanden eilenherbei; deutsches Recht wie Sitte werden begründet, niederländischeKultur übertragen, und die bischöfliche Wirksamkeit zögert nicht, inalte kaiserliche Schenkungen einzutreten. So prägt sich das unter hartemDrucke emporwachsende Leben einer politisch wie kirchlich schwer be-gründeten Existenz in den Bauwerken aus, welche das nächste unmittelbareBedürfnifs zu befriedigen, in gröfster Einfachheit und Schlichtheit erschei-nen. Die Pfarrkirche St. Nicolaus und der Dom St. Peter und Paul habendiesen Typus in einfach romanischen Formen bewahrt. Eigenthümlicherund künstlerisch vollendeter gestaltet, aber auch im Aeufsern noch mäfsigund bescheiden, wird der uralten Heiligkeit des Ortes und dem Drangeneuer Verehrung entsprechend, die Wallfahrts-Kirche St. Maria auf demHarlunger Berge errichtet, — durch ihre Zerstörung leider ein leeres,schwer zu ergänzendes Blatt der Brandenburgischen Baugeschichte.
Aber die Städte wachsen an Einwohnerzahl, Macht und Ansehen.Ihre Pfarrkirchen werden vollendet und nicht ohne Reichthum und Kunst-sinn ausgestattet. Geistliohe Körperschaften, welche mit dem Gelübdeder Armuth an den Wohlthätigkeitssinn gedrängt zusammensitzenderBürger gewiesen sind, bleiben nicht aus. Von den Landesherren ein-gefuhrt und beschützt, und durch steten Zusammenhang mit dem geist-lichen Stuhle gefördert, erbauen die beiden rivalisirenden Bettelordenihre Klosterkirchen St; Johannes und St. Paul. Beide Kirchen zeigenzuerst den neuen, in Frankreich ausgeprägten gothischen Styl in ein-facher, den Bedingungen strenger Sparsamkeit stets Rechnung tragenderWeise. Die von ihnen aufgestellten Kirchenformen finden Beifall, dasdaran entwickelte consequente System leichter, aber feuersicherer Deckenbaldige Nachahmung.
Zuerst entschliefst sich das Domkapitel aus solcher Rücksichtsnahmezu einem Umbau des alten romanischen Domes, und überträgt die Lei-tung desselben wie des Restaurationsbaues der St. Peters-Kapelle einemerfahrenen Kleriker seiner Genossenschaft. Kaum sind beide Bautendurch Heinrich von Gardelegen in edlen und reinen Stylformen vollendetund von Seiten der Neustadt der kleine Kapellenbau bei St. Jacob innaiver Einfachheit beendigt, so unternimmt die Altstadt einen bedeu-tenden Neubau ihrer alten Pfarrkirche St. Godehard.
Dieser erste Versuch einer selbstständigen städtischen Baupraxiswird mit Erfolg gekrönt, und nun entfaltet sich in beiden Städten, nichtohne gegenseitige Rivalität, eine reiche und umfassende Bauthätigkeit.
| Fortan tritt die sonst eingreifende Hülfe der Landesherren in den Hinter-■j grund, die Geistlichkeit übergiebt die bauliche Leitung den Laien-Werk-meistern und bleibt nur noch die wohlthätige Förderinn aller kirchlichenBau-Unternehmungen.
j 1 . Die Städte sind mündig geworden. Thore und Ringmauern nehmenihre Aufmerksamkeit und Geldmittel in Anspruch, aber wohlerworbenesVermögen erlaubt, diesen nackten Bedürfnifsbauten mehr und mehrkünstlerischen Schmuck zu verleihen. Noch sichtbarer wird dieser Hauchsoliden bürgerlichen Reichthums an den Rathhäusern, den Mittelpunktenr kräftiger Selbstregierung wie geselliger Freude. Die Altstadt erreicht'hierin mit ihrem kleinen aber edlen Bau den Gipfelpunkt der Profan-
Architektur.
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I Bald darauf und während das Domkapitel unter Anregung eines
kunstbegeisterten Bischofs einen kostbaren Erneuerungsbau am Domevollzieht, fafst die Neustadt alle irgend verfügbaren Mittel zusammeni und stellt einen fast überreichen Neubau ihrer Pfarrkirche St. Katha-rina her. Der hierzu von Seiten der Stadt gewählte Meister HeinrichBrunsberg entspricht den gesteigerten Anforderungen seiner Zeit im voll-j! sten Sinne des Worts. St. Katharina ist sein eigenes und der Neustadtvollendetes Denkmal. Aber" der Gipfelpunkt ist erreicht, neue und!! grofse, von dem Bewufstsein der Zeit getragene Aufgaben kommen nichtmehr vor, die künstlerische Kraft erlahmt, nur die Techpik schreitet! noch vorwärts. So treten an die Stelle grofser Künstler tüchtige'i Handwerksmeister, deren bester, Nicolaus Kraft (wohl ein Schüler! Heinrich Brunsberg’s), im Sinne des Meisters von St. Katharina fort-1 zuwirken sucht.
Auch der Versuoh einer landesherrlichen Bauthätigkeit wird in die-ji ser Zeit noch einmal sichtbar. Ein Fürst aus dem Geschlechte der Ho-
i . henzollern erbaut in frommer Verehrung neben der Wallfahrtskirche
ii . °
St. Maria — die Kapelle des Schwanenordens. In diesem kleinen, aber
ij edlen Bau zeigt sich noch ein Abglanz des reichen Fapadenbaues vonSt. Katharina, mit welchem auch die Altstadt noch einmal in den; Kapellenbauten bei St. Godehard zu wetteifern sucht. Aber vergeblich.
i Die lebendige schöpferische Kraft ist erloschen, denn die erstrebten Zielei 1 sind erreicht und die baulichen Bedürfnisse des Mittelalters vollständig|j. befriedigt.
j| Zuletzt bleibt drei Jahrhunderte hindurch die fromme anerkennens-
werthe. Pietät, welche nicht ohne Opfer die Werke der Vorfahren alsZeugen einer grofsen Vergangenheit so gut als möglich der Nachweltjj zu überliefern sucht.
In diesem Sinne, kurz und audeutend gelesen, ist die vorangestellteChronologie der Bauwerke für. die Stadt Brandenburg der Gesammt-Inhalt einer vierhundertjährigen, reichen und mannigfaltigen Bauthätig-keit, die für alle Zeiten niedergelegte Urkunde ihrer politischen selbst-ständigen Existenz. Was aber für die Stadt Brandenburg gilt, findetji auch auf die übrigen Städte der Mark volle Anwendung. Jede der-
ii selben hat diesen kulturhistorischen Entwickelungsgang im Mittelalterfast in gleicher Weise genommen, und den Ausdruck desselben in ihrenBauwerken rein und vollendet ausgeprägt.
| . Aber schon ist ein grofser Theil dieser baulichen Schöpfungen zu■ Grunde gegangen, und von den übrig gebliebenen ist-es unendlich schwer,i oft ganz unmöglich, ihr für die Geschichte der Stadt wie der Kunststets so wichtiges Datum zu ermitteln. In beiden Beziehungen stehen| die Städte Brandenburg obenan. Eine zusammenhängende Reihenfolgejj von Bauwerken und eine seltene Fülle von Urkunden und Nachrich-‘j ten ergeben bei sorgfältiger Prüfung und Zusammenstellung eine ge-! sicherte Chronologie und darin das Fundament für alle weiteren Un-! tersuchungen des Backsteinbaues und seiner Monumente im nordöstli-chen Deutschland.
Siegel der Neustadt Brandenburg.
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Gedruckt bei A. W. Schade in Berlin, Grünstrafee 18.